09-02-2026, 11:37 - Wörter:
Als er Maebhs Stimme hörte, spannte sich unerwartet etwas in seiner Brust an. Ein Gefühl, das verdächtig nah an Enttäuschung lag und an der verkrusteten Oberfläche einer Wunde kratzte, von der er nicht einmal gewusst hatte, dass er sie sich selbst zugefügt hatte – und für die er Maebh insgeheim verantwortlich machte.
Nach dem Tod seiner Mutter – einem Verlust, der ebenso widersprüchliche Gefühle in ihm hinterlassen hatte wie viele der Ereignisse der vergangenen Jahre und Monate – hatte Cathal die erneute Hochzeit seines Vaters akzeptieren können. Ein Teil von ihm hatte sich sogar für den Fürsten von Kenmara gefreut. Anfangs war es ihm leicht gefallen, sich für Maebh etwas zu erwärmen: nicht als Mutter, niemals das, aber doch als eine Art Vertraute.
Bis zu jenem Moment, in dem sie einen Sohn gebar. Einen Sohn, der ihm vorgezogen wurde – nicht durch Tat oder Verdienst, sondern allein dadurch, dass er sehen konnte. Er hatte sich distanziert, eine Mauer errichtet und weder Tür noch Fenster darin gelassen, durch die sie hätte blicken können. Cathal war ungnädig gewesen, sich selbst gegenüber, als hätte er stets gewusst, dass Nähe nichts war, was er mit Menschen teilen durfte, die nicht seine Schwestern waren. Und vielleicht glaubte er tief in sich, dass er es verdiente. Dass dies nur eine weitere Prüfung war, auferlegt, um ihn zu brechen oder zu läutern – und dass er sie zu bestehen hatte, um sich seinen eigenen Wert erst wieder zu verdienen.
Maebhs Worte über seine Erscheinung hätten es beinahe geschafft, ein vages Lächeln um seine Mundwinkel zu locken.
Als sie durch den Raum auf ihn zukam und ihre Hand auf seinen Arm legte, während ihre Worte wie immer von Rücksicht getragen waren, loderten Zorn und Widerstand in ihm auf. Diese vertraute, hässliche Wut, die ihn jedes Mal ergriff, wenn sie zu gut war, zu milde, zu selbstverständlich in ihrer Güte. Er wusste, wie irrational dieses Empfinden war – und doch klammerte sich sein Verstand an den Gedanken, ihrer Freundlichkeit müsse Berechnung zugrunde liegen. Denn niemand konnte so sein. Niemand durfte so sein.
So war es nicht verwunderlich, dass sein Verstand aus ihren Worten einen Angriff auf seine Fähigkeit, sich in einer Menschenmasse zurechtzufinden, machte, statt sie als das anzunehmen, was sie vermutlich waren: Sorge, der stille Versuch, ihm zu zeigen, dass er gesehen wurde. Doch Cathal war nicht nur zu sich selbst ungnädig – er war es auch zu allen anderen.
Er selbst sprach längst nicht mehr schlecht über seine Behinderung. Er hatte sie akzeptiert, angenommen – zumindest redete er sich das ein. Vielleicht auch nur so lange, wie er noch der offizielle Erbe Kenmaras war. Doch in diesem Moment spielte das keine Rolle. Ihre zweite Frage ließ ihn schnauben, und er fuhr sich unbewusst über den Oberarm – eine Geste, die sein Unwohlsein verriet.
Nach dem Tod seiner Mutter – einem Verlust, der ebenso widersprüchliche Gefühle in ihm hinterlassen hatte wie viele der Ereignisse der vergangenen Jahre und Monate – hatte Cathal die erneute Hochzeit seines Vaters akzeptieren können. Ein Teil von ihm hatte sich sogar für den Fürsten von Kenmara gefreut. Anfangs war es ihm leicht gefallen, sich für Maebh etwas zu erwärmen: nicht als Mutter, niemals das, aber doch als eine Art Vertraute.
Bis zu jenem Moment, in dem sie einen Sohn gebar. Einen Sohn, der ihm vorgezogen wurde – nicht durch Tat oder Verdienst, sondern allein dadurch, dass er sehen konnte. Er hatte sich distanziert, eine Mauer errichtet und weder Tür noch Fenster darin gelassen, durch die sie hätte blicken können. Cathal war ungnädig gewesen, sich selbst gegenüber, als hätte er stets gewusst, dass Nähe nichts war, was er mit Menschen teilen durfte, die nicht seine Schwestern waren. Und vielleicht glaubte er tief in sich, dass er es verdiente. Dass dies nur eine weitere Prüfung war, auferlegt, um ihn zu brechen oder zu läutern – und dass er sie zu bestehen hatte, um sich seinen eigenen Wert erst wieder zu verdienen.
