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Nothing burns like the cold.
12.10.1016 - 10:00
Wälder

Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#1
Gemächlichen Schrittes trottete Thorin dahin – denn anders ließ sich der Gang des alten Wallachs kaum noch beschreiben. Seine Hufe setzten bedächtig auf dem vom Laub gedämpften Boden auf, während die Wintersonne blass durch die Bäume zwischen Wintergard und Wolfsmark fiel. Ein zufriedenes Schnauben, ein treuer Blick über die Schulter – und Erik musste einmal mehr einsehen, dass dies wohl eine der letzten Reisen des alten Braunen war.
Für den Krieg, der unausweichlich am Horizont lauerte, würde er ein neues Pferd brauchen. Nicht, weil er an Thorins treuem Herzen zweifelte – nie –, sondern weil die Reise, die kommen würde, mehr fordern würde, als der alte Körper des Tieres noch hergab. Und Erik wusste, mit schmerzlicher Klarheit, dass er auf einem steifen Rücken in einer Schlacht vielleicht nicht nur das Tier, sondern auch sein eigenes Leben verlieren könnte.

Trotzdem hing er an ihm – an diesem Pferd, das ihn als Kind getragen hatte, das seine Ungeduld, seinen Übermut, seine Arroganz ertragen hatte wie einen zu schweren Sattel. Thorin war kein Tier, das man einfach ersetzte.

Und so keimte in ihm ein stiller Wunsch: Dass sein eigenes Kind, wenn es so weit war, auf diesem Wallach reiten lernen würde. Denn es gab kein besseres Pferd als Thorin. Nicht für den Anfang. Nicht für ein Herz, das Vertrauen lernen musste.
Sanft legte Erik die Hand auf den Hals des alten Wallachs, tätschelte ihn im Rhythmus eines stummen Dankes. Thorins Ohren zuckten, hoben sich aufmerksam – der alte Braune hatte den anderen längst bemerkt, noch bevor Erik ihn richtig sehen konnte.
Ein prächtiger Hengst näherte sich in gemessenem Tempo, der Atem dampfte in der kalten Morgenluft. Auf seinem Rücken saß Veith, wie gewohnt gerade im Sattel, die Haltung ruhig, aber wachsam – ein Winterländer durch und durch.

Die beiden Männer trafen sich auf halbem Weg zwischen Wald und Hügelland, wo sich die Bäume lichteten und die kalte Luft offen über das Land strich. Erik spürte ein kurzes Ziehen in der Brust, nicht vom Ritt, sondern von dem, was hinter ihm lag: der Streit mit Leif, bitter und voller unausgesprochener Dinge. Sie waren beide stur.

Er war froh, Veith zu sehen. Froh, heute mit jemandem unterwegs zu sein, der weder sein bester Freund noch Teil seines Blutes war. Einfach ein anderer Winterländer – schweigsam, zuverlässig, ohne das Gewicht alter Geschichten. Ein breites Grinsen legte sich über Eriks Gesicht – eines dieser typischen, das mehr verschmitzte Wärme als echten Frohsinn trug, aber dennoch ehrlich war. Er zügelte Thorin, als Veith nahe genug war, das Knirschen der Hufe im Schnee nur noch leise zwischen ihnen. "Schön, dich mal wieder zu sehen", rief Erik, die Stimme rau vom Wind, aber unverkennbar erfreut. "Gefühlt ist’s eine Ewigkeit her..." Vielleicht lag das an der Entfernung – der Weg zwischen Wintergard und Wolfsmark war beschwerlich genug, besonders wenn der Winter begann sich richtig zu entfalten – oder einfach daran, dass das Leben sie immer wieder in unterschiedliche Richtungen zog. Beide trugen Verantwortung, Verpflichtungen.. wie das nun einmal so war.

