Facing the Storm
The sky was fallin′ like a comet - Druckversion

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The sky was fallin′ like a comet - Muirín Henaghen - 04-06-2025

Obwohl ihr Unterarm schon ganz gerötet war, weil sie sich so oft kniff, wachte sie trotzdem nicht auf. Dabei war sie sich sicher, dass dies ein schlechter Traum sein musste, denn ihr Leben hätte sich in den letzten Wochen nicht noch mehr ändern können. Nachdem ein Unbekannter Muiríns Vater von ihren Ausschweifungen berichtet hatte, war Alles ganz schnell gegangen. Sie selbst wurde nicht angehört. Wieso auch? Sie war schließlich nur eine Frau und außerdem schon lange vermeintlich auf der Suche nach einem Mann, den sie ehelichen konnte. Jedenfalls hatte sie das immer ihrem Vater und Bruder verkauft, dass es ihr wichtig wäre, selbst ihren Zukünftigen auszusuchen. Dass sie sich ranhielt, weil sie wusste, wie sehr es eilte. Sie war zu alt, um noch attraktiv für die Männer zu sein. Und wenn besagt Männer wüssten, womit sich die rothaarige Prinzessin in den letzten Monaten die Zeit vertrieben hatte, wäre ihr Alter ihr geringstes Problem. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hätte sie sich nicht wundern dürfen. Und trotzdem schmerzte sie es, ihr altes Leben nun hinter sich zu lassen. Seit gestern war sie in Kenmara, hatte fünf Tage mit der Kutsche ihrer Familie zurückgelegt, ehe sie in dem felsigen Fürstentum angekommen war. Und schon nach den ersten paar Minuten wäre sie am liebsten direkt wieder auf dem Absatz umgekehrt. Es war windig und kalt, immer wieder regnete es und peitschte der jungen Frau ihre eigenen Haare ins Gesicht, sodass sie kaum noch etwas sehen konnte. Es war furchtbar. Der dunkelgraue Stein, aus dem hier fast alles gehauen war, schien sie zu verpönen. Sie auszulachen. Ihr zu sagen, dass sie hier nicht her gehörte. Nichts an dieser Festung wirkte einladend. Nichts wirkte wie ein schönes und gemütliches zu Hause. Und trotzdem würde das hier fortan ihre Heimat sein. Das Fürstentum Kenmara, die Spitze der See.

Nachdem sie sich gestern einer ausgiebigen Körperpflege gewidmet hatte, hat man sie für den heutigen Abend zum ersten gemeinsamen Abendessen mit der Familie Fraser eingeladen. Sie hatte keine Ahnung, wer alles dabei sein würde. Und sie interessierte es auch nicht. Sie wollte nicht hier sein. Alles in ihr sträubte sich dagegen das dunkelgrüne samtene Kleid anzuziehen, das man ihr bereit gelegt hatte. Der Schmuck an ihren Ohrläppchen und an ihrem Hals fühlte sich an, als wäre er mehrere Kilo schwer, wollte sie zu Boden ziehen und über ihr thronen. Die Schmerzen, während man ihr die verknoteten Haare bürstete, eine stete Erinnerung daran, was von nun an ihr Leben sein würde. Und jeder, der auch nur ein einziges Mal in seinem Leben Kontakt mit Muirín Henaghen gehabt hatte, würde wissen, wie sehr sie alles an diesem Drecksort hasste. Und wie sehr sich das auf ihre Laune auswirkte. Ja, sie war eine Prinzessin. Ja, sie hatte theoretisch gute Manieren. ABER sie hasste es, wenn über ihren Kopf hinweg bestimmt wurde. Wenn ihr Leben von anderen Menschen in die Hand genommen wurde. Und sie war viel zu impulsiv und leidenschaftlich, um darüber zu schweigen. Sie war ein Wildfang, kein zahmes Pony. Sie würde beißen und treten, bis man sie in Ruhe ließ. Sie würde sich wehren. Gegen all' das hier. Gegen dieses Leben und diese Witterungsbedingungen. Gegen einen Mann, der sie nicht einmal sehen konnte, weil er von Geburt an verkrüppelt war! Man hatte sie mit einem Prinzen verheiratet, der keinen Thronanspruch hatte! Muirín Henaghen sollte in zwei Tagen einen Mann heiraten, der mit ihrer Schönheit nichts würde anfangen können, außer man berichtete ihm davon. Sie war doch kein Kindermädchen!

Die geröteten Wangen versuchte sie schweigsame Zofe mit etwas Puder zu überdecken, gab jedoch nach kurzer Zeit auf, nachdem die Prinzessin immer wieder schnaubend den Kopf weggedreht hatte. Ob sie hier jemals Freunde finden würde, wenn sie es sich selbst mit ihrer Zofe verscherzte? Doch darüber konnte sie im Moment nicht nachdenken, war viel zu sehr gefangen in ihrem eigenen Temperament, ihrer Wut und ihrer Trauer.

