29-05-2025, 09:54 - Wörter:
„Das kann ich von dir nicht behaupten“, entgegnete Veith trocken auf Eriks Bemerkung, er habe sein ernstes Gesicht vermisst. Doch das kaum wahrnehmbare Zucken an seinen Mundwinkeln ließ erahnen, dass seine Worte nicht der Wahrheit entsprachen. Es war ein Eingeständnis, wie sehr ihn das Wiedersehen freute, verborgen hinter seiner gewohnt kargen Miene und den knappen Worten. Die Freude darüber, dass sie sich nicht bloß zufällig in einer dunklen Taverne begegneten, sondern Seite an Seite durch Kälte und Schnee auf die Jagd gingen, wärmte ihn mehr, als er zugeben würde. Erik war in vielerlei Hinsicht Veiths Gegenbild: offen, mit losem Mundwerk und einem Lachen, das selbst den trübsten Wintertag aufhellen konnte. Einer, der Geschichten nicht nur erzählte, sondern sie lebte, als gehörten sie ganz selbstverständlich zu seinem Wesen. Veith dagegen war schweigsam, bedächtig. Er wog seine Worte ab und selbst sein Humor zeigte sich eher zwischen den Zeilen als auf der Zunge. Trotzdem verband die beiden Männer eine Freundschaft, die auf Respekt, Vertrauen und der gemeinsamen Erkenntnis fußte, dass das Leben selten Gnade kannte.
„Als ob du je einen Grund gebraucht hättest, um ein Fest auszurichten“, erwiderte Veith mit einem Anflug von Spott in der Stimme, während er sein Pferd so lenkte, dass es schließlich neben Thorin zu stehen kam. „Sag mir, täusche ich mich oder glaubst du wirklich, dass wir diesen Krieg verlieren könnten?“ Er warf Erik einen Seitenblick zu. „Lass das besser nicht Leif hören. Er könnte es dir übelnehmen.“ Doch trotz der scherzhaften Worte lag ein anderer Ton in Veiths Stimme. Einer, der erkennen ließ, dass er die Gefahr durchaus ernst nahm. Ihm war nur allzu bewusst, dass kein Banner, kein mutiger Schwur und kein noch so gut geschmiedetes Schwert allein eine Schlacht gewannen. Eriks Worte besaßen Weitsicht und das war Veith weitaus lieber, als das laute Kriegsgeschrei jener, die keine Vorstellung davon hatten, was eine Feldschlacht wirklich bedeutete und welche Verluste sie mit sich bringen konnte.
Manchmal, wenn Erik von seiner Familie sprach oder von seinem Zuhause, verspürte Veith eine leise Unruhe. Nicht Neid, aber ein Nachdenken darüber, wie anders sein eigenes Leben verlaufen war. Auch er trug Verantwortung: für seine Schwestern, seine Mutter und den Vater, der nach einem schweren Sturz vom Pferd nie wieder derselbe gewesen war. Die Verletzung am Kopf hatte seine Persönlichkeit zersetzt. Seitdem lebte er mehr in seiner eigenen Welt als in der Realität, schwankend zwischen Verwirrung, Stille und Ausbrüchen, die niemand mehr richtig einordnen konnte. Veith hatte früh lernen müssen, sich zurechtzufinden. Während seine Freunde noch unbeschwert waren, hatte er längst begonnen, Entscheidungen zu treffen, die kein Junge treffen sollte. Diese Jahre hatten ihn geprägt. Sie hatten ihn stiller gemacht, vorsichtiger, vielleicht auch etwas härter. Manchmal fragte er sich, wie es wäre, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen Teil dieser Verantwortung mit ihm teilte. Jemanden, der verstand, ohne dass er viel erklären musste. Doch dieser Gedanke blieb stets vage und zu weit entfernt, um ihn ernsthaft zu verfolgen.
