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just a ghost with a beating heart
04.10.1016 - 00:12
Hallen Wintergards, Jorins Gemächer
Trigger: PTBS, Panikattacke, Schlafparalyse

Winterland
Jorin Stelhammer
Winterland
Alter 21
Beruf Prinz von Norsteading
Wohnort Wintergard
Stand Verheiratet
User Risa
#2
Seit Stunden harrte Jorin nun hier in der Schenke mit seinen Freunden aus. Das Bier war schal, die Würfelspiele repetitiv, das Lachen an seinem Tisch ein wenig zu laut, zu forciert. Wie so oft in letzter Zeit fühlte er sich fehl am Platz, als hätte er sich in eine Rolle verirrt, die ihm einst besser stand. Seine Gedanken aber waren bei ihr. Bei seiner Ehefrau. Er konnte sich nicht erinnern, wann genau sie ihm entglitten war. Vielleicht hatte sie es nie ganz zu ihm geschafft. Nicht so, wie er es sich erträumt hatte. Als die Verlobung beschlossen wurde, war sein Herz übervoll gewesen mit Hoffnung. Sie war seine Kindheitsfreundin, sein leuchtender Stern in den dunkleren Stunden der Jugend. Wie oft hatte er sich vorgestellt, wie es sein würde, sie an seiner Seite zu wissen, nicht nur als Braut, sondern als Gefährtin, als Geliebte, als seine Ehefrau.
Doch seit der Hochzeit war alles anders geworden.
Kälter und stiller.
Lindgard hatte sich verschlossen, als hätte der Ring an ihrem Finger ein Tor hinter ihr zugeschlagen. Ihre Blicke blieben flüchtig, ihre Worte höflich, doch leer. Ihre Berührungen – nun, es hatte nie welche gegeben, die mehr waren als das flüchtige Streifen eines Ärmels im Vorübergehen. Die Nacht, auf die alle gewartet hatten, war nie gekommen und je mehr Zeit verging, desto mehr verwandelte sich Jorins Hoffnung in eine zähe Ungewissheit.

Als Frigga schließlich entschieden hatte, dass Lindgard von nun an in seinem Gemach nächtigen sollte, hatte er nichts entgegnet. Wie auch? Die Königin sprach selten im Ton eines Vorschlags. Vielleicht hatte auch ein Teil von ihm sich danach gesehnt, Lindgard näher zu kommen. Ihr wenigstens im Schlaf nah zu sein, wenn sie es ihm bei Tage schon verwehrte. Doch als der Abend nun endlich gekommen war, hatte Jorin das Weite gesucht. Die Vorstellung, sie dort zu sehen, inmitten seiner Gewohnheiten, seiner Bücher, seiner Waffen – so fremd, so unberührbar –, hatte ihn geängstigt. Deshalb war er hier gelandet, zwischen leerem Gelächter und überfüllten Krügen, mit einem Herz, das zu laut schlug.
Als er endlich den Weg zurück ins Schloss einschlug, war es bereits tiefe Nacht. Der Wind hatte sich gelegt, nur das leise Flackern der Fackeln in den Fluren begrüßte ihn, als er durch das Hauptportal trat. Seine Schritte hallten auf dem Steinboden, begleitet von dem pochenden Rhythmus seines Herzens. Er öffnete die Tür zu seinen Gemächern vorsichtig, fast zögerlich, obwohl er sich sicher war, dass seine Frau bereits schlafen würde.

Und dann hörte er es.

Ein Keuchen. Erst leise, kaum wahrnehmbar, dann ein Schrei, gellend, roh, voller Schmerz, so tief, dass er Jorin wie ein Faustschlag traf. Er stürzte ans Bett. Lindgard lag im zerwühlten Bett, die Augen geschlossen, das Gesicht vom Licht der Kerze nur schwach erhellt. Ihr Atem ging stoßweise, ihre Glieder zuckten, als wehrte sie sich gegen etwas Unsichtbares. Er sah, wie sich ihre Stirn kräuselte, wie sich Tränen über die Schläfen stahlen, lautlos und fremd. Und Jorin? Er stand nur da, reglos, gefangen zwischen Sorge und Hilflosigkeit. Dann ein leiser Laut, ein Wimmern, gefolgt von einem weiteren Schrei, rauer noch als der erste. Lindgard wand sich im Bett wie eine Ertrinkende. Ihre Augen rissen sich auf, weit geöffnet, aber leer, voller Panik, als sähe sie Dinge, die nicht hier waren. Der Prinz widerstand dem Impuls, sofort zu ihr zu eilen und sie in die Arme zu schließen. Etwas in ihren Augen hielt ihn zurück. Die nackte Angst, die sich darin spiegelte, richtete sich nicht nur gegen das, was in ihrem Inneren tobte, sie schien auch ihm zu gelten. „Lindgard“, sagte er leise. Seine Stimme klang fremd in diesem Raum voller Schatten. Er trat einen Schritt näher, langsam, vorsichtig, als wolle er ein aufgescheuchtes Reh nicht weiter verschrecken. Sie rührte sich nicht. Ihr Blick fuhr kurz über ihn, huschend, beinahe ohne ihn zu erkennen, bevor sie ihn senkte. Ihre Finger krallten sich ins Laken, der Stoff ihres Nachtgewandes klebte an ihrer Haut – zu dünn, zu durchsichtig, als hätte sie keinen Schild mehr zwischen sich und der Welt. Jorin spürte den Schmerz dieser Erkenntnis fast körperlich, nicht, weil sie ihn so ansah, sondern weil sie sich selbst nicht mehr schützen konnte und er wusste, mit jeder Faser seines Wesens, dass er sie jetzt weniger denn je berühren durfte.
Er kniete sich neben das Bett, eine Hand auf das zottige Fell gelegt, das sie sich panisch um den Körper gezogen hatte. „Ich bin es, Jorin“, flüsterte er. „Du bist in Sicherheit.“ Er setzte sich auf die Bettkante, ein gutes Stück entfernt. Saß dort still, reglos, wie ein Wächter, der wusste, dass sein Platz nicht an ihrer Seite, sondern nur in ihrer Nähe war. Er vermied es, näher zu rücken, denn er hatte Angst, dass sie das noch mehr dazu veranlasste, in Panik zu geraten. So viel Schmerz, so viel Scham lag in ihren Augen, dass es ihm das Herz brach. Er hätte geschworen, ihr jedes Leid vom Leib zu halten, doch da lag sie, zerbrochen in einer Schlacht, die er nicht verstand.
[Bild: sig-jorin1.png]
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RE: just a ghost with a beating heart - von Jorin Stelhammer - 26-07-2025, 11:21

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