"Ich hoffe, du hattest eine komfortable Anreise", setzte Erik an, während sein Blick kurz über Veiths Hengst glitt – kräftig gebaut, mit wachem Blick. Ein schönes Tier, Thorin legte die ergrauten Ohren leicht zurück.
Ein spitzes Lächeln stahl sich auf seine Lippen, halb gespielt, halb ernst. "Wobei – für unsereins ist’s ja schon Komfort, wenn der Sattel nicht einfriert und einem das Pferd nicht beißt." Sein Ton war leicht, fast schelmisch und nicht sonderlich ernst, aber dahinter schwang eine aufrichtige Freude mit.
[Bild: Erik_Signatur_01.png]
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Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#2
Der Atem seines Hengstes stand in dichten Schwaden in der frostklaren Luft, während Veith durch den lichten Rand des Waldes ritt. Unter den Hufen knackte gefrorener Boden, vermischt mit dem dumpfen Rascheln abgestorbener Äste. Der Wind war scharf, schlich unter den Kragen und biss in die Haut, doch er kam ihm gelegen, wie ein Schlag, der wach hielt und den Kopf klärte. Er hätte sich auf das Treffen mit Erik konzentrieren sollen. Doch stattdessen kreisten seine Gedanken um seine jüngste Schwester. Noch ein Streit, noch eine Tür, die zu laut ins Schloss gefallen war. Sie begriff es einfach nicht, sah in seiner Fürsorge sogar einen Käfig, in seinen Entscheidungen nur Verrat. Dabei wollte er sie einfach sicher wissen, fort von Schwertern, dem Kriegslärm und dem ganzen Blut. Das Leben einer Kriegerin war kein Spiel. Nicht eine der Geschichten, die sie als Kind mit leuchtenden Augen verschlungen hatte und ihn danach anbettelte, sie mit ihr nachzuspielen, als wären Schwerter aus Holz Schutz genug gegen die Wirklichkeit. Wenn es bedeutete, dass sie sich einem Ehemann unterordnen musste, dann war das in seinen Augen ein kleiner Preis für Schutz und ein sicheres Dach.
Außerdem hatte er nicht um diese Verantwortung gebeten. Nicht darum, das Haupt der Familie zu sein. Doch seit sein Vater bei jenem verfluchten Ritt vom Pferd gestürzt war und nur noch ein Schatten seiner selbst blieb, lag die Bürde auf Veiths Schultern und mit jeder Entscheidung wuchs sie schwerer.

Als das letzte Geäst sich lichtete und der Wald hinter ihm zurückblieb, öffnete sich die Landschaft vor ihm. Das Gelände weitete sich zu einer flachen, frostüberzogenen Ebene, über die der Wind ungehindert hinwegstrich. Dort, wo sich das Hügelland sanft an die Ausläufer des Waldes schmiegte, zeichnete sich eine Bewegung ab.
Es war Erik.
Veith straffte unwillkürlich die Schultern, richtete sich im Sattel auf, als müsse er die Schwere seiner Gedanken abstreifen, ehe sie ihn zu tief hinabzogen. Die vertraute Silhouette ließ seine Miene weicher werden, zumindest so weich, wie es seine Züge zuließen. Er hatte Erik und Leif vor einigen Jahren in einer Taverne kennengelernt, an einem Abend, der in seiner Erinnerung noch immer nach kühlem Bier roch und nach Geschichten klang, die Männer nur erzählen, wenn sie glauben, dass niemand wirklich zuhört. Veith hatte zugehört und irgendwann begonnen, zu sprechen. Er war nicht der geselligste Vertreter ihrer Runde und doch, wenn man ihn näher kennen lernte, so erkannte man einen Mann, dessen Worte sorgsam gewählt waren. Er war kein Freund großer Gesten, aber einer, auf den man zählen konnte, wenn es darauf ankam. Es mochte dauern, bis man sein Vertrauen gewann, doch wer es hatte, wusste, was es wert war. Leif und Erik verband eine gemeinsame Vergangenheit aus Blut, Entbehrung und Kälte. Er selbst war keiner von ihnen. Kein Bruder im Stahl, keiner, der mit ihnen die Einöde überlebt hatte und doch hatten sie ihn aufgenommen, wie man einen alten Freund an seinen Tisch bittet.