Ein paar Krähen erhoben sich kreischend aus einem kahlen Strauch weiter vorn. Veiths Hand lag automatisch am Knauf seines Schwertes, obwohl keine Gefahr lauerte. Alte Reflexe. „Wenn du und deine Frau Gefallen an solchen Spitznamen findet, sei es drum“, merkte Veith an und dieses Mal zeichnete sich deutlich ein spöttisches Lächeln auf seinen Gesichtszügen ab. „Lass uns nach Spuren suchen. Wenn wir Glück haben, erlegen wir das Schwein noch vor Einbruch der Dunkelheit und falls nicht...“, er zuckte mit den Schultern. „...dann wird es wenigsten ein Tag gewesen sein, an dem keiner etwas von uns wollte. Das allein ist Grund genug, hier draußen zu sein.“
„Als ob du je einen Grund gebraucht hättest, um ein Fest auszurichten“, erwiderte Veith mit einem Anflug von Spott in der Stimme, während er sein Pferd so lenkte, dass es schließlich neben Thorin zu stehen kam. „Sag mir, täusche ich mich oder glaubst du wirklich, dass wir diesen Krieg verlieren könnten?“ Er warf Erik einen Seitenblick zu. „Lass das besser nicht Leif hören. Er könnte es dir übelnehmen.“ Doch trotz der scherzhaften Worte lag ein anderer Ton in Veiths Stimme. Einer, der erkennen ließ, dass er die Gefahr durchaus ernst nahm. Ihm war nur allzu bewusst, dass kein Banner, kein mutiger Schwur und kein noch so gut geschmiedetes Schwert allein eine Schlacht gewannen. Eriks Worte besaßen Weitsicht und das war Veith weitaus lieber, als das laute Kriegsgeschrei jener, die keine Vorstellung davon hatten, was eine Feldschlacht wirklich bedeutete und welche Verluste sie mit sich bringen konnte.
Manchmal, wenn Erik von seiner Familie sprach oder von seinem Zuhause, verspürte Veith eine leise Unruhe. Nicht Neid, aber ein Nachdenken darüber, wie anders sein eigenes Leben verlaufen war. Auch er trug Verantwortung: für seine Schwestern, seine Mutter und den Vater, der nach einem schweren Sturz vom Pferd nie wieder derselbe gewesen war. Die Verletzung am Kopf hatte seine Persönlichkeit zersetzt. Seitdem lebte er mehr in seiner eigenen Welt als in der Realität, schwankend zwischen Verwirrung, Stille und Ausbrüchen, die niemand mehr richtig einordnen konnte. Veith hatte früh lernen müssen, sich zurechtzufinden. Während seine Freunde noch unbeschwert waren, hatte er längst begonnen, Entscheidungen zu treffen, die kein Junge treffen sollte. Diese Jahre hatten ihn geprägt. Sie hatten ihn stiller gemacht, vorsichtiger, vielleicht auch etwas härter. Manchmal fragte er sich, wie es wäre, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen Teil dieser Verantwortung mit ihm teilte. Jemanden, der verstand, ohne dass er viel erklären musste. Doch dieser Gedanke blieb stets vage und zu weit entfernt, um ihn ernsthaft zu verfolgen.
Ein paar Krähen erhoben sich kreischend aus einem kahlen Strauch weiter vorn. Veiths Hand lag automatisch am Knauf seines Schwertes, obwohl keine Gefahr lauerte. Alte Reflexe. „Wenn du und deine Frau Gefallen an solchen Spitznamen findet, sei es drum“, merkte Veith an und dieses Mal zeichnete sich deutlich ein spöttisches Lächeln auf seinen Gesichtszügen ab. „Lass uns nach Spuren suchen. Wenn wir Glück haben, erlegen wir das Schwein noch vor Einbruch der Dunkelheit und falls nicht...“, er zuckte mit den Schultern. „...dann wird es wenigsten ein Tag gewesen sein, an dem keiner etwas von uns wollte. Das allein ist Grund genug, hier draußen zu sein.“