So war es wenig verwunderlich, dass die sonst so elegante und charmante Prinzessin wie ein tosender Wirbelwind durch die hölzernen Türe stürmte, die den Eingang zum Speisesaal markierten und sich wortlos auf den ihr zugewiesenen Platz setzte.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Cathal Fraser - 04-06-2025

Ein dumpfer, feiner Schmerz zog sich wie ein Schatten durch Cathals Schläfen, während er die Kleidung anlegte, die man ihm zurechtgelegt hatte.
Mit der gewohnten Präzision hatten seine Finger den Stoff geprüft – jedes Nahtstück, jede Falte. Das Leinenhemd roch nach Seife, ein Hauch zu viel vielleicht, sodass es in der Nase leicht brannte, statt zu beruhigen.

Er hatte sich diesen Tag schlimmer vorgestellt.
Glaubte, mit einer Laune aufzuwachen, so schwer wie der Sturm über Kenmara. Doch stattdessen war da nur dieses stumpfe Pochen im Kopf – nicht laut, nicht gnadenlos, nur... beharrlich. Wie eine Erinnerung, die nicht vergehen wollte – die sich festbiss, langsam und schmerzhaft, und das Herz schwer zu machen drohte. Dabei war es keine Erinnerung im eigentlichen Sinne, sondern der schleichende Abschied von dem Menschen, der er noch vor kurzem gewesen war.

Moira und Niamh würden an diesem Abend nicht mit ihnen speisen. Rose hatte es für angemessener gehalten, wenn die zukünftigen Eheleute einander in ruhigerer Runde kennenlernen würden. Vermutlich wollte sie Muírin den scharfen, prüfenden Blick Moiras ersparen – und das haltlose, nervöse Plaudern Niamhs gleich dazu. Cathal hatte nichts gesagt. Aber er hatte es bemerkt.

Cathal war einer der Ersten, die den Speisesaal betraten. Sein Vater saß bereits an der Stirnseite des langen Tisches, wie immer aufrecht, wie immer still. Rose stand vor den schweren Holztüren und sprach gedämpft mit einem Bediensteten – ihre Stimme weich, aber von jener Klarheit, die keine Widerrede zuließ. Der Nicht-mehr-Erbe Kenmaras bewegte sich langsam, fast gemächlich, an den Tisch heran.
Manche hätten in seinem Gang vielleicht einen Anflug von Widerwillen erkannt – doch Cillian begegnete diesem Verhalten mit ausgesprochener Gelassenheit. Was hätte er auch anderes tun sollen? "Bist du nervös?" Die Stimme seines Vaters klang ruhig, beinahe beiläufig, während sein Blick – wie so oft – unausgesprochen mehr sagte als die Worte. Doch dies blieb Cathal verborgen. Seine Hände ruhten auf der Rückenlehne des ihm zugedachten Stuhls. Einen Moment lang sagte er nichts. Dann zuckte er mit den Schultern. "Nervosität ist wie ein hungriger Hund. Wenn man sie füttert, bleibt sie. Und ich sehe keinen Grund darin, sie zu füttern.", hätte sein Vater danach gefragt, ob Cathal glücklich sei, hätte der junge Mann klarere Worte gefunden.

Er hörte ihre Schritte, noch bevor sie den Raum betreten hatte. Stürmisch. Energisch. Alles andere als sittsam oder elegant. Vielleicht war da sogar eine leise Unregelmäßigkeit in ihrem Gang – als könnten ihre Beine kaum mit dem Tempo ihres Temperaments Schritt halten. Ein Widerspruch, hörbar in jedem Schritt.
Cillian drehte sich zu dem Mädchen um. Ein kaum merkliches Innehalten ging durch seine Haltung, wie ein Schatten, der kurz über sein Gesicht huschte. Rose hingegen wirkte im ersten Moment... betroffen. Ein entrücktes "Oh..." entwich ihren Lippen – zu leise, um erstaunt zu sein, zu ehrlich, um es zu verbergen. Cathal bedauerte, dass er ihr Gesicht nicht sehen konnte.
Geräuschvoll zog seine zukünftige Frau den Stuhl zurecht und ließ sich nieder. Cathal stand noch immer hinter seinem eigenen, die Unterarme lässig über die Rückenlehne geschlagen, die Haltung fast zu entspannt – und doch war da Spannung, spürbar wie ein Sog in der Luft.
Einen Moment lang sagte er nichts. Er sog die Atmosphäre in sich auf. Jedes Atemgeräusch, jedes Knarzen des Holzes, das leichte Rascheln von Stoff – all das erzählte ihm mehr, als Worte es je könnten. "Ihr seid also der Sturm, den man mir angekündigt hat.", in seiner Stimme lag eine feine Nuance des Spottes, zugleich eine empörende Ruhe. Beim Ausatmen seines Vaters bemerkte Cathal, dass dieser die Bemerkung für unangemessen hielt. Der 25jährige zog seinen eigenen Stuhl zurück und setzte sich. "Wir freuen uns sehr, Euch endlich näher kennenlernen zu dürfen.", sprang Rose ein und tat das was sie wohl am besten konnte. Strahlen.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Muirín Henaghen - 15-06-2025

Ihr seid also der Sturm, den man mir angekündigt hat.