Veith hatte sich über Eriks Einladung zur Jagd gefreut, mehr, als er es je zugeben würde. Denn hier draußen, zwischen Schnee, Kälte und dem Nebel ihrer Atemzüge, schienen die Sorgen daheim fern und genau das war es, was der Krieger nun benötigte. Ablenkung. Ruhe und die Gewissheit, keine Ansprüche erfüllen zu müssen. „Es ist eine Ewigkeit her“, gestand Veith dann, jedoch ganz ohne Vorwürfe. Sie beide führten fordernde Leben und da war es kein Wunder, dass sich die Wege seltener kreuzten, als es ihnen lieb war. Doch das Hier und Jetzt zählte. „Ich bin nicht hier wegen der Annehmlichkeiten“, erwiderte Veith mit einem leichten Schmunzeln. „Sag, gibt es denn eine besondere Jagdtrophäe, auf die du es abgesehen hast?“ Für Veith war das Töten keine Lust, sondern eine Notwendigkeit, um seine Familie zu versorgen. Doch gegen Männer, die aus Stolz oder Ehre nach einer Trophäe jagten, hatte er nichts einzuwenden. Jeder suchte seinen eigenen Grund, den Wald zu betreten.
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#3
"Und eine Ewigkeit habe ich dein ernstes Gesicht vermisst", erwiderte Erik mit einem leichten Kopfschütteln auf Veiths Bemerkung. Veith war wohl genau das, was die anderen Königreiche sich unter einem echten Winterländer vorstellten: Helles Haar, mürrischer Ausdruck, wortkarg und wetterfest. Doch Erik mochte ihn. Mochte die klaren, einfachen Linien dieses Mannes, das ruhige, unaufdringliche Wesen, das er selbst nie für sich beanspruchen konnte. Sie waren wie Tag und Nacht – und Erik war ohne Zweifel der strahlende Tag, während Veith die stille, dunkle Nacht war. Kein Wunder, dass die Frauen ihn faszinierend fanden.

"Das ist ganz wunderbar. Annehmlichkeiten können wir uns demnächst wieder bei mir Zuhause gönnen – es wird sicher bald wieder einen Grund zum Feiern geben." Die Fürsten – oder besser: der Prinz von Wolfsmark – verstanden es bekanntermaßen, wie man Feste nahm. Mit Glanz, Übermut und einem Schuss zu viel Wein.
"Wenn der Krieg erst gewonnen oder verloren ist, bleibt am Ende doch nur die Gesellschaft der eigenen Familie wirklich von Interesse." Erik lächelte, doch seine Worte trugen Gewicht. Er nahm den Krieg ernst, so sehr wie es seine Natur zuließ. Augusto war ein Gegner, den man nicht unterschätzen durfte – auch wenn viele Winterländer ihn längst abgeschrieben hatten. Erik allerdings war nicht mehr der Unbekümmerte, der er noch vor einem Jahr gewesen war.
Nicht seitdem seine Frau ein Kind unter dem Herzen trug. Seither war da ein leiser Wandel in ihm. Keine Angst – aber vielleicht Besonnenheit. Eine neue Verantwortung, die mit ihm ging, leise, stetig, unausgesprochen.

