| In need of a Quest? |
| Aurelia Marsili |
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| Alter |
23 |
| Beruf |
Wirtstochter, Sängerin, Informationshändlerin |
| Wohnort |
Castandor, King's Portal |
| Stand |
Ledig |
| User |
Letha |
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06-06-2025, 08:49 - Wörter:
Langsam fühlte sich King’s Portal wieder so an, als würde sie atmen. Es war der gleiche, stinkende, stickige Atem, der sich in jedem Oktober durch die staubigen Gassen über die Mosaikböden drückte, dick und schwanger von Menschenodor, eingegangenen Früchten und Färbergeruch. Aber es war auch der Atem, der im Nachzug eine frische Brise vom Schaum des Meeres mit sich trug, sich nach oben hin klärte und zum Sonnenuntergang langsam die Hitze aus dem Marmor saugte. Die letzten Tage hatte die Stadt gejauchzt, war mit Leben an verschiedenen Herden gefüllt worden, von Menschen jeder Generation, jedes Landes, mit unterschiedlichen Motivationen, an den Spektakeln der Hochzeit teilzunehmen. Dann hatte sie geschlafen und den Menschen Zeit gegeben, sich von der Feierei zu erholen; Läden blieben geschlossen, Handwerk blieb ruhen, die Märkte nur gefüllt von Familien, die ihre übrig gebliebenen Festtagsreste teilten und gemeinsam in Erinnerungen schwelgten. Was King’s Portal die letzten Wochen gezeichnet hatte - der steigende Unmut in der Bevölkerung über den Zuwachs an Sommerländern, die wie unliebsame Fracht von Schiffen abgeschleppt worden waren, hungrig, ängstlich und gierig nach allem, was sie in ihre langen Finger bekommen konnten - hatte für zwei Nächte pausiert und einer Nächstenliebe Platz gemacht, die man sich untereinander schon kaum zutraute. Der unliebsame Einwanderer war auf einmal ein Freund. Der kleinwüchsige Zwerg war auf einmal genau groß genug, um mit ihm auf das Brautpaar anzustoßen und um das Feuer zu tanzen. Jetzt, wo die Stadt wieder atmete, schien das Vergangene mehr wie ein Traum als etwas, das sie alle gemeinsam erlebt hatten.
Das Wetter hingegen schien das anders zu sehen, und manch einer sah es sicher als großzügiges Zeichen Heofaders für das junge Ehepaar, dass der Oktober sich mit einer goldenen Sonne ankündigte, die sich warm über die hellen Dächer der Stadt legte und den Palast auf dem Hügel in gleißendem Licht erstrahlen ließ. Jetzt, wo sie darüber nachdachte, war es merkwürdig, dass kein Sturm am Horizont aufzog.
Die Steine fühlten sich warm unter nackten Füßen an, die sich hin und wieder über den Unebenheiten wölbten und geschickt den spitzen Oberflächen auswichen. Die trägen Geräusche des Bankviertels im Hintergrund, kniete sich Aurelia zwischen zwei Felsen nieder und ließ den Meeresschaum gegen ihren Rock waschen, der schnell die türkis transparente Farbe des Wassers annahm und sich von den Wellen tragen ließ. Sie war der Großkönigsfamilie durchaus dankbar dafür, dass sie zwei Tage der Ruhe angeordnet hatten, und ausnahmsweise auch ihren Eltern, die sie nicht zum Arbeiten in die Taverne steckten. Wer soll den Laden sonst halten, hm? Das wusste sie doch; und trotzdem änderte es nichts daran, dass der triste Alltag sie anödete. Wenn sie nur den Mut besäße, sich den Seemännern anzuschließen und hinaus in die Wellen zu reiten ohne einen Plan, wohin es sie verschlagen würde. Wenn sie nur den Mumm hätte, ihrer Familie den Rücken zu kehren und dem Drang nach Freiheit nachzugeben.
Stattdessen saß sie hier, allein, ihre Hände in das flache Wasser tunkend. Es war nicht die Tatsache, dass sie allein war, die sie so störte - sondern der Umstand, dass sie sich von Antonius Bruder klein bekommen hatte, ihm einen Gefallen zu tun und die Perlen für ihn zu waschen. Eigentlich war das gar nicht ihre Aufgabe, und ursprünglich hatte sie auch unzufrieden ihre Nase gekräuselt und die Arme vor der Brust verschränkt. Nein. Sie hatte Besseres zutun, als ihren freien Tag mit einem Gefallen zu verschwenden. Aber dann hatte er sie mit diesem dummen Hundeblick angesehen, den auch Antonius drauf hatte, und sie mit dem Versprechen rumbekommen, dass sie fünf von den Perlen behalten durfte. Hätte der Gefallen nicht beinhaltet, dass sie ihren Nachmittag an ihrem Lieblingsstrand verbringen konnte, hätte sie trotzdem Nein gesagt. In der Sonne, die ihre Nase küsste und ihre nackten Arme in eine warmen Olivton verwandelte, empfand sie es aber tatsächlich gar nicht als Strafe, und auch nicht als Zeitverschwendung. Im Gegenteil - Aurelia bemerkte, wie das rhythmische Heranwaschen der Wellen an ihren Gedanken zupfte und sie unter den schweren Locken löste. Während sie sich über die Perlen beugte, gab ihr Haar der Schwerkraft nach und fiel über ihre Schulter, bis es mit den Spitzen das Wasser berührte. So wie ihre Singstimme die Felsen berührte, geformt zu einer sanften Melodie, der nur die Wellen lauschen durften.