Und wie sie das war. Ihr Inneres einem Orkan gleich aufgewühlt fiel es ihr schwer, halbwegs Ruhe zu bewahren. Selbst ihr Äußeres schien zu pulsieren, die roten Haare, die offen und wild über ihre Schultern fielen, schienen ihren Gemütszustand unterstreichen zu wollen, während die eher sanftere Röte auf ihren Wangen Zeuge ihrer Aufgebrachtheit war. Die Hände im Schoß gefaltet, ruhig - zu ruhig! - liegend im weichen Stoff ihres Kleides. Erst als sie saß, konnte sie wieder atmen. Es war, als hätte sie die ersten Sekunden hinter sich bringen müssen, um wieder Luft zu bekommen. Es fühlte sich an, als wäre sie ein Tier, das zur Schau gestellt wurde und man entschied, ob es so gut genährt war, dass man es kaufen wollte. Oder ob es zu krank war, um es zu behalten. Eine Viehschau sondergleichen, mit dem Unterschied, dass man schon entschieden hatte, sie zu behalten. Muirín war das Vieh für einen blinden Bauern. Wäre sie nicht so aufgebracht gewesen, hätte sie vielleicht gelacht. Hysterisch. Nicht amüsiert. Doch selbst dieses hysterische Lachen schaffte es nicht, sich einen Weg aus ihrer Kehle heraus zu bahnen. Sie blieb stumm. Strich vorsichtig mit dem Daumen über die eigene Handfläche. Je länge sie hier saß, den Blick über die Anwesenden schweifen ließ, desto ruhiger wurde wieder ihr Herzschlag. Kurz zuvor war es ein Galopp, in dem ihr Herz ihr bis zum Hals schlug, während es nun wieder etwas entspannter wurde. Bis zu dem Moment, an dem die ersten Worte die Stille durchschnitten wie ein scharfes Messer.

Die junge Frau, die ebenfalls mit im Raum war und sich bei ihrer Ankunft als Rose vorgestellt hatte, schien der Sonnenschein dieser Familie zu sein. Ruhig, besonnen und strahlend schön. Sie war es, die nach Cathal das Wort ergriff und versuchte die aufgebrachten Wogen wieder zu glätten. Muiríns Blick wanderte von Cillian, dem Familienoberhaupt, hin zu Rose, die ihr immer noch ein strahlendes Lächeln zuwarf und sie nonverbal ganz offensichtlich versuchte aufzumuntern, bis hin zu Cathal, der noch immer mit lässiger Pose an seinem Stuhl stand. "
Ich hoffe ihr seid es gewohnt im Sturm zu schwimmen
", entgegnete die Rothaarige mit scharfer Zunge und ließ ungeniert ihren Blick von oben bis unten über den Prinzen wandern. Sie ließ sich Zeit ihn zu mustern. Er konnte es ja sowieso nicht sehen. Nur das Zucken ihrer Augenbraue verriet den Umstehenden eine Regung über das, was sie sah.

"
Ich würde gerne sagen, dass die Ehre ganz meinerseits ist, aber ich bin keine besonders gute Lügnerin
", entgegnete sie butterweich und zuckersüß, als sie sich nach ausgiebiger Musterung wieder Rose zuwendete und ihren Kopf leicht schief legte. "
Die Vorspeise können wir gerne überspringen. Und den belanglosen Plausch am liebsten auch
", entgegnete sie immer leiser werdend und warf einen Blick auf ihren zukünftigen Ehemann.

Ihre Mutter würde sich im Grabe drehen, wenn sie wüsste, wie sich Muirín Henaghen hier präsentierte. Und es tat ihr in der Seele weh, sie nicht stolz machen zu können, doch der Widerwillen in der Prinzessin war so groß, dass sie nicht wusste, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen sollte. Es fühlte sich an wie ein aktiver Vulkan, brodelnd und unglaublich heiß, die Worte sprudelten einfach so aus ihrem Mund heraus, ohne, dass sie länger darüber nachdenken konnte. Sie wusste, dass sie sich besser präsentieren sollte, doch sie konnte nicht.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Cathal Fraser - 18-06-2025

"Ich hoffe ihr seid es gewohnt im Sturm zu schwimmen"

Cathals Augenbraue hob sich kaum merklich, ein winziges Zucken – zu wenig, um echtes Erstaunen zu verraten. Wahrscheinlicher war, dass er ihre Wortwahl für idiotisch hielt. Sein Kopf glitt hinab, als würde er abwägen, ob es sich lohnte, überhaupt zu antworten. "Ich sehe ihnen gelassen entgegen." Seine Stimme war träge, fast gelangweilt. Die Worte fielen wie schwere Tropfen auf kalten Stein – rhetorisch, abschätzig. Ein Urteil. Zwischen ihnen spannte sich die Luft – straff wie ein Bogen, bevor der Pfeil fliegt.

