09-08-2025, 16:42 - Wörter:
Manchmal, während er sprach und der Rest schwieg, konnte man beinahe vergessen, dass dieser Mann in völliger Dunkelheit lebte. Es war kaum zu erkennen, dass er selbst nichts sehen konnte, waren seine Bewegungen so routiniert und weich, dass es keinen Anhalt für seine Schwäche gab. Muirín besah sich ihren zukünftigen Ehemann von der Seite her. Immerhin war er recht ansehnlich, wie sie feststellen durfte. Sie versuchte ihren Blick wieder auf das Essen zu wenden, immerhin gab es noch zwei weitere Personen mit im Raum, die ihr Augenlicht noch hatten. Sie wollte nicht noch einen schlechteren Eindruck machen, als sowieso schon geschehen. Falls sich dieser Eindruck irgendwie noch retten ließ... Sie kannte es von sich selbst: sobald sie einmal jemanden abgeschrieben hatte, war kaum noch irgendetwas möglich. Die Tatsache, dass sie jedoch ab heute hier in Kenmara ihr zu Hause finden sollte, machte sie Sache ein wenig komplizierter. Sie schluckte schwer. Es würde ihr nicht einfach fallen hier anzukommen, diese Stadt und dieses Fürstentum als ihre neue Heimat anzunehmen. Es war Alles einfach zu schnell gegangen. Zu wenig Zeit, die Informationen zu verarbeiten. Zu wenig Möglichkeiten, auf diese neue Umgebung einzustellen. Sich erst einmal vorsichtig mit ihr vertraut zu machen. Stattdessen hat ihr Vater sie sofort ins eiskalte Wasser springen lassen. Ohne Vorwarnung.
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Ich glaube so ist es erst einmal in Ordnung
", murmelte sie zurückhaltend zwischen zwei Bissen, die ihr beinahe im Hals stecken geblieben waren. Dass es kein gemeinsames Gemach geben würde, war mehr, als sie sich erhofft hatte. Gleichzeitig führte es ihr jedoch auch vor Augen, wie groß seine Ablehnung gegenüber dieser Sache war. Und auch, wenn es ihr überhaupt nicht anders ging, tat es trotzdem weh. Machte das überhaupt Sinn? Wieso durfte er nicht genauso fühlen, wie sie? Die Tatsache, dass es in den letzten Jahren wenig Männer gegeben hatte, die ihr mit einer solchen Ablehnung gegenüber getreten waren, tat vielleicht ihr Übriges. Allerdings waren das auch alles sehende Männer. Da brauchte man keinen besonders guten Charakter, keine umwerfende Rhetorik, keine Stimmfarbe, die alles andere verblassen ließ. Da reichte das, was man sehen konnte. Ihre schönen und roten, langen Haare, die ausgewählten Kleider, die ihre Taille besonders gut zum Vorschein brachten und sicherlich auch die grünlichen Augen, die immer einen etwas verträumten Blick hatten. Mit was sollte sie punkten, wenn sie sich auf ihrem Äußeren nicht mehr ausruhen konnte? Sie hatte sonst nichts, dessen war sie sich sicher. "
Was würdet ihr von einem kleinen Verdauungs-Spaziergang halten?
", fragte sie vorsichtig und sah noch einmal in die Richtung Cathals. Ein direkter Zugang zu den Klippen hörte sich viel zu verlockend an, um damit noch viel länger zu warten. Sie brauchte ein paar positive Erlebnisse in Kenmara, damit sie die nächsten Tage überstehen konnte. Immerhin wartete in zwei Tagen eine Hochzeit auf sie. Dabei wurde ihr direkt wieder ganz flau im Magen, wenn sie nur daran dachte... "Vielen Dank für das leckere Essen. Es schmeckt wirklich hervorragend
", lobte sie Maebh, die ebenfalls mit am Tisch saß und in den letzten Minuten eher ruhig gewesen war. Wer konnte es ihr verdenken, nachdem Muirín so aufgewartet hatte?
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