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| Sommerland |
| Nadir ben Sahid |
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| Alter |
44 |
| Beruf |
Prinz von Matariyya |
| Wohnort |
Dharan al-Bahr |
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Verheiratet |
| User |
Pat |
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06-06-2025, 17:22 - Wörter:
Ob er seine Heimat vermisste? Irgendwo schon. Reisen war nun wahrlich nichts, was Nadir fremd war, aber so eine gewisse Sehnsucht gab es doch immer mal. Andererseits hatte er die Früchte seiner Heimat ausgiebig gekostet, weshalb er froh war, sich an anderen Früchten zu probieren. Dass das bei Nadir im Wesentlichen Frauen waren, das ist unangezweifelt, doch es war auch mehr als das: Fremdes Essen, fremdes Klima, fremde Kulturen, fremde Menschen. In den Jahren hatte er bemerkt, wie sehr es einen beeinflusste, wo man aufwuchs. Allerdings glaubte er auch, dass Menschen sich zu sehr darauf ausruhten, dies als Gründe für Engstirnigkeiten zu nehmen. Während die Sommerlande einen offeneren Lebensstil pflegten, überschreitete Nadir in seiner Position selbst diese Offenheit noch einmal. Als Skandalprinz reiste er durch die Länder und blieb am Ende doch eine angenehmere Gesellschaft als Ridvan, wenngleich Nadir seinen Bruder sehr schätzte. Angenehm hieß ja nicht verlässlich ...
Er war zur Liebe seiner Nichte nach Castandar gekommen. Er war für sie da, motivierte sie, hörte ihr zu, ja, tröstete sie vielleicht manchmal. Zu ihr pflegte er seit jeher ein enges Verhältnis und es fiel ihm fast schwer, sie hier zu lassen; er wusste nämlich vor allem nicht, ob er sie einer glücklichen Zukunft überließ - oder nie endenden Ketten. Er blieb optimistisch - und würde ohnehin oft genug hier sein. Castandor gehörte zu den Orten, die er durchaus gerne aufsuchte. Und manchmal vergaß er dafür auch seinen Stand. Das war der Vorteil: Kaum jemand wusste, dass er der Prinz war. Und das war angenehm; es war eine Karte, die er dann rausholte, wenn er sie brauchte. So wirkte er wie jemand aus den Sommerlanden, der nicht am Hungertuch nagte. Das reichte meistens für die Ziele, die Nadir an einem Tag wie diesen pflegte. Es wäre wohl unrühmlich zu behaupten, dass er sich am Strand bewegte - durch die Massen schlendern, die Geruch ignorierend - und Ausschau nach charmanter und attraktiver Gesellschaft war. Manchmal war er es Leid einfach der nächstbesten Frau Gold zu zustecken. Manchmal wollte er auch einfach überzeugen, erobern. Das fiel ihm nie arg schwer, er war auch nie allzu moralisch dabei und ignorierte vielleicht auch mal potenzielle Eheringe am Finger.
Die braunen Augen des Prinzen erspähten recht schnell eine Frau, die konzentriert am Meer etwas reinigte. Er erkannte nicht, ob es Gegenstände oder ihre Hände waren. Was Nadir erkannte, war, dass ihn die Silhouette in den Bann zog. Es war wie eins der Lieder, die von einer schönen Frau am Meer sangen, das Haar locker über die Schultern hängend, im Wind wehend. In seinen Liedern trug die besagte Frau wohl weniger, aber man musste wohl - erstmal - Abstriche machen!
Ehrlicherweise vernahm er die singende Stimme erst, als er ihr näher kam. Sie war konzentriert, wusch die Gegenstände - es müssten Perlen sein - gründlich und wirkte aus der Nähe noch anziehender. "Eine singende Frau im Meer, die Männer um ihre Gedanken bringt, kenne ich eher aus Gedichten.", sprach er doch in typisch charmanter Manier. Auch hier hielt er sich nicht zurück, einen eher offeneren und doch edleren Kleidungsstil an den Tag zu legen. Er hatte allerdings auf Schmuck und Ähnliches verzichtet, sonst wäre es wohl gefährlicher für ihn. Und so musterte er sie, die Arme, die arbeitenden Hände - und er überlegte, ob er sie schon mal gesehen hatte. "Aber hier bin ich und wünschte, eine Perle zu sein." Er lächelte verschmitzt. "Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich dem Gesang lausche und den Anblick genieße?"
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| In need of a Quest? |
| Aurelia Marsili |
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| Alter |
23 |
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Wirtstochter, Sängerin, Informationshändlerin |
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Castandor, King's Portal |
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Ledig |
| User |
Letha |
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15-06-2025, 09:56 - Wörter:
Mit einem leisen Platschen fielen zwei der frisch gewaschenen Perlen aus Aurelias Fingern in das nicht unbedingt tiefe, aber doch unruhige Wasser, eine klare Konsequenz auf das Zucken, das ihren ganzen Körper durchfuhr. Vielleicht war es der Schreck, der sie abrupt abbrechen ließ, der Blick für einen Moment unfokussiert und dann mit Unglauben auf ihre leeren Finger starrend. Was darauf folgte, war auf jeden Fall auch die logischste Konsequenz für eine anständige, fromme, tugendhafte junge Frau.
„Verdammte Scheiße“ , perlte der Fluch über ihre Lippen, wie es vorher ihre Singstimme getan hatte, in Ton und Absicht so unterschiedlich wie zwei Welten. Ohne weiteres Zögern verstaute sie eilig, fast fahrlässig die übrigen Perlen in ihrem Beutel und tauchte ihre Hände bis zum Unterarm ins Wasser, um eine Hand voll Sand heraus zu fischen; hoffentlich mit den Perlen drin. Es dauerte fünf Sekunden, die der nasse Sand durch ihre Finger rann — für Aurelia bereits zu lange, denn sie wollte Antonius Bruder nicht erklären müssen, dass Stunden seiner mühevoller Arbeit einfach so wieder von der Ebbe verschluckt worden waren — bis sie eine der Kugeln endlich erspähte. Mit der zweiten hatte sie wenig später ebenfalls Erfolg, nachdem sie den ganzen Sand vor sich abgetastet hatte und die glatte Perle endlich zu fassen bekam. Warum hatte sie nochmal eingewilligt, zu helfen?
