18-05-2025, 10:21 - Wörter:
Der Atem seines Hengstes stand in dichten Schwaden in der frostklaren Luft, während Veith durch den lichten Rand des Waldes ritt. Unter den Hufen knackte gefrorener Boden, vermischt mit dem dumpfen Rascheln abgestorbener Äste. Der Wind war scharf, schlich unter den Kragen und biss in die Haut, doch er kam ihm gelegen, wie ein Schlag, der wach hielt und den Kopf klärte. Er hätte sich auf das Treffen mit Erik konzentrieren sollen. Doch stattdessen kreisten seine Gedanken um seine jüngste Schwester. Noch ein Streit, noch eine Tür, die zu laut ins Schloss gefallen war. Sie begriff es einfach nicht, sah in seiner Fürsorge sogar einen Käfig, in seinen Entscheidungen nur Verrat. Dabei wollte er sie einfach sicher wissen, fort von Schwertern, dem Kriegslärm und dem ganzen Blut. Das Leben einer Kriegerin war kein Spiel. Nicht eine der Geschichten, die sie als Kind mit leuchtenden Augen verschlungen hatte und ihn danach anbettelte, sie mit ihr nachzuspielen, als wären Schwerter aus Holz Schutz genug gegen die Wirklichkeit. Wenn es bedeutete, dass sie sich einem Ehemann unterordnen musste, dann war das in seinen Augen ein kleiner Preis für Schutz und ein sicheres Dach.
Außerdem hatte er nicht um diese Verantwortung gebeten. Nicht darum, das Haupt der Familie zu sein. Doch seit sein Vater bei jenem verfluchten Ritt vom Pferd gestürzt war und nur noch ein Schatten seiner selbst blieb, lag die Bürde auf Veiths Schultern und mit jeder Entscheidung wuchs sie schwerer.
Als das letzte Geäst sich lichtete und der Wald hinter ihm zurückblieb, öffnete sich die Landschaft vor ihm. Das Gelände weitete sich zu einer flachen, frostüberzogenen Ebene, über die der Wind ungehindert hinwegstrich. Dort, wo sich das Hügelland sanft an die Ausläufer des Waldes schmiegte, zeichnete sich eine Bewegung ab.
Es war Erik.
Veith straffte unwillkürlich die Schultern, richtete sich im Sattel auf, als müsse er die Schwere seiner Gedanken abstreifen, ehe sie ihn zu tief hinabzogen. Die vertraute Silhouette ließ seine Miene weicher werden, zumindest so weich, wie es seine Züge zuließen. Er hatte Erik und Leif vor einigen Jahren in einer Taverne kennengelernt, an einem Abend, der in seiner Erinnerung noch immer nach kühlem Bier roch und nach Geschichten klang, die Männer nur erzählen, wenn sie glauben, dass niemand wirklich zuhört. Veith hatte zugehört und irgendwann begonnen, zu sprechen. Er war nicht der geselligste Vertreter ihrer Runde und doch, wenn man ihn näher kennen lernte, so erkannte man einen Mann, dessen Worte sorgsam gewählt waren. Er war kein Freund großer Gesten, aber einer, auf den man zählen konnte, wenn es darauf ankam. Es mochte dauern, bis man sein Vertrauen gewann, doch wer es hatte, wusste, was es wert war. Leif und Erik verband eine gemeinsame Vergangenheit aus Blut, Entbehrung und Kälte. Er selbst war keiner von ihnen. Kein Bruder im Stahl, keiner, der mit ihnen die Einöde überlebt hatte und doch hatten sie ihn aufgenommen, wie man einen alten Freund an seinen Tisch bittet.
