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Drink Up Me Hearties, Yo Ho
14.10.1016 - 18:00
Hütte der Kräuterhexe am Rand von Spring's Court
Trigger: Derbe Sprache

Winter's Breed
Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
Wohnort Überall
Stand Ledig
User Letha
#1
.

Verdammte Scheiße, der Wein war viel zu süß. Ivar verzog das Gesicht beim ersten Schluck und hielt in seinem Schritt inne, die Tonkaraffe skeptisch vor sich haltend. ’Du Spast weißt genau, dass ich süßes Zeug verabscheue.’ ’Gibt was zu feiern oder was?’ Den letzten Tag hatte Ivars Fantasie leider viel zu viel Zeit gehabt, in alle erdenklichen Richtungen zu springen, wie das Wiedersehen aussehen würde - von ein paar Schlägen in seine Fresse bis hin zu Tyra, nackt, auf Fellen, die sie selbst gegerbt hatte. Kann man sich ja denken, mit welchen Möglichkeiten er sich lieber beschäftigte.
’Du Schwein hast ohne mich angefangen??’ Da hatte er zumindest eine Ausrede. Eine volle Weinkaraffe bis an den letzten Furz der Stadt zu transportieren, ohne zu probieren, war eine Herausforderung für sich. Das Treffen gestern mit Sanna und seiner f u c k i n g Nichte hatte ihn komplett durch den Wind gebracht, und so ne Weinprobe, auch drei oder vier Weinproben, waren der einzige Weg, seinen Kopf zu klären beziehungsweise angenehm zu vernebeln, dass Gefühle, die er nicht fühlen wollte, sich klein machten und ihn einfach Ivar sein ließen. Er war nicht nervös, pf. War er nervös? Es war scheiß Tyra, die er nach Monaten endlich wieder sehen würde, und er fragte sich, wie er bis zu diesem Moment eigentlich überlebt hatte. Hinsichtlich der letzten Ereignisse hatte Heofader wohl doch eine Vorliebe für die Flüche des Söldners entwickelt und ihm drei Leben gegeben - die er übrigens gedachte, weiter gedankenlos aufs Spiel zu setzen. Änderte wohl doch nichts, auf einmal wieder Familie zu haben.

Mit einem weiteren Schluck süßen Wein im Rachen, diesmal schon weniger das Gesicht verziehend, ließ er die letzte Häuserreihe im Rücken und lief der Sonne entgegen, bis sie in den Baumkronen des angrenzenden Waldes unterging. Von da aus sah er auch die Hexenhütte, in der Tyra verwesen musste, und sein Gang beschleunigte sich. Leichtfüßiger, als man seinem kompakten Körper ansehen mochte, schlitterte er den matschigen Hügel runter und schloss zu dem kleinen Trampelpfad auf, der ihn zu der winzigen Holztür führte. Der Schornstein rauchte, als hätte jemand ein Feuer aufgesetzt, aber es roch nicht nach Eintopf, sondern nach Kräutern. Wenn Tyra jetzt zur Kräuterfrau geworden war, würde er vielleicht doch wieder umdrehen.
Aber Ivar zögerte nicht. Sowas wie Nervosität kannte er nicht, oder er gestand sie sich nicht ein, weil Zögern in jeder Lebenssituation entweder Schwäche bedeutete oder ihn in unnötig missliche Lagen brachte. Eventuell war auch der Wein Schuld daran, dass er jegliche unmännliche, sentimentale Gedanken weit in seine hintere Schädeldecke verbannte, bevor er seine Faust hob und klopfte.
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Heimatlose
Tyra Winters
Heimatlose
Alter 26
Beruf Söldnerin
Wohnort wo das Silber sie hinführt
Stand Ledig
User Lia
#2
Zuerst glaubte sie, zu halluzinieren.