Ironischerweise fühlte sich der Einschnitt der Männerstimme, hier an einem öffentlichen, für jeden zugänglichen Platz, an wie ein Eingriff in ihre Privatsphäre. Als hätte er ein Ritual der Einheimischen unterbrochen und in ein Fettnäpfchen getreten, von dem er nicht wusste, dass es existierte. Aurelia kam gerne hier hin, zwischen die Felsen, weil sie sich etwas Abstand von dem städtischen Leben erhoffte. Von der Lautstärke, die morgens durch ihr offenes Fenster drang und selbst hier dick im Hintergrund anschwoll wie eine Warze, die man sich gerne abschneiden würde. Von dem Nachbartratsch, an dem sie selbst täglich freiwillig und unfreiwillig teilhatte und oft genug im Mittelpunkt dessen stand. Von den Männern, die hier zumindest eine gewisse Art von Benehmen und Respekt an den Tag legten; auch wenn man sich als Frau wohl nie ganz vor ihnen schützen konnte. Vielleicht hatte Aurelia es auch ein wenig darauf angelegt, ihre Haare offen getragen, nackte Arme preisgegeben und es ja so gewollt, wie die alte Tante vom Haus gegenüber ihr jetzt sicher gerne angeprangert hätte. Leider machte das den unangenehmen Versuch des Mannes, ihr mit schönen Worten zu schmeicheln, auch nicht unbedingt besser; der leicht sommerländische Akzent in seiner Samtstimme weckten in ihr leider die große Unlust, sich schon wieder mit einem von denen zu beschäftigen.
„Hier habt Ihr die Chance, aus der Vielfalt des Meeres zu wählen, und ihr nehmt eine langweilige Perle“ , entgegnete sie etwas schnippischer als beabsichtigt, aber sie war halt auch nicht mehr die Entspannteste, seit sie sich in Gesellschaft wusste. Die letzten Wochen hatten sie gelehrt, eine natürliche Abwehrreaktion gegen die Inselbewohner zu entwickeln, die ihre Stadt gestürmt und den Hafen in reines Chaos verwandelt hatten. War es die Schuld des Mannes, der sie ansprach? Vermutlich nicht, aber es war definitiv seine Schuld, dass sie fast zwei Perlen im Meer verloren hatte.
Aurelia verstaute die Kugeln zurück in ihrem Beutel, richtete sich in ihrer sitzenden Position etwas auf und sammelte ihr schweres Haar Strähne für Strähne auf ihrem Kopf. „Nun, Eurer brillanten Idee zum Dank wird es wohl kaum noch Gesang geben, dem Ihr lauschen-“ , warf sie endlich einen Blick über ihre Schulter, um zumindest einschätzen zu können, mit wem sie es hier zutun hatte. Ob sie sich in Acht nehmen musste. Ob er Waffen trug und bereit war, einer hilflosen Frau mit Gewalt zu begegnen, auch wenn seine Stimme nicht den Eindruck erweckt hatte. Genauso gut hätte sie auch Seewasser schlucken können, versiegten doch alle übrigen Wörter in ihrer Kehle. Kein flüchtiger Blick war ihm gütig, sondern ein Starren, ziemlich ungeniert sogar, vergessen jeder Groll, als hätte jemand mit dem Finger geschnipst. Zu ihrem Leidwesen wusste Aurelia genau, wann ein Prachtexemplar eines Mannes vor ihr stand, und sie wusste genau, wo sie nicht hinstarren sollte, auch wenn es sie nicht davon abhielt, es trotzdem zu tun. Auch wenn sie gewollt hätte, hätte sie den Blick nicht vermeiden können, der an den Venen seines Halses abtauchte, bis der Stoff seiner Kleidung die Linien verdeckte, von denen sie genau wusste, dass sie vorhanden waren. Während ihre Hände für einen Moment vergessen hatten, was sie mit ihren Haaren auf dem Kopf anstellen wollten, öffneten sich ihre Lippen einen Spalt und nahmen einfach das Bild auf, das er ihr in der untergehenden Sonne schenkte.
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| Sommerland |
| Nadir ben Sahid |
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| Alter |
44 |
| Beruf |
Prinz von Matariyya |
| Wohnort |
Dharan al-Bahr |
| Stand |
Verheiratet |
| User |
Pat |
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20-06-2025, 14:49 - Wörter:
Eine anständige, fromme, tugendhafte Frau - oh, welch Versager einst an der Macht sein musste, um jenes Bild als Idealbild einer Frau zu schaffen, die am Ende weder Mann noch Frau glücklich stimmte. Glücklicherweise gab es genug Frauen, die das Spiel der Maskerade so perfektionierten, dass sie sich dessen vollends bewusst waren: Dass anständig, fromm, tugendhaft in die Kloster gehörte. Der Vorteil (und Nachteil) war, dass man es Frauen meist nicht ansah, zu welcher Kategorie sie gehörten. Aber Nadir war offen (und bekehrte gerne). Letztlich sah er diese poetisch-ästhetische Szene einer schönen Frau, die am Meer etwas zu reinigen schien und entschloss sich, Teil jener Szene zu werden. Letztlich war Nadir stets für alle Ausgänge offen und grübelte nicht darüber, wenn diese Schönheit nicht etwas Sommerlande tasten wollte.
