04-02-2026, 22:40 - Wörter:
Es war kurz vor der vierten Stunde des Nachmittags, als Samir beinahe lautlosen Schrittes den Weg aus seinen Gemächern gen Speisesaal suchte. Er hatte sich um die Mittagszeit ein wenig zur Ruhe gebettet, da der Tag sich - wieder einmal - als unangenehm drückend herausgestellt und ihn das Gewusel ob der baldigen Ankunft ihrer Gäste ermüdet hatte. Immer noch schien die Luft wie ein schwerer Umhang auf seinen Schultern zu liegen und kurz hob der junge Mann das Gesicht etwas gen Himmel, um leicht zu schnuppern. Ja, wenn ihn nicht alles täuschte würde es später vielleicht ein Gewitter geben. Zwar zeigten sich wettertechnisch noch keine Anzeichen, nur eine laue Brise ließ die leichten Vorhänge wie in einem unscheinbaren Tanz wiegen, doch er hatte schon lange gelernt die Zeichen zu lesen. Dieses Mal waren sie noch vage, aber es würde sich schon noch herausstellen, ob er mit seiner Vermutung richtig lag. Tat er dies, so würde er seine Pläne hinsichtlich der Unternehmungen mit der Tochter ihres Gastes wohl ändern müssen. Obwohl. Vielleicht konnte sie sich ja für Spaziergänge im Regen erwärmen? Samir konnte sich allerdings nicht vorstellen, dass die schwüle Atmosphäre, sie seit Tagen über Yalewdal lag, sich in einem leicht angenehmen Nieselregen auflösen würde. Dafür hatte es schon zu lange nicht mehr geregnet. Ja, es war sogar möglich, dass die Erde fürs erste die Massen an Wasser gar nicht aufnehmen konnten. Es wäre nicht das erste Mal, dass kleine Sturzbäche sich einen Weg durch die Gassen der Stadt suchten, die zum Glück von einem nicht allzu veralteten Kanalisationssystem profitierte.
Die privaten Gemächer hinter sich lassend blieb der junge Al-Mazhir vor einem der großen Silberspiegel im Gang stehen, um sich noch einmal kritisch darin zu betrachten. Man mochte ihn nicht mit großen, politischen Geschicken betrauen, aber hinsichtlich des gesellschaftlichen Ansehens der Familie war es an ihm, zu glänzen. So auch jetzt gegenüber der Familie Parikh und dazu gehörte nun einmal ein tadelloses Auftreten. Eine Notwendigkeit, die Samir nicht sonderlich schwer fiel, schließlich wohnte ihm doch eine gewisse Eitelkeit inne, die er beim besten Willen nicht hätte leugnen können. Aus diesem Grund war auch jedes seiner Kleidungsstücke perfekt abgestimmt, ein luftiger aber doch eleganter Sirwal saß wie angegossen auf seiner Hüfte, während das farblich dazu abgestimmte Hemd an der Brust leicht geöffnet war und den Blick auf eine sorgsam ausgewählte Kette freigab. Aufdringliche Farben trug Samir nicht, nein, vielmehr kleidete er sich in dunklen Edelsteintönen, die mitunter alle das herausragendste Merkmal an ihm unterstrichen: Seine saphirblauen Augen, von denen niemand so recht wusste, aus welchem Erbgut sie stammen mochten. Gemeinsam mit den sanften Grübchen, die sich an seinen Wangen zeigten, wenn er lächelte, strahlten sie eine fast unbändige Anziehungskraft aus, die bereits so manche Person für ihn gewonnen hatte.
Schon von weitem konnte er die Stimmen seines Vaters und ihrer Gäste aus dem Speisesaal vernehmen, was Samir aber dazu verleitete, seine Schritte etwas zu verlangsamen, anstatt sie zu beschleunigen. Im Schatten eines schweren Samtvorhanges, der den Durchgang zum Speisesaal etwas abschirmte, blieb er stehen und lauschte, warf einen beinahe schon verstohlenen Blick durch die Kaskaden um ein Gefühl für das zu bekommen, das sich ihm hier bot. Erst als er sich innerlich das ihm als geeignet erscheinende Auftreten zurecht gelegt hatte, trat er aus den Schatten und auf Vater und Tochter zu, doch nicht ohne zuerst seinem Vater mit einem Neigen des Kopfes und einer leisen Begrüßung Aufmerksamkeit hatte zuteil werden lassen. Schließlich begrüßte er zuerst Dinesh Parikh, so wie es der Anstand gebot mit einer kleinen Verneigung, ehe er sich dessen Tochter zuwandte. "Welch strahlender Edelstein sich in unser bescheidenes Heim verirrt hat." Einer von Samirs Mundwinkeln hob sich zu einem charmanten Lächeln, ehe er auch der jungen Frau gegenüber in eine leichte Verneigung ging und aus dem Augenwinkel bereits beobachten konnte, wie sein Vater und ihr Gast sich auf den Weg zur Tafel machten. Galant ergriff er sodann die zarte Hand der jungen Frau ihm gegenüber und führte nah an seinen Mund, sodass sie den warmen Hauch seines Atems auf ihrer Haut, jedoch nicht seine Lippen spüren konnte. Letzteres hätte die Etikette schließlich gesprengt. "Ihr müsst Rajani sein, nicht wahr? Mein Name ist Samir, ich darf Euch heute als treu ergebene Gesellschaft zur Seite stehen." Samir hatte seine Worte so gut einstudiert, dass sie ihm völlig natürlich über die Lippen kamen, auch wenn einstudiert wohl der falsche Ausdruck dafür war. Sein Leben bestand schlussendlich zum Großteil aus dem stetigen Tanz aus Worten und Gesten in der Gesellschaft, die sich immer und immer wieder als äußerst glattes Parkett herausstellte und in der man auf alles vorbereitet sein musste, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, sich selbst zu verkaufen. "Ich hoffe Eure Anreise war nicht zu beschwerlich?" Fragend legte er den Kopf schief, während er ihr höflich den Arm anbot, um sie an den Tisch zu geleiten.