Maebhs Worte über seine Erscheinung hätten es beinahe geschafft, ein vages Lächeln um seine Mundwinkel zu locken.
„Ich muss es dir wohl glauben…“
In seiner Stimme lag keine Abwehr, vielmehr jener selbstironische, trockene Humor, den er schon immer sein Eigen genannt hatte. „Ich könnte aussehen wie ein Höhlentroll und würde es nicht einmal merken.“
Er setzte zu einem schiefen Zug um die Lippen an – und verbot ihn sich im nächsten Moment wieder.Als sie durch den Raum auf ihn zukam und ihre Hand auf seinen Arm legte, während ihre Worte wie immer von Rücksicht getragen waren, loderten Zorn und Widerstand in ihm auf. Diese vertraute, hässliche Wut, die ihn jedes Mal ergriff, wenn sie zu gut war, zu milde, zu selbstverständlich in ihrer Güte. Er wusste, wie irrational dieses Empfinden war – und doch klammerte sich sein Verstand an den Gedanken, ihrer Freundlichkeit müsse Berechnung zugrunde liegen. Denn niemand konnte so sein. Niemand durfte so sein.
So war es nicht verwunderlich, dass sein Verstand aus ihren Worten einen Angriff auf seine Fähigkeit, sich in einer Menschenmasse zurechtzufinden, machte, statt sie als das anzunehmen, was sie vermutlich waren: Sorge, der stille Versuch, ihm zu zeigen, dass er gesehen wurde. Doch Cathal war nicht nur zu sich selbst ungnädig – er war es auch zu allen anderen.
„Und wofür?“
Seine Stimme klang harsch, und er entzog sich ihrem Griff an seinem Arm. Ein Teil von ihm wusste, dass dieser Ton unangebracht war, doch Cathal hatte selten auf Konventionen geachtet oder eine Konfrontation gescheut. „Wolltest du mir meine Unzulänglichkeiten noch einmal ins Bewusstsein rufen?“
fragte er unterkühlt, während sich seine Kiefermuskulatur anspannte.Er selbst sprach längst nicht mehr schlecht über seine Behinderung. Er hatte sie akzeptiert, angenommen – zumindest redete er sich das ein. Vielleicht auch nur so lange, wie er noch der offizielle Erbe Kenmaras war. Doch in diesem Moment spielte das keine Rolle. Ihre zweite Frage ließ ihn schnauben, und er fuhr sich unbewusst über den Oberarm – eine Geste, die sein Unwohlsein verriet.
„Ich heirate eine Frau, die mich ebenso wenig heiraten will, wie ich sie.“
Ironie lag in seinen Worten, während sich seine Augenbrauen zusammenzogen. Er trat einen Schritt zur Seite – und stieß gegen die kleine Anrichte, deren Platzierung er wohl für den Moment vergessen hatte. Ein kleiner Schmerz, aber nicht minder ärgerlich, denn er erinnerte ihn erneut daran, wie schwach er war. „Und mir ist durchaus bewusst, dass dieser Tag kommen musste. Und mir ist ebenso bewusst, dass die Wahl nicht bei mir liegt. Ich werde diese Pflicht erfüllen, wie ich alles erfüllt habe, was in diesen Mauern über meinen Kopf entschieden wurde“
, fuhr er fort und bemühte sich um einen kontrollierten Tonfall.„Aber frag nicht so heuchlerisch, wie ich mich dabei fühle – denn meine Gefühle zählen dabei nicht. Ebenso wenig wie in dem Moment, als du deinen Sohn so offensichtlich positioniert hast, dass mir mein angeborenes Recht genommen wird. Ein Recht, das mir nicht nur deswegen zusteht, sondern weil ich hart dafür gearbeitet habe, weil ich mich nicht in ein Schneckenhaus zurückgezogen habe, während andere faule Fürstensöhne sich darauf berufen.“
Er machte eine wegwerfende Handbewegung, als könnte er damit den ganzen Zorn aus seinem Körper schleudern. Doch es gelang ihm nicht. Vielleicht war es das erste Mal, dass die Enttäuschung wirklich aus ihm herausbrach – wie bei einem Kind, das gelernt hatte, seinen Eltern niemals gerecht werden zu können.
![[Bild: Cathal_Signatur_01.png]](https://into-oblivion.de/grafiken/RPG/facingthestorm/Cathal_Signatur_01.png)