Wie angemessen es seinerseits war eine anständige, fromme und tugendhafte Frau anzusprechen, war wohl die nächste Frage. Nadir verstand das Konzept nicht - er konnte ja nicht alle Frauen, mit denen er schlafen wollte, heiraten, geschweige denn alle an seinen Hof holen. Neben dieser doch recht deutlich erotisch-romantischen Intentionen, die ihn dazu veranlassten, die unbekannte Frau anzusprechen, hatte er zugleich ein Gefühl für die interessanten Persönlichkeiten. Ein romantischer Abend war nichts mit dem, was davor und danach stattfand. Und so mythisch es klang (und wovon er meist kein Freund war), so würde er behaupten, ein gewisses Gefühl für Menschen zu haben, die wertvoll waren - auf welche Arten und Weisen auch immer.
Insofern mochte er wahrlich in ihre Privatsphäre eingedrungen sein; womöglich war es aber wohl angemesser als all jene, die sich diese Szene seit Minuten schweigsam aus der Ferne ansahen - mit all den unangemessenen Gedanken, die man so haben konnte. Womöglich war das, was die junge Frau tat, in gewissen Kreisen schon freizügig genug. Vielleicht war das auch die Abwechslung, die dem Sommerländer hier auffiel. Insgesamt kein Wunder, dass die Stadt so traurig war. Über ihre Vorurteile der Sommerländer ahnte er natürlich nichts. Sie würde es vermutlich verstehen - manche setzten viel auf die Tatsache, dass sie hier nahezu als exotisch galten. Vielleicht war Nadir da nicht anders, aber er verpackte es wohl besser - und war wohl besser verpackt.
Dass sein Gespür wohl richtig lag, lag an ihrem gesamten Auftreten. Direkte Worte, schnippisches Auftreten - eine Dame wohl, die gebändigt werden wollte. Er grinste vor sich hin, als sie die Bemerkung mit der Perle machte. "Nun, an einen Hai würdet ihr wohl kaum eine Hand legen, oder?" Ein wichtiges Argument, wenngleich ihm klar war, dass das Gespräch gerade sehr ... theoretisch war.
Das idyllische Bild jedenfalls schien Nadir unterbrochen zu haben. Nicht überraschend, etwas, das einkalkuliert werden musste. Gereizt, aufgeschreckt, impulsiv wirkte sie - geradezu anziehend auf Nadir - und sich darauf los machend, die Kulisse zu verlassen. Deutliche Worte ihrerseits drangen an sein Ohr - und verstummten ab dem Moment, an dem sich ihre Augen das erste Mal trafen. Nun, seine Augen trafen ihre, ihre Augen fokussierten sich auf andere Stellen - fast schon so deutlich, dass man wohl für einen kurzen Moment zweifeln durfte, wie anständig und fromm die junge Frau wohl war. Der Prinz wusste, dass er eine gewisse Wirkung hatte, allerdings war selbst er davon überrascht. Es schien jedenfalls ein deutliches Signal zu sein, dass beide wussten, was sie wollten. Immerhin entgegnete er den Blick und analysierte nun die Teile ihres Körpers, die er von hinten nicht sah, genoss die Rundungen, die unter viel zu viel Stoff verborgen, aber doch betont waren. Er ahnte, dass er wohl relativ ungeniert seinen Daumen über ihre Lippen fahren lassen konnte. Aber es blieb dabei, dass er ihren Körper - so wie sie - offensiv betrachtete, und dann das Wort ergriff: "Darf ich jene Perlen mal sehen? Womöglich gar berühren?"
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| In need of a Quest? |
| Aurelia Marsili |
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| Alter |
23 |
| Beruf |
Wirtstochter, Sängerin, Informationshändlerin |
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Castandor, King's Portal |
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Ledig |
| User |
Letha |
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06-07-2025, 10:21 - Wörter:
Ah, so fühlte es sich also an, mit den Augen ausgezogen zu werden. Aurelia wusste nicht, was sie in diesem Moment dazu bewegte, das zuzulassen - vielleicht war es auch einfach der Anblick dieses Mannes, der sich mit dem goldenen Licht der Sonne mischte und ihr selbst Gedanken in den Kopf setzte, die sie in keiner Kirche beichten konnte. Bei Heofader, sie hatte doch erst vor ein paar Tagen… Warum musste sie ihn so anstarren wie eine alte Jungfer, die noch nie jemanden gesehen hatte, der so…
Sein Blick machte auch gar nichts besser, wenn überhaupt hatte sie sich selten so nackt vor einem Fremden gefühlt. Selbst ohne Kleider wussten Männer in der Regel nicht, wie sie eine Frau anzusehen hatten, dass sie sich verletzlich fühlte. Bewegt. Warm in den kälter werdenden Sonnenstrahlen, während sanfte Wellen ihre Oberschenkel und den dünnen Stoff ihres Obergewandes umspielten. Dass er allein die Kühnheit besaß, seine Intention so deutlich zu machen, wenn er ihr doch nicht einmal seinen Namen verraten hatte, sollte sie auf der Stelle aufstehen lassen. Und doch rührte sie sich keinen Zentimeter, während seine Gänsehaut sich auf ihre nackten Schultern bildete.
Aurelia war noch nie bekannt dafür gewesen, kluge Entscheidungen zu treffen.
Ihre Lippen hatten sich zumindest geschlossen, nachdem der Mann sie fragte, ob er ihre Perlen berühren dürfe - eine Frage, die schwer wog mit Zweideutigkeit, die sie beinahe auflachen ließ. Etwas hysterisch, vielleicht, weil sie einen Mann schon längst in Grund und Boden gestampft hätte, der sich solchen Andeutungen bediente und schiefe Zähne hatte, eine Glatze oder Fett an den falschen Stellen. Dass sie ihn mit keinem scharfzüngigen Kommentar in die Flucht schlug, verriet viel mehr als sie preisgeben wollte. So schnaufte sie doch zumindest und wandte endlich den Blick von ihm ab, um das Werk auf ihrem Kopf zu beenden und ihre Haare in einen lockeren Knoten zu stecken. “Zwei Kupfer fürs Berühren. Fünf, wenn Ihr eine kaufen wollt” , sagte sie trocken und hielt inne, weil sie merkte, wie zweideutig sie selbst klang. “Die Perlen!”