Cathal wusste Rose’ Bemühungen beinahe zu schätzen. Ihre übertriebene Freundlichkeit, die aufmerksamen Gesten, ihr aufrichtiger Wille, Muírin willkommen zu heißen – all das war ehrlich gemeint, und vermutlich gerade deshalb schwerer zu ertragen. Denn das Mädchen trat all diese Freundlichkeit gerade mit Füßen. Und auch wenn Cathal selbst nicht sonderlich daran interessiert war, Muírin in diesem Haus zu sehen – geschweige denn, in seiner Nähe –, regte sich in ihm eine seltsame, kalte Form der Verachtung. Nicht gegen sie allein, sondern gegen diese ungehobelte, beinahe stolze Respektlosigkeit, mit der sie seiner Familie gerade begegnete. "Sie besitzt in etwa so viel Anstand wie eine Gossenhure." Die Worte trafen wie ein scharfer Schnitt in die Stille die zwischen Rose und Muírin entstanden war – absichtlich grob. Nicht, weil er sie provozieren wollte. Sondern weil Ehrlichkeit ihm stets wie ein Brand auf der Zunge lag. Ungefiltert, ungeschönt – und oft gnadenlos. "Wir müssen hier kein großes Schauspiel veranstalten..." Die Worte fielen wie Steine, kalt und schwer. "Aber zügelt Eure Zunge. Und nickt einfach höflich, wenn man Euch mit Höflichkeit begegnet." Er lehnte sich zurück, als wäre der Disput erledigt, hob gemächlich eine Hand und gab so den still wartenden Angestellten ein Zeichen, das Essen hereinzubringen. Ein hauchfeines Lächeln zog über seine Lippen – kaum spürbar, aber voller Spott. "Ein Mindestmaß an Intelligenz sollte das eigentlich ermöglichen." Die Worte glitten ihm so beiläufig über die Lippen wie ein gelangweilter Kommentar zum Wetter. Dann nahm er den gereichten Kelch, roch einen Moment an dem Getränk, bevor er ihn ansetzte.

Sein Vater schwieg. Vielleicht, weil sein Sohn lediglich ausgesprochen hatte, was er selbst nicht in Worte fassen durfte – oder wollte. Rose räusperte sich. Leise.
Unter anderen Umständen hätte Cathal ihre forsche Art vielleicht als belebend empfunden – ein willkommenes Gegengewicht zur oft erstickenden Etikette. Doch seine Loyalität zu seiner Familie war keine variable Größe, und in seinem Urteil kannte er weder Milde noch Geduld, wenn man ihnen mit Missachtung begegnete.
Die Dienerschaft begann aufzutragen, verschiedene Probierstücke wurden mit geübter Präzision auf den Tellern angerichtet. Zwischen den silbernen Klängen des Bestecks meldete sich erneut Rose zu Wort. Ihre Stimme klang kontrollierter als zuvor, doch ein frostiger Unterton ließ sich nicht leugnen. "Wie... war denn Eure Reise nach Kenmara?" Cathal hörte, wie sein Vater ruhig nach dem Besteck griff und tat es ihm gleich.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Muirín Henaghen - 21-06-2025

Stille.

Die Worte hatten getroffen.

So hart, dass ihr die Sprache wegblieb. Es fühlte sich an, als würde jemand auf ihren Rippen sitzen und ihr all' die Luft abschnüren, die sie so dringend brauchte. Zum leben, aber auch zum reden. Zum Antworten. Um eine Verteidigung vorzubringen, die nicht existierte. Doch Muirín hatte nie gelernt mit solchen Gefühlen umzugehen. Nachdem ihre Mutter verstorben war und ihr Platz von einer Frau eingenommen wurde, die nur unweit älter war, als sie selbst, war ihre Welt in sich zusammengebrochen. Ja, sie war damals schon erwachsen gewesen. Nein, es hatte sie nicht auf den unbändigen Schmerz vorbereitet, der bei dieser Nachricht durch ihren Körper gejagt war. Und seitdem eigentlich nicht aufgehört hatte. Vielleicht war das der Grund, weshalb sie die Worte, die von dem blinden Prinzen ausgingen, noch so viel härter trafen, als er vermutlich beabsichtigt hatte. Obwohl er schon hart treffen wollte, so viel war ihr klar. Sie selbst hätte ganz genauso reagiert. Vielleicht sogar noch ausfallender, wenn man ihre Mutter damals angegriffen hätte. Und auch wenn Rose nicht seine Mutter war, schien sie trotzdem eine unendlich nette und zuvorkommende Frau zu sein. Beherrscht und ruhig, das Lächeln auf den Lippen so ehrlich, wie es ihr Herz vermutlich ebenfalls war. Und Muirín hasste diese Situation so sehr, dass ihr auch nach dem ersten Schreckmoment noch immer die Luft fern blieb.

'so viel Anstand wie eine Gossenhure', hallte es in ihrem Kopf immer und immer wieder nach und für einen kurzen Moment fragte sie sich, ob er Recht hatte. Aber nein, hatte er nicht. Sie zweifelte, strauchelte, doch sie kannte ihren Wert. Und dieser Wert wurde hier genauso mit Füßen getreten, wie sie es mit der Freundlichkeit von Rose getan hatte. In zwei Tagen würde ihre Hochzeit stattfinden und noch nie zuvor hat es einen Menschen gegeben, dem sie sich ferner gefühlt hat, wie Cathal Fraser in diesem Moment. Sie hatte Angst, war völlig alleine, einsam und verstoßen von ihrer eigenen Familie, wurde diskreditiert, weil sie eine Frau war und nun einfach abgeschoben, damit sich jemand anders mit ihr als 'Problem' auseinander setzen konnte. Dass sie nun keine besonders freundlichen Worte an ihrem ersten Abend gefunden hatte, war also kein fehlender Anstand, sondern einfach nur maximale Überforderung. Sie wusste nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte. Wollte um sich schlagen und treten. Wollte aufmerksam darauf machen, wie falsch diese ganze Sache war. Doch Muirín war kein schlechter Mensch. Sie war keine Gossenhure, die keinen Anstand hatte. Sie war eine junge Frau, die völlig verloren war.

