30-11-2025, 22:46 - Wörter:
Zunächst waren sie also Händler und Kunde. Oh, wie unverschämt dieser Mann doch seine Spielchen spiele. Und wie unverschämt leicht er es schaffte, Aurelias Aufmerksamkeit zu halten, obwohl sie ihn eigentlich schon als frechen, schamlosen Mann abgestempelt hatte. Nichtmal seinen Namen hatte er ihr verraten, was unter anderen Umständen das Grundgerüst des Gesprächs geschaffen hatte. Wie sollte sie dann überhaupt einem Wort glauben, das aus diesem verfluchten, intelligenten Mund kam? Und warum musste in seinen Augen mehr Scharfsinn ruhen, als ihr lieb war? Warum trieb ihr sein Kommentar über die Perlensammlung, die er sehen wollte, die Röte in die Wangen, was sie nur mit schnippischen Antworten überdenken konnte? Verflucht war dieser falsche Händler mit seiner goldenen Zunge. Leider gefiel Aurelia die Art, wie er sie von der Seite ansah und mit ihr redete, ein wenig zu gut. Sie würde trotzdem lieber Heofaders Füße küssen, als sich — und ihm — das zuzugestehen.
Mittlerweile waren sie an den Marmortreppen angekommen, die direkt vom Strand in das Universitätsviertel führten. Eine Gruppe von Männern in Schultertuniken saß auf den Stufen und diskutierte, während einer von ihnen mit einem Stock Kreise in den Sand zeichnete. Das war kein seltener Anblick hier, Gelehrte, welche sich die Welt erklärten. Aurelia schlüpfte auf den Stufen in ihre Sandalen, nachdem sie sich den Sand grob von den Fußsohlen gewischt hatte. Ihr Rock war vom Wind bereits wieder so trocken, dass er nicht mehr an ihren Beinen klebte, als sie die wenigen Stufen nach oben nahm.
„Perlen, statt Kleidung tauschen zu müssen. Ah.“
Die Wirtstochter konnte nicht ganz umhin, einen Seitenblick zu dem Händler zu werfen und den offenen, mit Ornamenten verzierten Mantel genauer zu betrachten. Viele Männer hier in Castandor, selbst Händler, bevorzugten einfache Hemden, oder gingen mit der Mode und trugen Schultertuniken. Ließ sie gelehrter wirken, auch wenn sie nicht das Gold hatten, an der Universität zu studieren oder Richter zu werden. „Bei uns verliert man Kleidung eher, wenn man auf die falschen Karten setzt“
, meinte Aurelia schließlich. „Ihr würdet Euch hervorragend bei den Spielleuten machen, wisst Ihr. Die nehmen Euch auch gerne mit weniger Kleidung.
“ Sie nahm ihn auch mit weniger Kleidung… Wenn sie ihm nur die Chance gab, ihr noch ein wenig länger Honig um den Mund zu schmieren. Oh, wie sie sich doch nur selbst dafür verfluchte.Mittlerweile waren sie an den Marmortreppen angekommen, die direkt vom Strand in das Universitätsviertel führten. Eine Gruppe von Männern in Schultertuniken saß auf den Stufen und diskutierte, während einer von ihnen mit einem Stock Kreise in den Sand zeichnete. Das war kein seltener Anblick hier, Gelehrte, welche sich die Welt erklärten. Aurelia schlüpfte auf den Stufen in ihre Sandalen, nachdem sie sich den Sand grob von den Fußsohlen gewischt hatte. Ihr Rock war vom Wind bereits wieder so trocken, dass er nicht mehr an ihren Beinen klebte, als sie die wenigen Stufen nach oben nahm.
„Man merkt Euch eure Heimat an. Der Akzent, die Haut. Ihr riecht auch so, wie ich mir Matariyyaner vorstelle, die nicht ein paar Tage auf dem Schiff vegetiert haben.“
Was sagte das über sie aus, dass ihr das aufgefallen war? Immerhin hielt sie ihren Blick stur auf der staubigen Straße vor sich, die sich langsam für Pferde und Wagen öffnete. Weg von der Strandpromenade kreuzten mehr Menschen ihren Weg, die sich nicht nur mit Philosophie und Vergnügen beschäftigten, sondern ihren täglichen Geschäften nachgingen. Der Markt schien langsam zu schließen, weshalb viele Bürger ihre Waren auf Karren und Esel verluden. Viele von ihnen lebten am Rande der Stadt, wusste Aurelia. Die großen weißen Gebäude, welche die Strandpromenade rahmten, waren den Gelehrten und Administratoren vorbehalten.„Und? Passe ich Eurer Meinung nach hierhin?“
, fragte sie in leicht spöttischem Unterton, sich unterschwellig über seine Frage lustig machend. Ihr Blick verriet allerdings tatsächliches Interesse. Wenn ein Fremder ihr sagte, dass sie woanders besser aufgehoben wäre, bestätigte das nicht ihr Gefühl, dass sie hier raus musste? …doch wohin?„Wo müsst Ihr eigentlich hin? Oder wollt ihr mich bis nach Hause verfolgen?“

