14-06-2025, 17:06 - Wörter:
Tyra erstarrte – nicht nur innerlich. Auch äußerlich schien ihr Körper für einen Moment einfach den Dienst zu verweigern, als hätte er sich entschieden, aus Protest gegen diese Situation sämtliche Muskeln zu blockieren. Und dann dieser Blick. Ivars Blick – unverblümt, prüfend, über ihren ausgemergelten Leib wandernd, wie eine Messerschneide über zu dünnes Eis. Am liebsten hätte sie ihm Tür und Faust ins Gesicht geknallt. Beides mit viel Schwung, gefolgt von einem Fluch und der Genugtuung, ihn zu behandeln wie einen schlechten Gedanken. Alternativ wollte sie sich auch am liebsten verstecken: Die nackten Beine, die eingefallenen Wangen, das Leinenhemd, das kaum mehr war als ein letzter Rest von Würde.
Doch sie tat nichts davon. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen, als würde sie sich damit selbst aufrecht halten. „Deine Komplimente haben schon immer gestunken.“ Ihre Stimme war kratzig, aber deutlich. Kein Lächeln. Nur diese stechenden Augen, die kurz aufblitzten, ehe sie den Kopf leicht zur Seite drehte – fast, als wolle sie sich dem Blick entziehen, ohne sich abzuwenden. Und dann fiel der Name. Hjorn? Was hatte dieser Eiterpickel mit schwachem Schwertarm und winzigem Gemächt mit Ivars Verschwinden zu tun? Seine Worte waren vage, die Andeutung zu nebulös. Es passte nicht. Nicht zu dem, was sie sich zusammengereimt hatte, während sie sich durch viel zu viele Nächte gegrübelt hatte. Hjorn, dieser armselige Speichellecker, hatte mit Ivars Verschwinden zu tun? Schwer vorstellbar.
Tyra runzelte die Stirn, versuchte zwischen den Zeilen zu lesen, und kam zu keinem klaren Schluss. Und vielleicht war es ihr auch einfach ... Egal. „Du sprichst in Rätseln, Arschling. Und du weißt, ich hasse Rätsel.“ Ihre Stimme klang härter, als sie wollte, aber unter der Oberfläche lag etwas anderes. Es war erneut etwas, das sie nicht benennen konnte, oder wollte. „Ich hab mir den Schädel zermartert, wo du steckst. Hab geglaubt, du wärst irgendwo verreckt. Und jetzt redest du von Hjorn, als hätte er dir das falsche Ale gebracht.“ Sie schnaubte leise. „Du bist ein gottverdammter Hundesohn.“ Dann, leiser: „Aber du stehst vor mir. Das zählt.“
Und das tat es wirklich. Viel mehr, als sie es je zugegeben hätte. Doch Ivars Reaktion auf ihre Einladung ließ diese kurze Weichheit sofort verglimmen. Natürlich. In den Sonnenuntergang spazieren, wie zwei alte Freunde. Was für eine verfluchte Farce. Tyra spürte, wie die Unruhe in ihr aufstieg, fast panisch, fast wütend. Drinnen hätte sie sich setzen können. Drinnen hätte sie zumindest für einen Moment den Schmerz ignorieren dürfen, ohne sich dabei vor ihm zu entblößen. Jetzt aber musste sie hinaus. Und das hieß: sich bewegen. Auf wackeligen Beinen, mit pochendem Schädel und schmerzenden Lungen.
„Geh voran, ich steche mir eher selbst die Augen aus, als mich von dir stützen zu lassen.“ Die Worte kamen schärfer als beabsichtigt, begleitet von einem hitzigen Aufblitzen in den Augen. Sie hatte seinen prüfenden Blick gesehen. Und noch schlimmer: diese unausgesprochene Bereitschaft, sie aufzufangen. Wie ein dummer, verfluchter Ritter in verrosteter Rüstung.
Tyra kniff die Lippen zusammen, warf einen letzten, herausfordernden Blick in sein Gesicht – und trat barfuß über die Schwelle. Jeder Schritt auf dem unebenen Boden schoss durch ihren Leib, doch sie hielt den Rücken gerade, den Kopf erhoben, als hätte sie nicht vor wenigen Tagen noch in ihrer eigenen Kotze gelegen, wenn die Vettel ihr wieder einmal einen Aufguss eingeflößt hatte. Die nackten Füße machten kaum ein Geräusch, aber in ihrem Inneren hallte jeder Schritt wie ein Kriegsschlag.