Noch immer herrschte Schweigen. Die Rothaarige griff sich das Besteck, das fein sortiert vor ihr lag und nickte dankend den Kellnern zu, die das Essen servierten. Sie konnte die Blicke auf sich ruhen spüren, außer den von Cathal. Seinerseits war jedoch auch kein Blick nötig, um ihr zu zeigen, wie wenig er von ihr hielt. Die Worte hatten tiefe Wunden hinterlassen, die auch jetzt, nach wenigen Minuten, noch immer bluteten und schmerzten. Ja, sie war nicht besonders freundlich gewesen, das musste sie zugeben. Aber dass er SO reagieren würde, damit war sie in diesem Moment genauso überfordert, wie sie eh schon mit der restlichen Situation war.

Der erste Bissen, der in ihren Mund wanderte, blieb ihr beinahe im Hals stecken. Ihre Kehle fühlte sich staubtrocken an. Unfähig zu sprechen oder zu schlucken. Dabei war es nur ein winziges Stück Kartoffel gewesen, das sie mit der Gabel aufgespießt und zum Mund geführt hatte. Muirín räusperte sich leise. Beinahe hätte sie die Worte von Rose darüber nicht gehört. Und am liebsten hätte sie sich noch einmal geräuspert. Das sie sich auch jetzt noch so viel Mühe gab freundlich zu sein würde sie ihr in der Zukunft hoch anrechnen müssen. Nur heute Abend würde sie das sicher nicht mehr so gut differenziert bekommen.

Sie griff zum Wein, den man ihr eingeschenkt hatte und versuchte ihre Kehle zu befeuchten. Nahm einen kleinen Schluck, ehe sie das Glas wieder abstellte und sanft nickte. Sie sollte lächeln und nicken, hatte Cathal gesagt. So, wie man es ihr ihr ganzes Leben lang schon von ihr erwartete. Keine Meinung haben, nicht ungemütlich sein. Einfach nur nett anzuschauen, aber am besten gar nicht zu hören. Dumm nur, dass das mit dem nett anzuschauen für Cathal schon raus war. In diesem Moment konnte sie sich nicht vorstellen jemals auch nur wieder ein einziges Wort mit ihm zu wechseln.

Obwohl sie ihrer eigenen Stimme kaum traute, versuchte sie sich doch nach überraschend langem Schweigen noch an einer Antwort. Die ersten Worte, die ihr in den Sinn kamen, hätten nicht ironischer sein können. 'Ich kann mich nicht beschweren', war sicher nicht das richtige, was sie in dieser Situation sagen sollte. Stattdessen antwortete sie: "
die Reise war beschwerlich, aber ohne besondere Vorkommnisse. Sogar der Regen hat für ein paar Tage beinahe gänzlich aufgehört
". Sie hörte sich selbst reden und empfand es als hölzern und falsch. Ihre Stimme klang so gar nicht nach ihr. Doch es war das Beste, was sie in diesem Moment zustande brachte.
Sie widmete sich wieder dem Essen auf ihren Teller, hob jedoch noch mal den Kopf, um den Blick von Rose zu suchen. "
Danke der Nachfrage
", fügte sie leise hinzu und blinzelte ihr ein paar Mal vielsagend und gleichzeitig nichts-sagend entgegen.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Cathal Fraser - 25-06-2025

Cathal nahm das Schweigen ohne Regung hin. Es gab ihm die Möglichkeit, seine Gedanken zu ordnen und den Ablauf der kommenden Tage zu planen – die Hochzeit war für ihn nichts weiter als eine formale Verpflichtung, die es zu erfüllen galt. Gefühle spielten dabei kaum eine Rolle. Die Ehe war für ihn kein Bund aus Zuneigung oder Liebe, sondern ein arrangiertes Bündnis, das seiner Familie und seinem Stand diente. Die Frau, die er heiraten würde, war weniger eine Partnerin als eine Verpflichtung – ein Teil eines größeren Spiels, in dem persönliche Wünsche keinen Platz hatten.
Er hatte gelernt, solche Dinge mit Abstand zu betrachten, nüchtern und ohne Illusionen. Während andere vielleicht von Liebe und Nähe träumten - Moira zum Beispiel -, sah er darin nur eine pragmatische Verbindung, die Stabilität und Macht sichern sollte. Es lag also nicht an Muírin, dass er dem Ganzen so nüchtern entgegenblickte – er hätte so mit jeder Frau aus den Königreichen verfahren. Was ihn wirklich störte, war die Bedeutungslosigkeit dieser Verbindung in seinen Augen. Diese Ehe versprach keinen Nutzen, keine Macht, keinen Vorteil – sie war bloß ein leeres Ritual, das er widerwillig über sich ergehen ließ.