Langsam erhob sie sich, auch wenn sie für einen Moment mit dem Gedanken spielte, einfach sitzen zu bleiben. Ihr Gewand klebte an ihrer Gestalt und gab mehr Preis, als sie in diesem Moment bereit war zu geben. Sie konnte nur froh sein, dass sie heute keine weiße, transparente Tunika gewählt hatte, sondern eine weinrote, deren Farbe sich im Meer nicht auswusch. Wäre sie alleine, hätte sie sich die Zeit genommen und auf dem Felsen ihre Beine trocknen lassen, aber das stand jetzt wohl nicht mehr zur Debatte. Aurelia suchte den Strand für einen Moment nach bekannten Gesichtern ab und war dankbar dafür, dass sich ein Pärchen zumindest in Hörweite befand, falls sie schreien würde. Ob sie das brauchte? Na hoffentlich nicht.
Ihre nackten Füße trugen sie durch das flache Wasser auf den Fremden zu, dann aber an ihm vorbei. Ohne ihm noch einen Blick zu schenken - sie vertraute sich ja selbst nicht - raffte sie ihren Rock und schlüpfte in die Sandalen, die in dem feuchten Sand bereit lagen. “Was treibt Euch überhaupt hierher? Ihr seht mir wie ein Inselbewohner aus.” Ein gut betuchter Händler, seinen Kleidern nach zu urteilen, aber das behielt sie für sich. Sie wollte ihn antworten hören.
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| Sommerland |
| Nadir ben Sahid |
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| Alter |
44 |
| Beruf |
Prinz von Matariyya |
| Wohnort |
Dharan al-Bahr |
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Verheiratet |
| User |
Pat |
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07-07-2025, 18:39 - Wörter:
Vermutlich trafen gewisse kulturelle Tendenzen aufeinander - er so offen, sie so irritiert. Er nahm die Hauptstadt immer als verschlossener war, wenn man nicht gerade inmitten eines Bordells war, in der man quasi wie aus einer Speisekarte wählen konnte. Die Frauen und Männer zeigten weniger Haut, weniger Offenheit, aber doch tief verborgene Bedürfnisse. So viel Lebenserfahrung hatte Nadir nämlich nun: Zu wissen, dass die wahre Intention hier oft verborgen wurde. Zugegeben: Es gab wohl Frauen, die es etwas besser verbergen konnten, als die Dame mit ihren Perlen am Meer - was schon ein missverständliches Bild auslöste. Nicht, dass er sich sicher fühlte; nicht, dass er davon ausging, dass die beiden heute noch in den Laken miteinander wälzten - wenngleich es eine willkommene Option war - aber: Er war sich halbwegs sicher, dass sie den Anblick genoss, so wie er den Anblick genoss. Nadir war ehrlicherweise kein durchgeplanter Mensch, er tat nicht zwangsläufig A und B, damit C herauskam, sondern er traf recht spontan eine Entscheidung und nahm das, was passierte. Ja, er überlegte nicht, wie angemessen es war, eine Frau anzusprechen, während sie ihre Perlen im Meer reinigte.
Ihren inneren Konflikt und Kampf jedoch konnte er dennoch nicht wahrnehmen. Nadir hatte wohl - neben seiner Attraktivität - den Vorteil, dass er bereits die ein oder andere Frau (eine Menge) verführen konnte, weshalb er sagen würde, er weiß so halbwegs, was er zu tun hatte, um überzeugend zu sein. Zweideutigkeit einzubringen, kann gefährlich sein - wenn es nicht angenommen wird. Der Gefahr jedoch war er sich halbwegs bewusst. Und doch sah er keinen Widerstand; vielleicht nahm er wahr, dass sie immer wieder kurz nachdachte und sich doch nicht rührte. Nichts sagte, nicht fortging. Und in seinen Augen war es die richtige Entscheidung: Weg vom tristen Alltag. Warum so tun, als würde man nicht alles tun wollen, um dem zu entfliehen?
Er wusste ehrlicherweise nichts von ihr; auch nicht, dass sie als Wirtin arbeitete und es wohl täglich damit zu tun hatte, begafft und angemacht zu werden. Zugleich wusste sie dann wohl auch, damit umzugehen - was wohl für die Situation sprach. So wusste er nichts, außer, dass sie immer wieder nachdachte. Erst als sie die Haare, die eben noch im Wand wehten, zusammenband, schien etwas zu passieren - und sie antwortete auf seinen Kommentar.
Er schmunzelte, so missverständlich dies wohl platziert war. Hierbei musste man wohl aufpassen, bevor man vermittelte, dass der Preis den Perlen - also ihren Perlen - entsprach, und nicht den anderen Perlen. "Oh, berühren kostet schon?" , brachte er demnach diplomatisch hervor und beließ es dabei, bevor man sich in eine ungewöhnliche Situation ritt. Als sie sich erhob, löste sie natürlich etwas in dem hochgewachsenen Mann aus; wie sich das nasse Kleid an ihre Haut schmiegte. Für die Sommerlande mochte das noch prüde sein, aber hier? Dass es keine weiße Tunika war, nun, hätte sie davon gesprochen, hätte er dies wohl bedauert. "Nun, vielleicht darf ich sie auch so berühren, wenn Ihr mich ein wenig kennenlernt." Von welchen Perlen man nun auch immer sprach. Nadir weiß, worüber er spricht.
Und so erhob sie sich, kam aus dem Meer - Nadir hätte ihr die Hand hingehalten, aber womöglich war dies etwas viel für den Anfang. In jedem Fall musterte er sie, hielt er sich doch noch etwas vom Meer entfernt.