Die privaten Gemächer hinter sich lassend blieb der junge Al-Mazhir vor einem der großen Silberspiegel im Gang stehen, um sich noch einmal kritisch darin zu betrachten. Man mochte ihn nicht mit großen, politischen Geschicken betrauen, aber hinsichtlich des gesellschaftlichen Ansehens der Familie war es an ihm, zu glänzen. So auch jetzt gegenüber der Familie Parikh und dazu gehörte nun einmal ein tadelloses Auftreten. Eine Notwendigkeit, die Samir nicht sonderlich schwer fiel, schließlich wohnte ihm doch eine gewisse Eitelkeit inne, die er beim besten Willen nicht hätte leugnen können. Aus diesem Grund war auch jedes seiner Kleidungsstücke perfekt abgestimmt, ein luftiger aber doch eleganter Sirwal saß wie angegossen auf seiner Hüfte, während das farblich dazu abgestimmte Hemd an der Brust leicht geöffnet war und den Blick auf eine sorgsam ausgewählte Kette freigab. Aufdringliche Farben trug Samir nicht, nein, vielmehr kleidete er sich in dunklen Edelsteintönen, die mitunter alle das herausragendste Merkmal an ihm unterstrichen: Seine saphirblauen Augen, von denen niemand so recht wusste, aus welchem Erbgut sie stammen mochten. Gemeinsam mit den sanften Grübchen, die sich an seinen Wangen zeigten, wenn er lächelte, strahlten sie eine fast unbändige Anziehungskraft aus, die bereits so manche Person für ihn gewonnen hatte.
Schon von weitem konnte er die Stimmen seines Vaters und ihrer Gäste aus dem Speisesaal vernehmen, was Samir aber dazu verleitete, seine Schritte etwas zu verlangsamen, anstatt sie zu beschleunigen. Im Schatten eines schweren Samtvorhanges, der den Durchgang zum Speisesaal etwas abschirmte, blieb er stehen und lauschte, warf einen beinahe schon verstohlenen Blick durch die Kaskaden um ein Gefühl für das zu bekommen, das sich ihm hier bot. Erst als er sich innerlich das ihm als geeignet erscheinende Auftreten zurecht gelegt hatte, trat er aus den Schatten und auf Vater und Tochter zu, doch nicht ohne zuerst seinem Vater mit einem Neigen des Kopfes und einer leisen Begrüßung Aufmerksamkeit hatte zuteil werden lassen. Schließlich begrüßte er zuerst Dinesh Parikh, so wie es der Anstand gebot mit einer kleinen Verneigung, ehe er sich dessen Tochter zuwandte. "Welch strahlender Edelstein sich in unser bescheidenes Heim verirrt hat." Einer von Samirs Mundwinkeln hob sich zu einem charmanten Lächeln, ehe er auch der jungen Frau gegenüber in eine leichte Verneigung ging und aus dem Augenwinkel bereits beobachten konnte, wie sein Vater und ihr Gast sich auf den Weg zur Tafel machten. Galant ergriff er sodann die zarte Hand der jungen Frau ihm gegenüber und führte nah an seinen Mund, sodass sie den warmen Hauch seines Atems auf ihrer Haut, jedoch nicht seine Lippen spüren konnte. Letzteres hätte die Etikette schließlich gesprengt. "Ihr müsst Rajani sein, nicht wahr? Mein Name ist Samir, ich darf Euch heute als treu ergebene Gesellschaft zur Seite stehen." Samir hatte seine Worte so gut einstudiert, dass sie ihm völlig natürlich über die Lippen kamen, auch wenn einstudiert wohl der falsche Ausdruck dafür war. Sein Leben bestand schlussendlich zum Großteil aus dem stetigen Tanz aus Worten und Gesten in der Gesellschaft, die sich immer und immer wieder als äußerst glattes Parkett herausstellte und in der man auf alles vorbereitet sein musste, wenn man nicht Gefahr laufen wollte, sich selbst zu verkaufen. "Ich hoffe Eure Anreise war nicht zu beschwerlich?" Fragend legte er den Kopf schief, während er ihr höflich den Arm anbot, um sie an den Tisch zu geleiten.
![[Bild: Mo5Wo-YZ.png]](https://i.ibb.co/dsYgvDsK/Mo5Wo-YZ.png)