Veith hatte sich über Eriks Einladung zur Jagd gefreut, mehr, als er es je zugeben würde. Denn hier draußen, zwischen Schnee, Kälte und dem Nebel ihrer Atemzüge, schienen die Sorgen daheim fern und genau das war es, was der Krieger nun benötigte. Ablenkung. Ruhe und die Gewissheit, keine Ansprüche erfüllen zu müssen. „Es ist eine Ewigkeit her“, gestand Veith dann, jedoch ganz ohne Vorwürfe. Sie beide führten fordernde Leben und da war es kein Wunder, dass sich die Wege seltener kreuzten, als es ihnen lieb war. Doch das Hier und Jetzt zählte. „Ich bin nicht hier wegen der Annehmlichkeiten“, erwiderte Veith mit einem leichten Schmunzeln. „Sag, gibt es denn eine besondere Jagdtrophäe, auf die du es abgesehen hast?“ Für Veith war das Töten keine Lust, sondern eine Notwendigkeit, um seine Familie zu versorgen. Doch gegen Männer, die aus Stolz oder Ehre nach einer Trophäe jagten, hatte er nichts einzuwenden. Jeder suchte seinen eigenen Grund, den Wald zu betreten.
Außerdem hatte er nicht um diese Verantwortung gebeten. Nicht darum, das Haupt der Familie zu sein. Doch seit sein Vater bei jenem verfluchten Ritt vom Pferd gestürzt war und nur noch ein Schatten seiner selbst blieb, lag die Bürde auf Veiths Schultern und mit jeder Entscheidung wuchs sie schwerer.
Als das letzte Geäst sich lichtete und der Wald hinter ihm zurückblieb, öffnete sich die Landschaft vor ihm. Das Gelände weitete sich zu einer flachen, frostüberzogenen Ebene, über die der Wind ungehindert hinwegstrich. Dort, wo sich das Hügelland sanft an die Ausläufer des Waldes schmiegte, zeichnete sich eine Bewegung ab.
Es war Erik.
Veith straffte unwillkürlich die Schultern, richtete sich im Sattel auf, als müsse er die Schwere seiner Gedanken abstreifen, ehe sie ihn zu tief hinabzogen. Die vertraute Silhouette ließ seine Miene weicher werden, zumindest so weich, wie es seine Züge zuließen. Er hatte Erik und Leif vor einigen Jahren in einer Taverne kennengelernt, an einem Abend, der in seiner Erinnerung noch immer nach kühlem Bier roch und nach Geschichten klang, die Männer nur erzählen, wenn sie glauben, dass niemand wirklich zuhört. Veith hatte zugehört und irgendwann begonnen, zu sprechen. Er war nicht der geselligste Vertreter ihrer Runde und doch, wenn man ihn näher kennen lernte, so erkannte man einen Mann, dessen Worte sorgsam gewählt waren. Er war kein Freund großer Gesten, aber einer, auf den man zählen konnte, wenn es darauf ankam. Es mochte dauern, bis man sein Vertrauen gewann, doch wer es hatte, wusste, was es wert war. Leif und Erik verband eine gemeinsame Vergangenheit aus Blut, Entbehrung und Kälte. Er selbst war keiner von ihnen. Kein Bruder im Stahl, keiner, der mit ihnen die Einöde überlebt hatte und doch hatten sie ihn aufgenommen, wie man einen alten Freund an seinen Tisch bittet.
Veith hatte sich über Eriks Einladung zur Jagd gefreut, mehr, als er es je zugeben würde. Denn hier draußen, zwischen Schnee, Kälte und dem Nebel ihrer Atemzüge, schienen die Sorgen daheim fern und genau das war es, was der Krieger nun benötigte. Ablenkung. Ruhe und die Gewissheit, keine Ansprüche erfüllen zu müssen. „Es ist eine Ewigkeit her“, gestand Veith dann, jedoch ganz ohne Vorwürfe. Sie beide führten fordernde Leben und da war es kein Wunder, dass sich die Wege seltener kreuzten, als es ihnen lieb war. Doch das Hier und Jetzt zählte. „Ich bin nicht hier wegen der Annehmlichkeiten“, erwiderte Veith mit einem leichten Schmunzeln. „Sag, gibt es denn eine besondere Jagdtrophäe, auf die du es abgesehen hast?“ Für Veith war das Töten keine Lust, sondern eine Notwendigkeit, um seine Familie zu versorgen. Doch gegen Männer, die aus Stolz oder Ehre nach einer Trophäe jagten, hatte er nichts einzuwenden. Jeder suchte seinen eigenen Grund, den Wald zu betreten.

