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just a ghost with a beating heart
04.10.1016 - 00:12
Hallen Wintergards, Jorins Gemächer
Trigger: PTBS, Panikattacke, Schlafparalyse

Winterland
Lindgard Stelhammer
Winterland
Alter 21
Beruf Prinzessin von Norsteading
Wohnort Wintergard
Stand Verheiratet
User Lia
#3
„Lindgard.“

Ihr Name, gesprochen in seinem ureigenen Timbre – tief, vertraut, und doch so fern, dass er sie fast noch mehr erschreckte als beruhigte. Ein Teil ihres Geistes klammerte sich an ihren Namen, an seine Stimme, wie an einen Ast im tosenden Strom. Langsam, mit Mühe, drängte sie die Schatten zurück, die noch in ihren Eingeweiden wüteten. Der Leinensack war fort, die fremden Hände ebenso. Nur das Stolpern ihres Herzens war geblieben, wild und unbändig, als wollte es sich aus ihrer Brust befreien.

Die Felle um sie herum fühlten sich noch immer wie ein Gewicht an, das sie niederdrückte, und doch war ihre Haut dankbar für ihre Wärme. Sie atmete tiefer, konzentrierte sich auf die Gerüche des Raumes: das verbrannte Harz der Kerzen, das feine Leinen an ihrem Leib, das unangenehme Prickeln von kalter Luft auf ihrer schweißfeuchten Haut, die durch den Spalt der Tür gekrochen war, als Jorin hereingekommen war. Sie spürte, dass sie nicht mehr im Wald war, nicht mehr ausgeliefert, und ein winziger Teil von ihr glaubte daran, dass sie jetzt wieder in Wintergard war. In Sicherheit. An seiner Seite. So wie er es ihr in diesem Augenblick versicherte.

Ihre Finger krallten sich in die Pelze, während ihre Gedanken wie hunderte Gänsedaunen durch die Nacht tanzten. Sie war schwach. Schwächer, als eine Winterländerin es je sein dürfte. Eine Stelhammer-Gemahlin durfte nicht so daliegen, mit tränennassem Gesicht und bebenden Gliedern, unfähig, sich gegen lächerliche Geister zu wehren. Eine gute Ehefrau würde den Mut haben, stolz neben ihrem Mann zu bestehen, würde stark genug sein, ihm das zu geben, was er verdiente: Kinder. Nähe. Vertrautheit. Stattdessen hatte er sie so sehen müssen: erschüttert, schreiend, entblößt. Schwach.

Die Scham brannte wie Frost in ihrem Magen, bereitete ihr Übelkeit. Mit einer fahrigen Bewegung zog sie die Felle enger um ihren Körper, obwohl sie wusste, dass sie das nicht sollte. Sie sollte sich nicht verhüllen, sondern geben. Frigga hatte ihr genau diesen Ratschlag erteilt. Wobei dieser Ratschlag eher einem königlichen Dekret gleichgekommen war. Doch die Erkenntnis, dass sie das nicht konnte, durchsetzte ihren Geist wie das schlimmste Gift. Sie konnte es nicht. Und vielleicht würde sie es nie können.

Trotzdem zwang sie sich, den Kopf zu heben. Der Stolz, der noch immer in ihren Genen lebte, gebot es ihr. Sie musste Jorin ansehen, musste erkennen, was in seinen Zügen geschrieben stand. Blaue Augen, hell und klar wie das ewige Eis der Einöde, glitten zögerlich zu ihm hinüber. Und er war so, wie sie ihn kannte: hochgewachsen, kräftig, die Schultern gerade, scharfe Gesichtszüge, wie gemeißelt. Sein dunkles Haar streng zurückgebunden, der Bart dicht, dessen Kupferschimmer der Kerzenflamme ähnelte. Und in seinen Augen fand sie endlich das, was sie suchte.

Verwirrung. Unsicherheit auch, ein kaum wahrnehmbares Flackern. Doch über allem lag dieser Ausdruck, der sie erstarren ließ: Mitleid, dessen war sie sich sicher. Mitleid für ihre Schwäche, für ihre Unzulänglichkeit, für das Salz ihrer Tränen. Das Blut stieg ihr heiß ins Gesicht, und sie wandte den Blick ab. Besser, er sah ihr Erröten nicht, sie wollte nicht bemitleidet werden. Sie war Lindgard Stelhammer. Eine stolze Winterländerin. Eine Prinzessin. Keine Frau, die schwach dalag wie ein wehrloses Kind. Doch hier war sie nun. Und er hatte es gesehen.

“Verzeih.“ Das Wort kam brüchig, als sie ihre trockenen Lippen endlich öffnete. Eine Entschuldigung, kaum mehr als ein Wispern, verloren in der lastenden Stille des Raumes. Keine Erklärung, keine Ausflucht. Nur das Eingeständnis, dass dies alles zu viel war. Dass sie ihm diesen Augenblick zugemutet hatte, so ungewollt, so beschämend. Es war alles, was sie geben konnte: ihre Entschuldigung für ihr Versagen.

Ihre Augen sanken auf seine Hand, die auf dem Fell ruhte, das sie bedeckte, nah und doch nicht ganz bei ihr. Er hielt Abstand. Natürlich, sie konnte es ihm nicht verdenken. Sie war kein schöner Anblick, so verschwitzt und tränenverschmiert. Und doch schmerzte es, zu wissen, dass er ihr nicht nahe sein wollte. Unbewusst streckte sie die Finger aus, als müsste sie die emotionale Distanz zwischen ihnen überbrücken. Ihre Hand legte sich auf seine. Zögernd, suchend, fast schuldbewusst. Die Wärme seiner Haut drang zu ihr, ließ die Panik für einen Moment zurückweichen. Mit dieser Berührung zwang sie sich, den Rücken zu straffen, die Felle fielen ein Stück zurück, als sie sich langsam aufrichtete.

Sie hob den Blick erneut, er tastete unsicher über sein Gesicht, über die tiefen, nachdenklichen Linien auf seiner Stirn, die Unlesbarkeit seiner dunklen Augen. Ein Kloß in ihrer Kehle machte ihr die Worte schwer, doch sie musste etwas sagen, um nicht wieder im Schweigen zu ertrinken. „Es...wird nicht wieder vorkommen.“ Es war kaum mehr als ein Hauch, mit einem flehentlichen Unterton, was über ihre Lippen kam. Doch es war echt. Ein so echtes Versprechen, dass es ihr selbst Angst machte. Sie versuchte alles, um ihm einen Ausweg zu bieten – eine Möglichkeit, sich nicht mit den Dämonen beschäftigen zu müssen, die sie nur ganz allein zu bekämpfen gedachte.
[Bild: lindgard-sig2.png]
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RE: just a ghost with a beating heart - von Lindgard Stelhammer - 08-09-2025, 21:07

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