Tyra starrte die Tür an, als hätte sie sich plötzlich in eine jener bösartigen Erscheinungen verwandelt, wegen denen sie jedem dahergelaufenen Quacksalber das Silber für unnütze Talismane in den gierigen Rachen warf. Vielleicht war es tatsächlich nur ihr träger Geist, der ihr einen Streich spielte. Wieder mal. Wieder so ein Fiebertraum, wie der, in dem sie geglaubt hatte, Eneas wäre zurückgekehrt, um sie aus der Hütte zu tragen und mit ihr in die nächste Schlacht zu reiten. War er nicht. Der Mistkerl war nicht zurückgekommen. Stattdessen hatte sie Blut gekotzt, mit nacktem Oberkörper auf zerfledderten Fellen gelegen, nahe der lebendigen Verwesung, und war von einer Kräuterhexe zusammengeflickt worden, die nach brünstigem Ziegenbock roch. Und diese Vettel hatte ihrem Selbstwertgefühl auch noch den letzten Rest gegeben, indem sie ihr mit runzligen Händen eiskalte, stinkende Umschläge auf den Leib gedrückt und sie mit widerlichen Brühen praktisch zwangsernährt hatte.

Jetzt also Ivar. Ein Ivar, der vor ihrer Tür stand, als sei nichts gewesen. Der leibhaftig da war – zu groß, zu unverschämt und viel zu real.

Sie öffnete die Tür langsam, die alten Dielen knarrte wie ihre Knochen, und sie selbst brauchte einen Moment, bis sie sich am windschiefen Türrahmen aufgerichtet hatte. Ihre Haltung war nahe ebenso windschief wie der Sturz, indem sie stand – notdürftig, trotzig –, obwohl sie sich innerlich noch immer anfühlte wie ein nasser Lappen auf heißem Stein.

„Wenn du mich jetzt umarmst, pisse ich dir in den Wein.“

War das das Erste, was man sagte, wenn man jemanden monatelang nicht gesehen hatte? Wahrscheinlich nicht. Aber es war das Erste, was ihr einfiel. Und es war besser als das, was sonst aus ihr herausgebrochen wäre. Dass er lebt. Dem Arschling Heofader sei Dank. 

Tyra ließ ihren müden Blick über ihn gleiten – prüfend, fast misstrauisch, mit dunklen Schatten unter den Augen, die ihresgleichen suchten. Als würde sie erwarten, dass er sich gleich in Rauch auflöste. Seine Züge, vertraut wie die Narben auf ihrem eigenen Körper. Und doch hatte sich etwas verändert. Da war etwas in seinem Blick, das sie nicht deuten konnte – oder nicht deuten wollte. „Welchem Umstand hat die Menschheit es zu verdanken, dass du dich endlich dazu herablässt, aus Castandors Arschritze zu kriechen?“ Ihre Stimme war schärfer als ein Dolch, doch jeder Satz kostete sie Kraft. Ihre nackten Beine unter dem fadenscheinigen, schmutzigen Leinenhemd zitterten – nicht aus Angst oder Zorn, sondern weil sie noch immer zu schwach war, um lange zu stehen. Und weil sein Anblick etwas in ihr traf, das sie nicht benennen konnte. Nicht benennen wollte. „Verpflichtung, so machte es die Runde, ja?“ Tyras spöttisches Lachen wirkte zu rau, als müsse sie sich erst daran erinnern, wie es denn funktioniere. “Was kommt als Nächstes? Huldigst du bald dem fetten Großarschling mit offenem Hemd und knickst bei jedem höfischen Furz ein?“ Sie spuckte die Worte aus, aber ihr Blick blieb hängen. An seinem Gesicht. An seinen Augen. Und an der leisen Tatsache, dass sie sich tagelang den Schädel zerbrochen hatte, ob er noch lebte. Ob sie ihn je wiedersehen würde.