Die nächste Frage wurde etwas tricky - deshalb, weil Nadir eben nicht der Prinz sein wollte. Würde er nun zugeben, dass er der Prinz war, so glaubte er, ein wenig vom Charme der Frau zu verlieren. Sie war so oder so in den Bann gezogen und doch gab es eine gewisse Direktheit, die ihm imponierte und sie noch anziehender machte. "Nun, ich bin eine Art Reisender, der schöne Dinge sucht ... und findet. Der guten Wein und angenehme Gesellschaft schätzt." , kommentierte er mit deutlichem Blick. "Aber ja, meine Wurzeln liegen in Matariyya. Wart ihr schon einmal da?"
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| In need of a Quest? |
| Aurelia Marsili |
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| Alter |
23 |
| Beruf |
Wirtstochter, Sängerin, Informationshändlerin |
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Castandor, King's Portal |
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Ledig |
| User |
Letha |
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15-07-2025, 15:48 - Wörter:
Dieses Mal wollte sich Aurelia wirklich nicht mehr ihr Schnaufen verkneifen, oder wahlweise einfach die Entrüstung über diese Zweideutigkeit, die einfach nicht aufhören wollte. Machte der Fremde überhaupt etwas anderes, als Frauen auf ihre Perlen anzusprechen? Gerne konnte er denken, was er wollte, dass sie prüde war oder sich über Anspielungen pikierte, er wusste ja auch nicht, dass sie sich täglich mit weniger poetischen Anmachsprüchen herumschlagen durfte. Sollte er es ihretwegen noch weiter denken, sie hatte jedenfalls nicht mehr vor, mitzuspielen. “Ich sehe keinen Sinn dahinter, was ein Kennenlernen ändern sollte. Ich verkaufe Perlen.” Sie wusste, wovon sie sprach - die Frage war, ob er immer noch auf seiner Zweideutigkeit beharren wollte, wenn sie so eindeutig war. “Das Einzige, was ich wissen muss, ist, wie viel Kupfer Ihr habt und wie viel Ihr kaufen wollt.” Ihr Lächeln sprach nicht von Wärme, sondern von der Kalkulation und des Scharfsinns einer geübten Feilscherin; einer, die auf den größten Marktplätzen des Kontinents aufgewachsen war und sich nicht an den Ohren ziehen ließ. Der, dessen Namen sie nicht kannte, mochte vielleicht gut aussehen, aber deswegen würde sie es ihm nicht leichter machen.
Ohnehin hatte sie sich noch nicht entschieden, was sie mit ihm anstellen wollte. Seine Intention war sehr offensichtlich - so, wie er sie ansah und seine Worte versuchten, sie in eine Richtung zu lenken und zu gucken, wo sie beide landeten. Als er erzählte, dass er eine Art Reisender war, warf sie ihm einen Blick über die Schulter zu und verweilte so einen Moment. Ihre Lippen formten sich zu einem stummen ’Ah’, nachdem er den Wein und seine Herkunft ansprach, und ihr im Gegenzug ebenfalls eine Frage stellte. Noch so etwas, wo sie keine Gnade kannte. “Eine Art Reisender würde sich nicht einfach als Reisender beschreiben. Ihr seid…” Zum zweiten Mal an diesem Nachmittag glitt ihr Blick offensichtlich an ihm herunter und schließlich wieder hoch in sein Gesicht, wo sie verweilte. “... ein Händler, oder jemand, der lieber für jemand anderen gehalten möchte.” Reisender war keine Berufung; es war eine Lebenseinstellung, die Aurelia tatsächlich ein wenig beneidete. Dass sie während ihrer Musterung nach einem Ring an seinem Finger gesucht hatte, sprach sie dabei nicht an.
Ihr Blick suchte wieder die Weite des Meeres, für einen Moment, in dem sich ihre Nase leicht kräuselte. “Nein, aber ich habe viel von den Inseln gehört. Meine Familie macht keine Geschäfte dort. Lohnt sich nicht, wegen der Armut.” Eine leichte Brise wehte über den Strand und streifte durch den nassen Stoff, der schon gar nicht mehr so klebte, nur vermutlich voll mit Sand war. Mit einem Kopfnicken deutete sie in die Richtung, in die sie schließlich bewegte, ohne auf den Fremden zu warten - aber langsam genug, um ihm die Möglichkeit zu geben, ihr zu folgen.
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| Sommerland |
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| Alter |
44 |
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Prinz von Matariyya |
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Dharan al-Bahr |
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Verheiratet |
| User |
Pat |
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07-09-2025, 12:25 - Wörter:
Nun konnte man sich sicher ausgiebig streiten, wie zweideutig das mit den Perlen tatsächlich gemeint war und wer es inwiefern entfachte; aber er stimmte zu, dass es wohl reichte, über Perlen zu sprechen, immerhin kannten sie einander zwei Minuten und womöglich war das Wort 'kennen' dabei noch übertrieben. Er mochte Perlen ehrlicherweise nicht mal besonders, zumindest nicht jene, die sie zum Verkauf anbot, weshalb er letztlich eine geschickte Ausrede brauchte, um sie nicht oder erst später zu holen, bevor es sich lediglich zu einem spannenderen Verkaufsgespräch entwickeln sollte. Nadir sprach sie ehrlicherweise nicht an, weil er so fasziniert von dem war, was sie verkaufte. Und doch wäre es wohl äußerst ungeschickt, die Perlen, die sie dort soeben anbot, einfach auszuschlagen und zu schweigen. "Hm. Ich kam nicht nach King's Portal, um Perlen zu kaufen, zugegeben." , sprach er nachdenklich. "Zugleich kennt Ihr sicher das Sprichwort, dass die besten Geschäfte in Tavernen abgeschlossen werden." Das reichte ihm erstmal - ganz gleich, wie der Abend nun ausging. "Würden euch geschenkte Perlenohrringe imponieren?" Er fragte nicht zwangsläufig so, dass er darauf abzielte, sich zu überlegen, ob und was er ihr schenken könnte (wenngleich auch das nicht ausgeschlossen war); vielmehr schien er sich zumindest dafür zu interessieren, was Menschen mit Perlen herstellten und wie sie ankamen.
