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just a ghost with a beating heart
04.10.1016 - 00:12
Hallen Wintergards, Jorins Gemächer
Trigger: PTBS, Panikattacke, Schlafparalyse

Winterland
Lindgard Stelhammer
Winterland
Alter 21
Beruf Prinzessin von Norsteading
Wohnort Wintergard
Stand Verheiratet
User Lia
#5
Lindgard verstand ihn nicht. Zumindest nicht so, wie er es wohl meinte. Das ’Du musst dich nicht entschuldigen’ – es hallte in ihr nach wie ein Urteil, keine Absolution. Er sprach mit jener sanften Stimme, die ihr sonst Trost sein konnte, Verständnis versprach, doch in dieser Nacht hörte sie nur, was ihr eigener getriebener Geist daraus machte: dass er ihr nicht verzeihen konnte. Oder schlimmer: dass es nichts gab, was zu vergeben war, weil ihr Verhalten ihn schlicht beschämte. Natürlich tat es das. Wie hätte es auch nicht? Sie hatte geschrien wie eine Wahnsinnige, ihn verstört mit Lauten eines gehetzten Tieres. Sie hatte gezittert, geweint, war praktisch nackt und schwach zugleich vor ihm zusammengebrochen. Was sollte ein Mann wie Jorin nur denken? Ein Prinz des Winterlands, so stark und fähig, die Hoffnung eines mächtigen Volkes, war gezwungen, seine besten Jahre mit einer Frau zu verbringen, die ihn zurückstieß, die ihm das verweigerte, was ihm zustand. Ihren Körper, ihr Vertrauen, die Zukunft, die man ihnen gemeinsam auferlegt hatte.

Ein bitterer Geschmack legte sich auf ihre Zunge, als sie daran dachte, was man von ihr erwartete. Was ihre liebe Mutter getan hätte. Was Königin Frigga wohl gedacht haben musste, als sie die Anordnung traf, sie beide in dieses gemeinsame Gemach zu drängen, in der Hoffnung, dass sich alles, was falsch war, durch Nähe korrigieren ließe. Und sie? Sie war nichts als eine Enttäuschung. Eine Ehefrau, die man schon längst seltsam ansah. Eine Prinzessin, die ihre größte Pflicht eines Erben nicht erfüllte. Wie konnte er also so ruhig bleiben? Wie konnte er, Nacht für Nacht, nichts fordern, wo andere Männer längst genommen hätten, was ihnen zustand? Es war nicht unüblich in Norsteading. Nicht grausam, sondern schlicht so, wie es einfach war. Doch Jorin war keiner dieser Männer, das hatte er so lange bewiesen. Er wartete, dämpfte stets seine dröhnende Stimme in ihrer Gegenwart, hielt Abstand, und das machte es für sie nur schlimmer. Denn sie wusste, dass er nie sein würde wie die anderen. Aber auch, dass er sich ihr gegenüber nicht verhielt, wie er wirklich war. Und das Wissen schnürte ihr die Kehle zu.

Seine Worte holten sie in die Gegenwart zurück. Seine Stimme, ruhig, tief, von jener Wärme durchzogen, die sie gleichzeitig suchte und fürchtete. Er sagte etwas – etwas über ihre Unruhe, über die Schlaflosigkeit, die sie nicht länger zu verbergen wusste. Sie konnte ihm darauf nicht antworten. Nicht sagen, dass er recht hatte. Nicht erklären, dass sie die Nächte fürchtete, weil sie dann unweigerlich mit dem konfrontiert wurde, was sie tagsüber so leidenschaftlich zu verdrängen versuchte: Gesichter, Schatten, die eigene Machtlosigkeit. Er konnte es nicht wissen. Und er durfte es nicht. Ihre Augen wanderten über seine Züge. Über den Schatten seines dichten Bartes an seinem kräftigen Hals, das müde Spiel der Muskeln unter seiner Kleidung, seinen forschend-ernsten Blick, der zu lange an ihr haftete. Und sie spürte, wie Scham in ihr aufstieg, heiß und gnadenlos. Es war, als würde die Schande selbst sie entblößen, viel mehr als das dünne Gewand, das ohnehin nichts verbarg. Sie hatte keine Worte für das, was in ihr tobte, nur dieses drängende Gefühl, ihn bitten zu müssen, zu vergessen, was er gesehen hatte.

Doch bevor sie die Kraft dazu fand, zog er sich zurück. Eine Bewegung, kaum merklich, ein sanftes Lösen seiner Finger unter ihrer Hand hervor, und doch spürte sie es wie einen Peitschenschlag. Sie hatte das zarte Streichen seines Daumens fast übersehen, so flüchtig war es gewesen. Nur die Erinnerung von Wärme war geblieben. Und dann diese Leere. Seine Worte, die nun folgten, trafen sie unvorbereitet.  Etwas in ihr brach auf – nicht laut oder sichtbar, aber tief und still. Wie dünnes Eis, das unter einem unüberlegten Schritt nachgibt. Er verstand nicht, was sie zurückhielt, und doch machte ihn das nicht wütend. Nur…traurig? Und das war schlimmer. Es war unerträglich. Ihr Atem stockte. Sie wollte sprechen, wollte sagen, dass er sich irrte. Dass sie ihn nicht fürchtete. Nur das, was noch viel zu oft in ihr aufstieg, wenn jemand ihr zu nahe kam. Doch die Worte kamen nicht, lediglich ein gepresstes Flüstern, kaum hörbar.

„Bleib.“ Ein einziges Wort, heiser gesprochen, aber echt. Ihre Finger fanden wieder Halt im Fell, ihre Schultern strafften sich leicht, obwohl sie innerlich zitterte. Wenn sie ihm weiterhin auswich, würde sie ihn verlieren. Vielleicht nicht in Taten, aber in all den kleinen Dingen dazwischen: dem Vertrauen, dem Blick, dem unausgesprochenen Wunsch, dass sie eines Tages vielleicht wirklich seine Frau sein konnte. Sie wusste, dass sie ihn nicht ewig auf Abstand halten konnte. Früher oder später würde der Druck für sie beide zu groß werden. Vielleicht war es also besser, wenn es heute geschah. Wenn sie ihm endlich gab, was ihm zustand. Wenn sie die Dunkelheit mit einer Tat überstimmen konnte, die ihr vielleicht sogar wieder Kontrolle zurückgab. Aber konnte sie das wirklich? Ihr Herz pochte wild gegen ihre Rippen, während sie ihn ansah. Er saß dort, wie ein Fels in der Brandung, und doch schien sie jeden Herzschlag von ihm zu spüren. Ihr Mund öffnete sich, aber die Worte waren zu klein für das, was sie fühlte. Also tat sie das Einzige, was ihr einfiel: Sie rückte ein Stück zur Seite, schob die Felle beiseite und sah ihn an – fragend, unsicher und verletzlich. „Es ist kalt“, murmelte sie leise, beinahe entschuldigend. Ein erster, zaghafter Schritt.
[Bild: lindgard-sig2.png]
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RE: just a ghost with a beating heart - von Lindgard Stelhammer - 09-11-2025, 20:00

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