Tyra lehnte sich an den Türrahmen. Verfluchter Verräter, dieser Körper. „Ich dachte, du wärst tot.“ Ein leiser Satz. Fast ein Geständnis. Kaum hörbar. Und sofort von einem höhnischen Grinsen überspielt. „Komm rein. Bevor ich umkippe und du mich aufheben musst. Dann kann ich dir nämlich wirklich in den Wein pissen.“
[Bild: tyra-sig.png]
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Winter's Breed
Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
Wohnort Überall
Stand Ledig
User Letha
#3
Da trafen sie sich also wieder; zwei Söldner, deren Leben doch immer wieder zusammenstieß wie die zwei ungeschickt platzierten Windspiele vor dem schrägen Fenster der Hütte. Zwei alte Freunde. Zwei Menschen, die nicht mehr zählten, wie oft sie das Leben des anderen schon gerettet hatten und sich gleichzeitig bis zu Heofaders haarigen Zehen wünschten. Was hatte man sich also zu sagen?
“Heiliger Schisssack.”
Ivar hob schon die Stimme, bevor Tyra überhaupt ganz die Tür geöffnet hatte - verständlicherweise, denn er war sich im ersten Moment nicht ganz sicher, ob die alte Hexe nicht doch irgendeine Magie gewirkt und Tyra mit ihrem Körper verschmolzen hatte. Das, was da in der Tür herumlungern, hatte herzlich wenig mit der Frau zutun, die der Inhalt von seinen Latten-Träumen war, beherzt gesagt. Und trotzdem stahl sich bei ihrem Anblick ein so breites Grinsen auf sein Gesicht, samt dreckig schief hochgezogenen Mundwinkeln, Grübchen und allem, dass man schon aufpassen musste, sich nicht davon anspringen zu lassen. Was hatte er ihr derbes Mundwerk und diese verdammte Visage doch vermisst.
“Siehst du scheiße aus”
, kommentierte er gleich das arme Schluckerbild im Türrahmen, womit die Begrüßung dann auch abgehandelt war. Jeweils eine Beleidigung auf beiden Seiten, und Ivar hatte das Gefühl, seit Wochen mit ihr unterwegs gewesen zu sein. Um seine Worte zu verdeutlichen, deutete er mit der Weinkaraffenhand auf - na ja, das, was man unter dem Lumpen sicher irgendwie einen Frauenkörper nennen konnte. Selbst ein Blinder sah, dass sie kaum stehen konnte, mit zitternden Beinen und fast so dünn, dass man sich keine Sorgen machte, ob die schiefe Wand sie hielt, wenn sie sich dagegen lehnte - eher, ob sie gegen die schiefe Wand bestehen konnte, wenn ein Windstoß sie in eine Richtung bog. Aber der Stolz war in ihr Gesicht geschrieben; wie eine waschechte Winterländerin, und eine waschechte Söldnerin. Ivar respektierte sie dafür, weshalb er ihren Gesundheitszustand nicht weiter kommentierte, auch wenn sie ihm die besten Vorlagen dafür zuspielte. Er lachte nur mit ihr; rau und roh, weil er gerne lachte, nicht etwa, weil ein kleiner Teil vielleicht vermisst hatte, sie lachen zu hören.
“Hast du Hjorn getroffen? Die Fickwanze verdient nen Schlag in die Fresse.”
Statt auf ihre Fragen zu antworten, spielte er direkt auf die kahlköpfige Hohlbirne an, die er so genüsslich grinsen gesehen hatte. Mit einem fetten Beutel in der Hand, bevor ein Soldat seinen Schwertknauf gegen Ivars Schläfe gescheppert hatte. Gewehrt hatte er sich, mit bloßen Fäusten, dann mit Füßen. Der Söldner, der mit dem Matariyyaner unterwegs ist, gehört zu ihnen. Hjorns dreckigen Finger hätte Ivar am liebsten abgebissen, diesen Wichsfinger, der in seine Richtung gezeigt hatte.
“Hast du gedacht.”
Nicht nur Tyra hatte gedacht, er wäre tot - für diesen einen, lächerlichen Moment hatte auch der Winterländer selbst gedacht, dass er sein Leben endgültig verspielt hatte. Und wenn er es getan hätte? Dann stünde Tyra heute nicht vor dem Mann, dem sie regelmäßig die Fresse polierte und sich in der gleichen Nacht mit ihm unter den Tisch soff.