Sie war direkt, ja, sie ließ sich wohl wahrlich nichts vom Brot nehmen, was ihn herausforderte und imponierte. Sie war scharfsinnig, was das Gespräch und die Ziele durchaus ... reizvoller machte. Die Dame, die seine Intention wohl schon gänzlich durchschaute, und er, der wohl blöd wäre, sich eine womöglich bietende Möglichkeit abzulehnen, blieben jedoch im Gespräch. Immerhin verrieten ihre Augen schon im ersten Moment, dass sie seine Intention nicht gänzlich ablehnte. Und doch wollte sie gewiss mehr sein als eine leichte Eroberung. Und Nadir? Nun, der war faktisch nicht einmal abgelehnt davon, Anknüpfpunkte in der Hauptstadt zu haben, sexuell oder nicht.
Er schaute sie lange und kurzzeitig ernst an, dann verwandelten sich die Gesichtszüge jedoch in ein sanftes Lächeln. "Geschickt. Womöglich ist das ein Rätsel, das aufgedeckt werden möchte." Ob reicher Händler, entflohener Krimineller oder Prinz? "Dann seid ihr aber gewiss auch mehr als eine einfache Perlenhändlerin." Das ahnte er direkt, ihr Scharfsinn bewies es. Nichts gegen Perlenhändler, aber das wäre ihr zu einfach, vergeudete Talente und dergleichen. Immerhin schaute sie zwar unaufmerksam, aber doch auf seine Hände - und fand keine Ringe, da er diese verständlicherweise ablegte.
Der nächste Satz jedoch traf den Stolz des Mannes. Immerhin war er nicht ein einfacher Fischer, sondern der Prinz. Zugleich konnte er es nicht mal leugnen, Armut herrschte auch in Matariyya. "Vielleicht wussten sie einfach nicht mit den Menschen dort umzugehen." , gab er - ehrlicherweise - ernster, ja, ein wenig angegriffener zurück. "Gleiches jedoch hörte ich lange von der Hauptstadt. Es scheint mir jedoch, dass die Menschen vor Ort die überzeugendsten Zeugen sind und ich mir lieber ein eigenes Urteil bilde." Dann lächelte er - sanft, freundlich, nicht belehrend, sondern zeigend, dass er offen für andere, neue Erfahrungen war.
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| Aurelia Marsili |
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Wirtstochter, Sängerin, Informationshändlerin |
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21-09-2025, 09:50 - Wörter:
In Aurelias Züge, erst noch scharf von dem Geschäftslächeln, trat eine Form von Amüsement, die ihre Augen kurz leuchten ließ. “Bei Wein, Leib und Weib, so werden Geschäfte doch am liebsten geschlossen” , stimmte sie ihm zu und zum ersten Mal in ihrem Gespräch schien sie doch etwas von sich preiszugeben, als würden die abertausend funkelnden Sonnenstrahlen auf der Meeresoberfläche auch ihre Schale etwas aufbrechen. Sie war vertraut mit Tavernen, kannte deren Gesetzlosigkeiten unter dem Gesetz und die Prinzipien, wonach jeder Mann dort handelte. Wenn der Alkohol floss, perlten Erziehung und Anstand von ihnen ab und gaben ihre rohen, ungeschliffenen Primärtriebe preis, die im richtigen Licht, zum richtigen Augenblick zu den lukrativsten Geschäften führten.
Aurelias Nase steckte tiefer in Geschäften, die sie eigentlich nichts angingen, nur weil sie ihre Ohren zu den richtigen Momenten spitzte und wusste, wie sie sich diese Primärtriebe selbst zu nutzen machen konnte. So wie er jetzt schon fragte, ob ihr Perlenohrringe imponieren würden, konnte sie aus der Begegnung mit dem Fremden vielleicht auch mehr rausschlagen, als sie anfangs erwartet hatte. “Silber, wenn überhaupt. Ich hab genug Perlen zu Hause.”
Ob gelogen oder nicht, sie beide wussten ganz genau, womit sie es hier zutun hatten. Halbwahrheiten, die gerade genug preisgaben, um interessant zu bleiben oder eben weil man einem Fremden nur so viele Informationen anvertrauen wollte, die einen nicht verletzbar machte. Zugegeben, dieses Spiel reizte sie ein wenig, und die Aussicht darauf, sein kleines Geheimnis aus ihm rauszukitzeln, verleitete sie dazu, das Gespräch noch ein wenig in die Länge zu ziehen. Aurelia erwiderte den langen Blick unverblümt und labte sich an dem eigenen Kribbeln, das über ihren Nacken kroch, ehe sie spielerisch mit den Schultern zuckte. “Ich habe nie behauptet, dass ich eine Händlerin bin.” Die Genugtuung, mehr Informationen preiszugeben, tat sie nicht. “Vielleicht möchte auch dieses Rätsel aufgedeckt werden.” Gegen einen Preis vielleicht. Eine Gegenleistung. Noch hatte sie ihre Bedingung nicht genannt.