Mehr beiläufig lauschte er dem Gespräch der beiden Damen, wie sie von der Anreise nach Kenmara sprachen, vom Wetter, das dort geherrscht hatte, und von den Strapazen des Weges. Zwischendurch führte er sich immer wieder einen Happen zum Mund oder nahm einen Schluck von dem Wein, den Rose extra für den Abend ausgewählt hatte – etwas süßlicher als sonst, was ihm nicht unangenehm war. Auch wenn er es eigentlich vorzog, gar keinen Alkohol zu trinken. Vermutlich hatte seine Stiefmutter so auch bei ihm etwaige Anspannungen lösen wollen. "Dann kommt erst einmal in Ruhe hier an.", erklärte Rose freundlich und legte Muírin sanft die Hand auf den Arm – etwas, das Cathal zwar nicht sehen konnte, aber in der Wärme ihrer Stimme deutlich spürte. Rose war eben eine gute Seele, die es ehrlich meinte und wollte, dass die junge Fürstentochter sich willkommen fühlte. Cillian ließ sich währenddessen etwas Wein nachschenken. "Vielleicht kann Cathal Euch ja morgen ein wenig die Burg zeigen", warf sein Vater beiläufig ein und schob sich ein Stück des Essen in den Mund.

"Gewiss.", antwortete Cathal mit ruhiger Stimme, schob sich ein Stück Kartoffel in den Mund, kaute bedächtig und schluckte hinunter. "Und scheut Euch nicht, den Bediensteten Eure Wünsche mitzuteilen. Euer Gemach könnt Ihr nach Euren Vorstellungen gestalten – vielleicht fällt es Euch dann leichter, Euch hier - mit der Zeit - heimisch zu fühlen." Seine Worte trugen keine übertriebene Fürsorge, doch sie vermittelten klar, dass er keinen Krieg gegen sie führen wollte. Die Unausweichlichkeit ihrer Ehe war beiden bewusst, weshalb sie es so bequem wie möglich für einander machen konnten. Und Cathal verlangte nicht, dass sie für den Rest ihres Lebens sein Gemach mit ihm teilen würde. Da er vermutlich niemals Fürst werden würde, spielte es wohl kaum eine Rolle, ob sie ein Kind bekamen oder nicht.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Muirín Henaghen - 21-07-2025

Plötzlich war es, als hätten diese Worte gerade gar nicht existiert. Als hätte Muirín sich eingebildet, dass er sie eine Gossenhuren genannt hatte und ihren fehlenden Anstand damit erklärt hatte. Vermeintlich. Denn die Henaghen hatte Anstand, nur an diesem Abend fiel es ihr besonders schwer ihn unter all den verwirrenden Gefühlen zu finden. Ja, sie war nicht besonders nett zu den Gastgebern gewesen, die für das ganze Schlamassel überhaupt nicht verantwortlich waren, aber trotzdem hatten seine Worte verletzt. Mehr, als sie es sich wünschte. Denn was interessiert sie schon, was ein blinder Prinz zu sagen hatte? Eigentlich gar nichts! Er würde nicht einmal das Fürstentum von seinem Vater erben, war er doch so klug gewesen und hat sich einen anderen Erben schenken lassen, damit der blinde Prinz bloß keine Verantwortung tragen musste. So viele Gemeinheiten fielen der jungen Frau dazu ein, doch keine davon verließ ihre Lippen. Ja, sie war ein Biest und ganz schön verwöhnt, aber sie war grundsätzlich kein schlechter Mensch. Sie machte keine Dinge, um absichtlich andere zu verletzen. Sie versuchte nur, ihren eigenen Weg in all' diesem Chaos zu finden. Das hat sie auch in Ishcateslieve nur versucht, doch dieser Versuch wurde ihr als widerwärtig und abscheulich ausgelegt. Während die Männer sich in Freudenhäusern austoben durften, hatten Frauen ganz andere Rechte und Verpflichtungen. Ein Freudenhaus gehörte da definitiv nicht dazu...

"
Eine Burgführung wäre nett, vielen Dank
", erwiderte sie steif und schob sich ebenso das Essen in den Mund, wie es die Anderen am Tisch taten. Zwischendurch kam immer wieder betretenes Schweigen auf und die Rothaarige wäre am liebsten im Erdboden versunken. Maebh tat zwar Alles, damit sie sich wohl fühlte, doch auch ihre Muskeln wirkten angespannt. "
Das heißt, es gibt kein gemeinsames Gemach?
", fragte sie verwirrt nach und erlaubte sich für einen kurzen Moment das Gefühl von purer Freude. Sie war davon ausgegangen, dass man sie wie selbstverständlich auch als Ehepaar behandelte, nachdem sie in zwei Tagen den Bund der Ehe schließen würden. Dass man ihr noch weiterhin ihren Freiraum als eigenständige Person lassen würde, davon hatte sie sich nicht einmal erlaubt zu träumen. Während sie immer wieder verstohlen zu Cathal blickte und versuchte herauszufinden, wie er so etwas banales - wie ein gemeinsames Abendessen - meisterte, ohne hundert Mal neben dem Fleisch auf dem Teller herumzustochern. Noch ohne auf eine Antwort abzuwarten, erhob sie nun von sich aus die Stimme. "
Ich würde auch sehr gerne die Umgebung von der Burg kennen lernen. Ich bin immer mit vielen Felsen um mich herum aufgewachsen, aber die Klippen sind noch mal etwas ganz Anderes
", erklärte sie und fühlte sich dabei wie ein wildes Tier, dem man ein Halsband angelegt hatte. Sie spürte noch immer den Unwillen in sich, das Temperament, das auszubrechen versuchte, doch nach außen hin wirkte sie deutlich beruhigter und gesammelter. Dabei sah es in ihrem Inneren aus, wie es vermutlich vor den Klippen Kenmaras aussah: stürmisch, kalt und tödlich.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Cathal Fraser - 28-07-2025