A propos Wein. Der Söldner betrachtete für einen Moment skeptisch das düstere Innere der Hütte, wägte für lange zwei Sekunden ab, ob er der Einladung folgen sollte, und schüttelte dann den Kopf.
“Komm raus. Du glaubst doch wohl nicht, dass ich die stinkende Hütte den Wiesen hier vorziehe.”
Ausladend deutete er auf das Feld, das sich vor ihnen erstreckte. Die Sonne war dabei, hinter den Baumkronen des angrenzenden Waldes zu verschwinden und tauchte die Grashalme in ein goldenes Licht, etwas feucht und saftig stark von dem Nieselregen am Morgen.
“Die paar Schritte bringen dich nicht um”
, merkte er beiläufig an, aber man hörte den leichten, so Ivar-typischen Unterton von Provokation in der Stimme. Seinen Worten gegensätzlich wartete er hingegen knapp vor der Türschwelle, falls Tyra eine Schulter brauchte, gegen die sie sich lehnen konnte. Vielleicht hatte er sich verändert - der alte Ivar hätte vermutlich nicht einmal an so eine Kleinigkeit gedacht. Und Ivar jetzt? Der bedachte sie nur mit einem weiteren Blick, von oben bis unten, und unten bleibend, wo sie das Zittern ihrer Beine nicht verstecken konnte.
“Was lässt du dich auch so flachlegen, dass du nicht mehr laufen kannst.”
Im Grunde spielte er halt doch lieber noch eine Weile notgeiler Idiot auf dem Markt bestellt, bevor er sich damit auseinandersetzen konnte, wie nahe es ihm ging, Tyra lebend zu sehen.
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Heimatlose
Tyra Winters
Heimatlose
Alter 26
Beruf Söldnerin
Wohnort wo das Silber sie hinführt
Stand Ledig
User Lia
#4
Tyra erstarrte – nicht nur innerlich. Auch äußerlich schien ihr Körper für einen Moment einfach den Dienst zu verweigern, als hätte er sich entschieden, aus Protest gegen diese Situation sämtliche Muskeln zu blockieren. Und dann dieser Blick. Ivars Blick – unverblümt, prüfend, über ihren ausgemergelten Leib wandernd, wie eine Messerschneide über zu dünnes Eis. Am liebsten hätte sie ihm Tür und Faust ins Gesicht geknallt. Beides mit viel Schwung, gefolgt von einem Fluch und der Genugtuung, ihn zu behandeln wie einen schlechten Gedanken. Alternativ wollte sie sich auch am liebsten verstecken: Die nackten Beine, die eingefallenen Wangen, das Leinenhemd, das kaum mehr war als ein letzter Rest von Würde.

Doch sie tat nichts davon. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen, als würde sie sich damit selbst aufrecht halten. „Deine Komplimente haben schon immer gestunken.“ Ihre Stimme war kratzig, aber deutlich. Kein Lächeln. Nur diese stechenden Augen, die kurz aufblitzten, ehe sie den Kopf leicht zur Seite drehte – fast, als wolle sie sich dem Blick entziehen, ohne sich abzuwenden. Und dann fiel der Name. Hjorn? Was hatte dieser Eiterpickel mit schwachem Schwertarm und winzigem Gemächt mit Ivars Verschwinden zu tun? Seine Worte waren vage, die Andeutung zu nebulös. Es passte nicht. Nicht zu dem, was sie sich zusammengereimt hatte, während sie sich durch viel zu viele Nächte gegrübelt hatte. Hjorn, dieser armselige Speichellecker, hatte mit Ivars Verschwinden zu tun? Schwer vorstellbar. 

Tyra runzelte die Stirn, versuchte zwischen den Zeilen zu lesen, und kam zu keinem klaren Schluss. Und vielleicht war es ihr auch einfach ... Egal. „Du sprichst in Rätseln, Arschling. Und du weißt, ich hasse Rätsel.“ Ihre Stimme klang härter, als sie wollte, aber unter der Oberfläche lag etwas anderes. Es war erneut etwas, das sie nicht benennen konnte, oder wollte. „Ich hab mir den Schädel zermartert, wo du steckst. Hab geglaubt, du wärst irgendwo verreckt. Und jetzt redest du von Hjorn, als hätte er dir das falsche Ale gebracht.“ Sie schnaubte leise. „Du bist ein gottverdammter Hundesohn.“ Dann, leiser: „Aber du stehst vor mir. Das zählt.“

Und das tat es wirklich. Viel mehr, als sie es je zugegeben hätte. Doch Ivars Reaktion auf ihre Einladung ließ diese kurze Weichheit sofort verglimmen. Natürlich. In den Sonnenuntergang spazieren, wie zwei alte Freunde. Was für eine verfluchte Farce. Tyra spürte, wie die Unruhe in ihr aufstieg, fast panisch, fast wütend. Drinnen hätte sie sich setzen können. Drinnen hätte sie zumindest für einen Moment den Schmerz ignorieren dürfen, ohne sich dabei vor ihm zu entblößen. Jetzt aber musste sie hinaus. Und das hieß: sich bewegen. Auf wackeligen Beinen, mit pochendem Schädel und schmerzenden Lungen.