„Wenn ich umfalle, will ich, dass du einfach über mich drübersteigst. Oder mir zur Strafe das Haar abrasierst.“ Ein müder Versuch von Spott, kaum mehr als ein Hauch. Doch sie ging. Aufrecht, so würdevoll wie möglich. Und kurz bevor sie das Feld erreichten, als sie spürte, wie ihre Knie wieder zu zittern begannen, hob sie die Hand, diese fordernd nach dem Weinkrug ausstreckend. Sie wackelte ungeduldig mit den Fingern, eindeutig. „Wenn du schon nicht reinkommst, dann lass mir wenigstens das, was du mitgebracht hast.“
Doch sie tat nichts davon. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen, als würde sie sich damit selbst aufrecht halten. „Deine Komplimente haben schon immer gestunken.“ Ihre Stimme war kratzig, aber deutlich. Kein Lächeln. Nur diese stechenden Augen, die kurz aufblitzten, ehe sie den Kopf leicht zur Seite drehte – fast, als wolle sie sich dem Blick entziehen, ohne sich abzuwenden. Und dann fiel der Name. Hjorn? Was hatte dieser Eiterpickel mit schwachem Schwertarm und winzigem Gemächt mit Ivars Verschwinden zu tun? Seine Worte waren vage, die Andeutung zu nebulös. Es passte nicht. Nicht zu dem, was sie sich zusammengereimt hatte, während sie sich durch viel zu viele Nächte gegrübelt hatte. Hjorn, dieser armselige Speichellecker, hatte mit Ivars Verschwinden zu tun? Schwer vorstellbar.
Tyra runzelte die Stirn, versuchte zwischen den Zeilen zu lesen, und kam zu keinem klaren Schluss. Und vielleicht war es ihr auch einfach ... Egal. „Du sprichst in Rätseln, Arschling. Und du weißt, ich hasse Rätsel.“ Ihre Stimme klang härter, als sie wollte, aber unter der Oberfläche lag etwas anderes. Es war erneut etwas, das sie nicht benennen konnte, oder wollte. „Ich hab mir den Schädel zermartert, wo du steckst. Hab geglaubt, du wärst irgendwo verreckt. Und jetzt redest du von Hjorn, als hätte er dir das falsche Ale gebracht.“ Sie schnaubte leise. „Du bist ein gottverdammter Hundesohn.“ Dann, leiser: „Aber du stehst vor mir. Das zählt.“
Und das tat es wirklich. Viel mehr, als sie es je zugegeben hätte. Doch Ivars Reaktion auf ihre Einladung ließ diese kurze Weichheit sofort verglimmen. Natürlich. In den Sonnenuntergang spazieren, wie zwei alte Freunde. Was für eine verfluchte Farce. Tyra spürte, wie die Unruhe in ihr aufstieg, fast panisch, fast wütend. Drinnen hätte sie sich setzen können. Drinnen hätte sie zumindest für einen Moment den Schmerz ignorieren dürfen, ohne sich dabei vor ihm zu entblößen. Jetzt aber musste sie hinaus. Und das hieß: sich bewegen. Auf wackeligen Beinen, mit pochendem Schädel und schmerzenden Lungen.
„Geh voran, ich steche mir eher selbst die Augen aus, als mich von dir stützen zu lassen.“ Die Worte kamen schärfer als beabsichtigt, begleitet von einem hitzigen Aufblitzen in den Augen. Sie hatte seinen prüfenden Blick gesehen. Und noch schlimmer: diese unausgesprochene Bereitschaft, sie aufzufangen. Wie ein dummer, verfluchter Ritter in verrosteter Rüstung.
Tyra kniff die Lippen zusammen, warf einen letzten, herausfordernden Blick in sein Gesicht – und trat barfuß über die Schwelle. Jeder Schritt auf dem unebenen Boden schoss durch ihren Leib, doch sie hielt den Rücken gerade, den Kopf erhoben, als hätte sie nicht vor wenigen Tagen noch in ihrer eigenen Kotze gelegen, wenn die Vettel ihr wieder einmal einen Aufguss eingeflößt hatte. Die nackten Füße machten kaum ein Geräusch, aber in ihrem Inneren hallte jeder Schritt wie ein Kriegsschlag.
„Wenn ich umfalle, will ich, dass du einfach über mich drübersteigst. Oder mir zur Strafe das Haar abrasierst.“ Ein müder Versuch von Spott, kaum mehr als ein Hauch. Doch sie ging. Aufrecht, so würdevoll wie möglich. Und kurz bevor sie das Feld erreichten, als sie spürte, wie ihre Knie wieder zu zittern begannen, hob sie die Hand, diese fordernd nach dem Weinkrug ausstreckend. Sie wackelte ungeduldig mit den Fingern, eindeutig. „Wenn du schon nicht reinkommst, dann lass mir wenigstens das, was du mitgebracht hast.“
![[Bild: tyra-sig.png]](https://i.postimg.cc/s27tLRQ3/tyra-sig.png)