Es war fast drollig, wie der Patriotismus des Mannes begann, seine Worte zu formen und sie in eine Diskussion zu verwickeln, die wohl keinen Gewinner hatte - erst recht nicht mit einer Frau, die mehr der Diskussion wegen diskutierte als wirklich ihre Meinung zu vertreten. “Sicher, oder einfach nicht mit dem fehlenden Gold. Ich hab gehört, man tauscht dort mit Haushaltsgegenständen und Kleidung, weil keine Münzen im Umlauf sind…?” Aurelias Mundwinkel verzogen sich zu einem kleinen, verschmitzten Lächeln, als er auf ihre Stadt zu sprechen kam. “Und was habt Ihr Euch bisher für ein Urteil gebildet, Herr? Sind wir so egoistisch und fremdhassend, wie alle immer behaupten?” , fragte sie mit verschränkten Armen vor der Brust, während sie ihre Füße langsam über den Strand trugen. Er, der sich immer noch nicht vorgestellt hatte, schien ihrer Führung blind zu folgen, was ihr die Freiheit gab, das Tempo und die Richtung vorzugeben. Weg von den Felsen, hin zu dem Lärm der Straßen. Nur in King’s Portal schwollen die Stimmen so an, als würden sie von einer unsichtbaren Blase über den Dächern gehalten. Man konnte sich nur vorstellen, dass der Lärm selbst bis ganz nach oben in den Palast dringen musste - nicht dass Aurelia davon eine Ahnung hätte, hatte sie doch nie einen Fuß dort hineingesetzt. Dieses Chaos, ob es dem Fremden imponierte oder nicht, war ein Teil von ihr, und je näher sie den Mamortreppen kamen, desto mehr schien sie sich in den Lärm einzugliedern und mit den Menschen, die ihn verursachten, zu verschmelzen.
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| Sommerland |
| Nadir ben Sahid |
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| Alter |
44 |
| Beruf |
Prinz von Matariyya |
| Wohnort |
Dharan al-Bahr |
| Stand |
Verheiratet |
| User |
Pat |
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10-11-2025, 00:13 - Wörter:
Die junge Frau, dessen Namen er ja noch nicht einmal kannte, hatte eine Schärfe in ihrem Blick - etwas, was man dem weichen Blick Nadirs wohl eher nicht zusprechen würde. Diese Schärfe entfloh - wie so oft - mit dem richtigen Angebot. Und darin waren sie sich einig, wie 'Wein, Leib und Weib' am Ende des Tages doch gemeint sein mochte, wäre es wohl unhöflich zu sagen, dass das quasi ein Angebot war. Doch Aurelia verlor die Ernsthaftigkeit in diesem Moment und gewann ein gewisses Etwas an Euphorie. "Wundbar, das ist wohl eine Sprache, die wir gemeinsam sprechen!" , bestätigte er ihr Angebot und wusste letztlich immer noch nicht arg viel - bis auf die Tatsache, dass er heute um einige Perlen reicher werden würde. Aber es gefiel ihm: Sie war wohl alles andere als ein zart besaitetes Mädchen - sie kannte die gemeine Sprache gut und insofern stellte er sich vor, dass die gemeinsamen Verhandlungen ebenfalls ... zum Glück führten!
Die Intention des heutigen Abends schwebte so sehr über ihnen, wie sie es auch nicht taten. In den Straßen von Matariyya musste man wohl nicht allzu groß deuten, warum ein - zugegeben etwas älterer - Herr eine junge und attraktive Frau ansprach. Womöglich war das auch hier nicht anders, aber: Hier hatte der Prinz keinen Ruf; gerade war er nur ein Mann, der über Perlen sprach und sich auf einen Plausch einließ und dabei nichts dagegen hatte, diese Gespräche an anderen Orten fortzusetzen. "Oh, Silber. Ist notiert." So wie sie es tat - Erwartungen streuen - tat auch er es. Nadir wäre wohl durchaus der letzte, der daran geizen würde, ihr Silber zu schenken, aber er war lange genug im Geschäft des Umgarnens, dass wertvolle Geschenke unangenehm rüberkommen konnten, quasi ein Kauf oder Tausch von etwas, was selten das richtige Signal war. "Die Perlen möchte ich danach aber sehen." , sagte er und fügte - des Verständnisses wegen - hinzu: "Die Perlensammlung, mh?" Er lächelte sanft.
Was nicht zu leugnen war, dass ihr Gespräch etwas mit beiden tat. Es war ein Spielen, ein Necken - mal direkt, mal indirekt. Manchmal bildete er sich ein, Schwäche in den Augen der Frau zu sehen. "Nun, Ihr habt Perlen und habt mir sie angeboten ...", sagte Nadir nachdenklich. "... und ich überlege sie abzukaufen. Zunächst macht uns das zu Händlerin und Kunde." Weiter bohrte er nicht nach - bewusst nicht. Das Rätsel sollte, konnte und wollte geknackt werden, aber es war wohl alles ein wenig verzwickter und komplizierter, um es nun - hier und jetzt - herauszufinden.
Wahrscheinlich verriet er gerade mehr über sich, als er wollte. Subtil genug, um Aurelia in einigen Tagen wach werden zu lassen und sich zu fragen, wer denn wirklich sein eigenes Land verteidigte. Klar, Patriotismus fand man in allen Schichten, aber glaubte, dass er ihr quasi - indirekt - deutlich machte, mti welchem Wasser er so gebadet wird. Und so stoppte er sich, überlegte und wollte die politische Diskussion abwenden. "Nun, was meint Ihr, wofür ich Perlen brauche?" , witzelte er nun fast schon etwas sarkastisch. "Sonst erscheine ich bei meinem nächsten Besuch mit noch weniger Stoff an meinem Körper hier in der Hauptstadt."
Er folgte ihr, ließ sich führen und genoss es. Sie kannten einander nicht und doch warfen sie quasi ständig Brotkrümel herum, die der andere schnell aufpickte. Das Rauschen des Meer wurde leiser, der Lärm der Stadt - den er manchmal dirchaus genoss - wurde lauter. "Nun, Ihr führt mich gerade durch die Stadt, bereit, Geschäfte mit mir zu machen und eine Taverne aufzusuchen. Das ist mehr Gastfreundlichkeit als erwartet!" Auch das hatte eine gewisse Ironie in sich, irgendwo aber auch nicht. "Und Euer Urteil? Passe ich Eurer Meinung nach nach Matariyya?"
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