„Geh voran, ich steche mir eher selbst die Augen aus, als mich von dir stützen zu lassen.“ Die Worte kamen schärfer als beabsichtigt, begleitet von einem hitzigen Aufblitzen in den Augen. Sie hatte seinen prüfenden Blick gesehen. Und noch schlimmer: diese unausgesprochene Bereitschaft, sie aufzufangen. Wie ein dummer, verfluchter Ritter in verrosteter Rüstung.

Tyra kniff die Lippen zusammen, warf einen letzten, herausfordernden Blick in sein Gesicht – und trat barfuß über die Schwelle. Jeder Schritt auf dem unebenen Boden schoss durch ihren Leib, doch sie hielt den Rücken gerade, den Kopf erhoben, als hätte sie nicht vor wenigen Tagen noch in ihrer eigenen Kotze gelegen, wenn die Vettel ihr wieder einmal einen Aufguss eingeflößt hatte. Die nackten Füße machten kaum ein Geräusch, aber in ihrem Inneren hallte jeder Schritt wie ein Kriegsschlag.

„Wenn ich umfalle, will ich, dass du einfach über mich drübersteigst. Oder mir zur Strafe das Haar abrasierst.“ Ein müder Versuch von Spott, kaum mehr als ein Hauch. Doch sie ging. Aufrecht, so würdevoll wie möglich. Und kurz bevor sie das Feld erreichten, als sie spürte, wie ihre Knie wieder zu zittern begannen, hob sie die Hand, diese fordernd nach dem Weinkrug ausstreckend. Sie wackelte ungeduldig mit den Fingern, eindeutig. „Wenn du schon nicht reinkommst, dann lass mir wenigstens das, was du mitgebracht hast.“
[Bild: tyra-sig.png]
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Ivar Lorenson
Heimatlose - Admin
Alter 28
Beruf Söldner
Wohnort Überall
Stand Ledig
User Letha
#5
Dass Ivar in Rätseln sprach, spielte wohl kaum eine Rolle, wenn Tyra sich im nächsten Atemzug gleich vor ihm auszog. Nicht das mickrige Leinenhemd, versteht sich, Ivar war auch nicht sonderlich erpicht darauf, den Körper darunter nicht mehr seiner Vorstellung zu überlassen - nicht, wenn er sie so anders in Erinnerung hatte, so viel stärker, mit kräftigen Wangen, wenn die vorstehenden Handgelenke nicht ein ekliges Schneiden in seiner Brust zurückgelassen hatten. Nein, es waren die wenigen Worte, die mit so einer Wahrheit gesprochen waren, dass er für einen Moment seine Klappe hielt. Seit wann scherte sie sich darum, ob er irgendwo angeschissen in ner Ecke lag? Und wenn er verreckt war - das hatte ihr Beruf so an sich. Sie lebten nicht für eine Zukunft, um eine Familie zu ernähren, weiß Heofader um irgendein Leben in nem stinknormalen Dorf zu führen. Tyra hatte sich nicht um ihn zu scheren. Er hatte gestern schon Probleme gehabt, sich mit einer auseinander zu setzen, der er anscheinend wichtig war, warum musste Tyra jetzt genauso daher kommen. Er wollte die alte Tyra wieder, die ihn zehnmal täglich abblitzen ließ und ihn mit nem Messer an seinen Hoden bedrohte, nicht die, die sich Sorgen um ihn machte. Warum kümmerte sich überhaupt irgendwer darum, ob er lebte oder nicht?
Ivar hätte sich jetzt bedanken können, oder irgendwas Angebrachtes sagen können. Er hätte sich mit ihr in die Hütte setzen, in Ruhe den Wein trinken und über alte Tage erzählen können. Stattdessen? Schnaufte auch er, ein Überschuss von dem Sarkasmus in seinem Grinsen, den er nur sich selbst entgegenbringen konnte.
“Heul nicht.”