Cathal lauschte der steifen Stimme seiner Verlobten, nahm das Unbehagen wahr, das wie ein unsichtbarer Schleier zwischen ihnen hing und die Stimmung merklich dämpfte. Fast tat es ihm leid, dass er so schroff geworden war – aber eben nur fast. Nicht etwa, weil er versuchte, sie für sich zu gewinnen, sondern weil er vermutete, dass sie ebenso wenig Gefallen an dieser ganzen Situation fand wie er selbst. Es machte sie nicht sympathischer in seinen Augen, aber er konnte ihr Verhalten zumindest in Teilen nachvollziehen. Doch trotz dieses Verständnisses blieb für ihn eines unverrückbar: Der Anstand, den man seiner Familie entgegenbrachte, wog schwerer als persönliche Befindlichkeiten einer Frau, die ihm – nüchtern betrachtet – nichts bedeutete. Denn auch wenn Maebh nicht seine leibliche Mutter war, so war sie Teil seiner Familie. Und das allein reichte aus, um ihr den gleichen Respekt zu schulden wie seinem Vater.

„Dann werde ich mich bemühen, Euch die Schönheit unserer Burg näherzubringen“, antwortete er mit ruhiger Stimme und führte sich einen weiteren Bissen an den Mund.
Für Cathal war es selbstverständlich, dass er und seine Frau kein gemeinsames Gemach teilen würden. Nicht, weil er der Tradition zuwiderhandeln wollte, sondern weil ihn diese erzwungene Nähe einengen würde. Er wusste, dass er damit nicht klarkommen würde – und er kannte die Folgen, wenn es dennoch so käme. Er schüttelte ruhig den Kopf. „Nein, es gibt kein gemeinsames Gemach – außer Ihr wünscht es ausdrücklich.“ Seine Stimme trug einen kaum verborgenen Kompromiss in sich und ließ den guten Willen erkennen, auf ihre Bedürfnisse – sofern vorhanden – einzugehen. Auch wenn er daran zweifelte, dass sie unbedingt im gleichen Raum wie er schlafen wollte.

Er nickte zustimmend, als sie ihren weiteren Wunsch äußerte. Ruhig führte er den Becher an seine Lippen, nahm einen langsamen Schluck vom Wein und ließ erst nachklingen, bevor er erneut zu sprechen begann.
„Es gibt einen direkten Zugang von der Burg zu den Klippen“, erklärte er mit bedächtiger Stimme, während seine Fingerspitzen leicht über das polierte Holz des Tisches glitten. „Ich werde ihn Euch zeigen – die meiste Zeit des Tages hat man dort seine Ruhe, wenn man sie benötigt.“ Ein feiner Unterton von Fürsorge schwang in seinen Worten mit, fast wie ein gut gemeinter Rat, falls sie sich einmal eingeengt fühlen sollte. „Solltet Ihr die weitere Umgebung der Burg erkunden wollen, würde ich Euch in die ortskundigen Hände meiner Schwestern übergeben. Sie können Euch – aus gegebenem Anlass – die Vorzüge und Schönheiten Kenmaras besser erklären.“ Denn auch wenn er die Burg wie seine Westentasche kannte, so waren seine Grenzen doch dort, wo die Mauern endeten – abseits der vertrauten Wege zu den Ställen, die er noch gut selbstständig fand.


RE: The sky was fallin′ like a comet - Muirín Henaghen - 09-08-2025

Manchmal, während er sprach und der Rest schwieg, konnte man beinahe vergessen, dass dieser Mann in völliger Dunkelheit lebte. Es war kaum zu erkennen, dass er selbst nichts sehen konnte, waren seine Bewegungen so routiniert und weich, dass es keinen Anhalt für seine Schwäche gab. Muirín besah sich ihren zukünftigen Ehemann von der Seite her. Immerhin war er recht ansehnlich, wie sie feststellen durfte. Sie versuchte ihren Blick wieder auf das Essen zu wenden, immerhin gab es noch zwei weitere Personen mit im Raum, die ihr Augenlicht noch hatten. Sie wollte nicht noch einen schlechteren Eindruck machen, als sowieso schon geschehen. Falls sich dieser Eindruck irgendwie noch retten ließ... Sie kannte es von sich selbst: sobald sie einmal jemanden abgeschrieben hatte, war kaum noch irgendetwas möglich. Die Tatsache, dass sie jedoch ab heute hier in Kenmara ihr zu Hause finden sollte, machte sie Sache ein wenig komplizierter. Sie schluckte schwer. Es würde ihr nicht einfach fallen hier anzukommen, diese Stadt und dieses Fürstentum als ihre neue Heimat anzunehmen. Es war Alles einfach zu schnell gegangen. Zu wenig Zeit, die Informationen zu verarbeiten. Zu wenig Möglichkeiten, auf diese neue Umgebung einzustellen. Sich erst einmal vorsichtig mit ihr vertraut zu machen. Stattdessen hat ihr Vater sie sofort ins eiskalte Wasser springen lassen. Ohne Vorwarnung.

