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Protect what You Love - Leif Stelhammer - 31-01-2026 Then we Fight
Together![]() Gut, dass Leif eh noch nie ein Mann mit einem großen Mitteilungsbedürfnis gewesen war; auch wenn er sich heute ein wenig wünschte, dass es anders wäre. Dann würde er nämlich nicht jeden Abend über einem leeren Pergament grübeln, was hinter dem Namen seiner Frau folgen könnte. Aleena, Mit einem Schnaufen strich er die Zeile darunter durch, zerknüllte das Papier und warf es achtlos auf die Feldliege, die hinter ihm mit leichten Fellen belegt war. Die Fackeln beleuchteten den Tisch, der in der Mitte des Zeltes platziert war, voll mit einer Karte und Holzfiguren, die an strategischen Punkten platziert waren. So lief es die letzten Tage immer ab: Kaum, dass sie ihr Lager aufschlugen, kamen Leif und seine Strategen hier zusammen und brüteten die Abendstunden über den Plänen, die sich vermutlich eh nicht in die Tat umsetzen ließen. Im Gegensatz zu anderen, kühleren Köpfen empfand er überhaupt keine Freude daran, sich Antworten auf fünfhundert Szenarien zu überlegen und die Truppen dementsprechend zu verschieben; das war Veiths Steckenpferd. Er wusste aber auch, dass es notwendig war und saß deswegen jeden Abend hier, ließ sich über Kriegsintelligenz aufklären, wägte Entscheidungen ab, ließ sich beraten von älteren, weiseren Kriegern und tat sein Bestes, Gewicht in ihre Meinungen zu legen. Sitzungen wie solche dauerten oft bis spät in die Nacht, dass, wenn er aus dem Zelt trat, die meisten Lagerfeuer schon gelöscht waren und er seinen Rücken durchstrecken musste bei all dem Ducken über Karten unter niedrigen Zeltdächern. Manchmal fand er seine Jungs, Halger, Kjell und Veith zusammen an einem der letzten Lagerfeuer. Manchmal streifte er allein durch das ruhig gewordene Lager. Heute tat er erst gar keinen Schritt vor sein Zelt, weil er sich fest vorgenommen hatte, kein Auge zuzutun, bevor er nicht den halben Brief fertig hatte. Lief auch richtig, richtig gut, so wie der improvisierte Hocker gefährlich ins Straucheln geriet, als Leif energisch aufstand und die offen gelassene Zeltwand zur Seite riss. Bevor er vor dem Zelt seines kleinen Bruders stand, hatte er eigentlich kein Ziel gehabt. Frische Luft, vielleicht. Einen klaren Kopf, damit er es doch nochmal mit dem Schreiben versuchen konnte oder vielleicht endlich ein wenig mehr Schlaf finden konnte als drei Stundenkerzen. Als er dann aber durch die Zeltbeleuchtung Bewegung sah, entschied er sich spontan um und nahm die Eingangsplane in die Hand. “Jorin, ich bins” , kündigte er sich an und wartete auf eine Reaktion, ehe er sich unter dem Tuch hindurch duckte und ins warme Zelt trat. Leif sah sich nur kurz um; im Endeffekt war jedes Zelt doch irgendwie gleich ausgestattet. Eine Latrine mit Fellen, ein Nachttopf und eine Schale mit Waschwasser, für den Adel eine Truhe mit Wechselkleidung und ein einfaches Holzset aus Hocker und Tisch, auf dem ein aufgeschnittener Apfel lag. Eine Halterung für die Rüstung, die Jorin tragen würde, wenn sie nah genug am castandorischen Heer waren, und Platz für seine Axt. Wie in Leifs Zelt selbst musste er sich nicht ducken, wenn er in der Mitte des Zeltes stehen blieb, was er zuerst auch tat. Dann nahm er aber doch den Hocker, drückte ihn in die weiche Erde und setzte sich. Ohne zu fragen, bediente er sich an einer der Apfelspalten. Es dauerte nicht lange, bis er sich nach vorne beugte und einfach das aussprach, was ihn beschäftigte. Vor seinem kleinen Bruder kannte er ohnehin keinen Filter; keinen, der Jorin oder Leif nicht in ernsthafte Schwierigkeiten bringen würde, zumindest. “Schreibst du Lindgard? Regelmäßig, mein ich?” , fragte er, während er die Apfelspalte zwischen seinen Fingern wog. |