Einen Scheiß würde er tun und ihr jetzt dasselbe sagen. Was zählte, war, dass sie lebte. Sanna hatte ihm nicht erzählt, was Tyra hatte durchmachen müssen, aber ihrer Verfassung nach hatte es sie viel Kraft gekostet; Kraft, die andere erst gar nicht hätten aufbringen können. Warum sollte er sich dafür bedanken, dass sie nun vor ihm stand, lebendig? Sie hatte es nicht für ihn getan.
Ivar würde sie jetzt sicher auch nicht mit Samthandschuhen anfassen, nur weil sie aussah wie ein lebendes Skelett, das Jahrhunderte lang keinen Spiegel mehr gesehen hatte. Mit einem Schulterzucken und einem leisen Lachen auf seinen Lippen drehte er sich um und ging ihr voraus, so unverschämt in seiner offensichtlich unterschätzten Fähigkeit, ohne Gehprobleme geradeaus laufen zu können.
“Wer sagt, dass ich dich stützen will. Vielleicht seh ich auch einfach gern zu, wie du fällst”
, erwiderte er auf ihren Zorn und spielte damit geflissentlich runter, dass er genau das beabsichtigt hatte. Am liebsten hätte er sich selbst für seine Sentimentalität geboxt, doch immerhin machte Tyra es ihm einfach, jede zukünftige Regung in diese demütigende tugendhafte Richtung zu unterschlagen. Sie hatte recht, das war er nicht; Ivar war eher derjenige, der ihr noch einmal einen Blick über die Schulter zuwarf und mit einem
“Tu nicht so, als wärs ne Weltreise”
motivierte.
“Die paar Schritte wirst du ja wohl hinbekommen.”
Nicht unbedingt, weil er sie provozieren wollte; er wusste, dass in den Knochen noch eine Stärke steckte, der sie sich vielleicht gar nicht mehr so bewusst war. Die ganze Zeit in einer Hütte festzusitzen, machte etwas mit einem und mit dem Vertrauen in den eigenen Körper; Ivar wusste das, weil er selbst mal ans Bett gefesselt gewesen war. Irgendwann musste man wieder anfangen, zu lernen, wie man einen Fuß vor den anderen setzte.
Ohne weiteren Kommentar gab er ihr den Krug, wartete, bis sie fertig war und streckte dann wieder eine Hand aus, um ihn an sich zu nehmen.
“Sind nur noch ein paar Schritte.”
Und tatsächlich. Die Hütte der alten Vettel lag genau zwischen Waldrand und Feldern, über die eine kühle Brise wehte. Das Licht der untergehenden Sonne tauchte die trockenen Grashalme in ein goldenes Licht und erinnerten Ivar daran, wie wohl er sich hier wühlte. Kein Dauerregen, kein Schnee, keine trockene Hitze - Walleydor bot, was dessen Natur anging, genau das richtige Maß aus Freiheit und Frieden. Würde es den Söldner nicht immer weiter treiben, dann - eventuell - könnte er sich vorstellen, irgendwo hier Fuß zu fassen.
Aber seine Füße trugen ihn nur weiter, bis das Gras unter seinen neuen Sohlen nachgab, vielleicht noch zehn Schritte weiter, dann ließ er sich mit einem satten, zufriedenen Seufzen nieder. Die Beine zu seinem Schneidersitz gekreuzt, drehte er sich zur Sonne hin und nahm endlich selbst einen kräftigen Schluck aus der Karaffe. Grob wischte er sich den Mund mit dem Handrücken ab und reichte Tyra den Wein.
“Warum muss eigentlich alles süß sein, was die Frühlingsländer machen? Ist ja ekelhaft.”
Und trotzdem würde er diesen Wein immer wieder trinken. Ob alleine, in einer Taverne, oder mit der Söldnerin neben ihm, deren Haare in dem Licht ihre goldene Farbe wieder zu bekommen schienen. Vielleicht starrte Ivar sie länger an, als er sollte, ehe er seinen Blick wieder gen Sonnenuntergang richtete.
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