"
Ich glaube so ist es erst einmal in Ordnung
", murmelte sie zurückhaltend zwischen zwei Bissen, die ihr beinahe im Hals stecken geblieben waren. Dass es kein gemeinsames Gemach geben würde, war mehr, als sie sich erhofft hatte. Gleichzeitig führte es ihr jedoch auch vor Augen, wie groß seine Ablehnung gegenüber dieser Sache war. Und auch, wenn es ihr überhaupt nicht anders ging, tat es trotzdem weh. Machte das überhaupt Sinn? Wieso durfte er nicht genauso fühlen, wie sie? Die Tatsache, dass es in den letzten Jahren wenig Männer gegeben hatte, die ihr mit einer solchen Ablehnung gegenüber getreten waren, tat vielleicht ihr Übriges. Allerdings waren das auch alles sehende Männer. Da brauchte man keinen besonders guten Charakter, keine umwerfende Rhetorik, keine Stimmfarbe, die alles andere verblassen ließ. Da reichte das, was man sehen konnte. Ihre schönen und roten, langen Haare, die ausgewählten Kleider, die ihre Taille besonders gut zum Vorschein brachten und sicherlich auch die grünlichen Augen, die immer einen etwas verträumten Blick hatten. Mit was sollte sie punkten, wenn sie sich auf ihrem Äußeren nicht mehr ausruhen konnte? Sie hatte sonst nichts, dessen war sie sich sicher.

"
Was würdet ihr von einem kleinen Verdauungs-Spaziergang halten?
", fragte sie vorsichtig und sah noch einmal in die Richtung Cathals. Ein direkter Zugang zu den Klippen hörte sich viel zu verlockend an, um damit noch viel länger zu warten. Sie brauchte ein paar positive Erlebnisse in Kenmara, damit sie die nächsten Tage überstehen konnte. Immerhin wartete in zwei Tagen eine Hochzeit auf sie. Dabei wurde ihr direkt wieder ganz flau im Magen, wenn sie nur daran dachte... "
Vielen Dank für das leckere Essen. Es schmeckt wirklich hervorragend
", lobte sie Maebh, die ebenfalls mit am Tisch saß und in den letzten Minuten eher ruhig gewesen war. Wer konnte es ihr verdenken, nachdem Muirín so aufgewartet hatte?


RE: The sky was fallin′ like a comet - Cathal Fraser - 20-10-2025

Cathal nickte schwach, als Muirín sagte, dass diese Aufteilung erst einmal in Ordnung für sie sei. Immerhin – in diesem Punkt schienen sie sich einig zu sein. Ein gemeinsames Gemach würde nur unnötige Nähe entstehen lassen, die von ihm weder gewollt noch in irgendeiner Form gewünscht war. Dass es seiner zukünftigen Gemahlin ebenso ging, erleichterte einen kleinen Teil in ihm ungemein – auch wenn das vielleicht nicht sonderlich freundlich war. Doch sie waren nun einmal kein Liebespaar, und Cathal, der der Liebe ähnlich schwer gegenüberstand wie auch anderen emotionalen Talfahrten, wollte nicht, dass sie zu einem solchen würden. Schon gar nicht auf einem so manipulativen Weg.
Cathal aß weiter, und die Stille, die sich plötzlich über den Raum legte – nur durch das Schaben von Besteck und das Abstellen der Weinkelche unterbrochen –, lastete schwer auf seinem Gemüt. Sein Verstand bemühte sich noch immer, die Notwendigkeit all dessen zu begreifen, während die nagende Unzufriedenheit eine düstere Wolke in ihm ausbreitete. Erst Muiríns Frage ließ den Fraser aufmerken, und er brauchte nicht lange darüber nachzudenken: Auch er war nur allzu bereit, sich dieser Situation unter den Blicken seines Vaters und dessen Gemahlin zu entziehen. „Das klingt nach einer guten Idee“, sagte er schließlich, legte das Besteck beiseite und erhob sich. Seine Hand glitt kurz über die Lehne des benachbarten Stuhls, ehe er um den Tisch herumtrat und neben seiner Zukünftigen stehenblieb. Das Echo seiner eigenen Schritte, das Maß, das er nahm, half ihm, sich zu orientieren – auch wenn ihm das Augenlicht fehlte.
Er zog leicht an ihrem Stuhl, als sie sich erhob, um es ihr zu erleichtern – und damit der Stuhl nicht wieder über den Boden schabte wie zuvor – ehe er ihr den Arm hinhielt, damit sie sich einhaken konnte. „Entschuldigt uns…“, sagte er noch zu den anderen beiden Anwesenden, dann setzte er sich in Bewegung und verließ den Saal.

Nachdem sie den Saal verlassen hatten, löste sich eine leichte Anspannung aus seinen Schultern, auch wenn der Grund dafür noch an seinem Arm ruhte. Die Situation war mehr als unglücklich gewesen, und Cathal musste sich eingestehen, dass er sich wohl nicht von seiner besten Seite gezeigt hatte. Es war kein direktes Bedauern, das ihn ergriff – dafür war er zu gleichgültig. „Verzeiht meinen Ausdruck vorhin.“ Er ging davon aus, dass sie verstand, was er meinte. Seine freie Hand glitt beiläufig über die kalte Steinmauer zu seiner Rechten, eine kurze Kontrolle ihres Standpunktes. „…ich bin recht unbeherrscht, wenn es um meine Familie geht und ich glaube, dass sie beleidigt wird“, erklärte er weiter und führte sie die Stufen hinunter, die zu der Tür führten, die auf die Klippen hinausführten.