21-09-2025, 09:50 - Wörter:
In Aurelias Züge, erst noch scharf von dem Geschäftslächeln, trat eine Form von Amüsement, die ihre Augen kurz leuchten ließ.
Aurelias Nase steckte tiefer in Geschäften, die sie eigentlich nichts angingen, nur weil sie ihre Ohren zu den richtigen Momenten spitzte und wusste, wie sie sich diese Primärtriebe selbst zu nutzen machen konnte. So wie er jetzt schon fragte, ob ihr Perlenohrringe imponieren würden, konnte sie aus der Begegnung mit dem Fremden vielleicht auch mehr rausschlagen, als sie anfangs erwartet hatte.
Es war fast drollig, wie der Patriotismus des Mannes begann, seine Worte zu formen und sie in eine Diskussion zu verwickeln, die wohl keinen Gewinner hatte - erst recht nicht mit einer Frau, die mehr der Diskussion wegen diskutierte als wirklich ihre Meinung zu vertreten.
“Bei Wein, Leib und Weib, so werden Geschäfte doch am liebsten geschlossen”
, stimmte sie ihm zu und zum ersten Mal in ihrem Gespräch schien sie doch etwas von sich preiszugeben, als würden die abertausend funkelnden Sonnenstrahlen auf der Meeresoberfläche auch ihre Schale etwas aufbrechen. Sie war vertraut mit Tavernen, kannte deren Gesetzlosigkeiten unter dem Gesetz und die Prinzipien, wonach jeder Mann dort handelte. Wenn der Alkohol floss, perlten Erziehung und Anstand von ihnen ab und gaben ihre rohen, ungeschliffenen Primärtriebe preis, die im richtigen Licht, zum richtigen Augenblick zu den lukrativsten Geschäften führten. Aurelias Nase steckte tiefer in Geschäften, die sie eigentlich nichts angingen, nur weil sie ihre Ohren zu den richtigen Momenten spitzte und wusste, wie sie sich diese Primärtriebe selbst zu nutzen machen konnte. So wie er jetzt schon fragte, ob ihr Perlenohrringe imponieren würden, konnte sie aus der Begegnung mit dem Fremden vielleicht auch mehr rausschlagen, als sie anfangs erwartet hatte.
“Silber, wenn überhaupt. Ich hab genug Perlen zu Hause.”
Ob gelogen oder nicht, sie beide wussten ganz genau, womit sie es hier zutun hatten. Halbwahrheiten, die gerade genug preisgaben, um interessant zu bleiben oder eben weil man einem Fremden nur so viele Informationen anvertrauen wollte, die einen nicht verletzbar machte. Zugegeben, dieses Spiel reizte sie ein wenig, und die Aussicht darauf, sein kleines Geheimnis aus ihm rauszukitzeln, verleitete sie dazu, das Gespräch noch ein wenig in die Länge zu ziehen. Aurelia erwiderte den langen Blick unverblümt und labte sich an dem eigenen Kribbeln, das über ihren Nacken kroch, ehe sie spielerisch mit den Schultern zuckte. “Ich habe nie behauptet, dass ich eine Händlerin bin.”
Die Genugtuung, mehr Informationen preiszugeben, tat sie nicht. “Vielleicht möchte auch dieses Rätsel aufgedeckt werden.”
Gegen einen Preis vielleicht. Eine Gegenleistung. Noch hatte sie ihre Bedingung nicht genannt.Es war fast drollig, wie der Patriotismus des Mannes begann, seine Worte zu formen und sie in eine Diskussion zu verwickeln, die wohl keinen Gewinner hatte - erst recht nicht mit einer Frau, die mehr der Diskussion wegen diskutierte als wirklich ihre Meinung zu vertreten.
“Sicher, oder einfach nicht mit dem fehlenden Gold. Ich hab gehört, man tauscht dort mit Haushaltsgegenständen und Kleidung, weil keine Münzen im Umlauf sind…?”
Aurelias Mundwinkel verzogen sich zu einem kleinen, verschmitzten Lächeln, als er auf ihre Stadt zu sprechen kam. “Und was habt Ihr Euch bisher für ein Urteil gebildet, Herr? Sind wir so egoistisch und fremdhassend, wie alle immer behaupten?”
, fragte sie mit verschränkten Armen vor der Brust, während sie ihre Füße langsam über den Strand trugen. Er, der sich immer noch nicht vorgestellt hatte, schien ihrer Führung blind zu folgen, was ihr die Freiheit gab, das Tempo und die Richtung vorzugeben. Weg von den Felsen, hin zu dem Lärm der Straßen. Nur in King’s Portal schwollen die Stimmen so an, als würden sie von einer unsichtbaren Blase über den Dächern gehalten. Man konnte sich nur vorstellen, dass der Lärm selbst bis ganz nach oben in den Palast dringen musste - nicht dass Aurelia davon eine Ahnung hätte, hatte sie doch nie einen Fuß dort hineingesetzt. Dieses Chaos, ob es dem Fremden imponierte oder nicht, war ein Teil von ihr, und je näher sie den Mamortreppen kamen, desto mehr schien sie sich in den Lärm einzugliedern und mit den Menschen, die ihn verursachten, zu verschmelzen.