"Nun, ich würde gerne ein Wildschwein erlegen. Die letzten Tage hatte ich kein Glück, aber so ein Tier gibt eine stattliche Mahlzeit ab – und die Hauer habe ich meiner Frau versprochen." Erik hielt kurz inne, beugte sich ein Stück näher zu Veith hinüber.
"Weil sie doch mein Wildschweinchen ist", flüsterte er verschwörerisch, als könnte Reinka jeden Moment aus dem nächsten Busch springen und ihn vom Pferd stoßen.
[Bild: Erik_Signatur_01.png]
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Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#4
„Das kann ich von dir nicht behaupten“, entgegnete Veith trocken auf Eriks Bemerkung, er habe sein ernstes Gesicht vermisst. Doch das kaum wahrnehmbare Zucken an seinen Mundwinkeln ließ erahnen, dass seine Worte nicht der Wahrheit entsprachen. Es war ein Eingeständnis, wie sehr ihn das Wiedersehen freute, verborgen hinter seiner gewohnt kargen Miene und den knappen Worten. Die Freude darüber, dass sie sich nicht bloß zufällig in einer dunklen Taverne begegneten, sondern Seite an Seite durch Kälte und Schnee auf die Jagd gingen, wärmte ihn mehr, als er zugeben würde. Erik war in vielerlei Hinsicht Veiths Gegenbild: offen, mit losem Mundwerk und einem Lachen, das selbst den trübsten Wintertag aufhellen konnte. Einer, der Geschichten nicht nur erzählte, sondern sie lebte, als gehörten sie ganz selbstverständlich zu seinem Wesen. Veith dagegen war schweigsam, bedächtig. Er wog seine Worte ab und selbst sein Humor zeigte sich eher zwischen den Zeilen als auf der Zunge. Trotzdem verband die beiden Männer eine Freundschaft, die auf Respekt, Vertrauen und der gemeinsamen Erkenntnis fußte, dass das Leben selten Gnade kannte.

„Als ob du je einen Grund gebraucht hättest, um ein Fest auszurichten“, erwiderte Veith mit einem Anflug von Spott in der Stimme, während er sein Pferd so lenkte, dass es schließlich neben Thorin zu stehen kam. „Sag mir, täusche ich mich oder glaubst du wirklich, dass wir diesen Krieg verlieren könnten?“ Er warf Erik einen Seitenblick zu. „Lass das besser nicht Leif hören. Er könnte es dir übelnehmen.“ Doch trotz der scherzhaften Worte lag ein anderer Ton in Veiths Stimme. Einer, der erkennen ließ, dass er die Gefahr durchaus ernst nahm. Ihm war nur allzu bewusst, dass kein Banner, kein mutiger Schwur und kein noch so gut geschmiedetes Schwert allein eine Schlacht gewannen. Eriks Worte besaßen Weitsicht und das war Veith weitaus lieber, als das laute Kriegsgeschrei jener, die keine Vorstellung davon hatten, was eine Feldschlacht wirklich bedeutete und welche Verluste sie mit sich bringen konnte.

Manchmal, wenn Erik von seiner Familie sprach oder von seinem Zuhause, verspürte Veith eine leise Unruhe. Nicht Neid, aber ein Nachdenken darüber, wie anders sein eigenes Leben verlaufen war. Auch er trug Verantwortung: für seine Schwestern, seine Mutter und den Vater, der nach einem schweren Sturz vom Pferd nie wieder derselbe gewesen war. Die Verletzung am Kopf hatte seine Persönlichkeit zersetzt. Seitdem lebte er mehr in seiner eigenen Welt als in der Realität, schwankend zwischen Verwirrung, Stille und Ausbrüchen, die niemand mehr richtig einordnen konnte. Veith hatte früh lernen müssen, sich zurechtzufinden. Während seine Freunde noch unbeschwert waren, hatte er längst begonnen, Entscheidungen zu treffen, die kein Junge treffen sollte. Diese Jahre hatten ihn geprägt. Sie hatten ihn stiller gemacht, vorsichtiger, vielleicht auch etwas härter. Manchmal fragte er sich, wie es wäre, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen Teil dieser Verantwortung mit ihm teilte. Jemanden, der verstand, ohne dass er viel erklären musste. Doch dieser Gedanke blieb stets vage und zu weit entfernt, um ihn ernsthaft zu verfolgen.

Ein paar Krähen erhoben sich kreischend aus einem kahlen Strauch weiter vorn. Veiths Hand lag automatisch am Knauf seines Schwertes, obwohl keine Gefahr lauerte. Alte Reflexe. „Wenn du und deine Frau Gefallen an solchen Spitznamen findet, sei es drum“, merkte Veith an und dieses Mal zeichnete sich deutlich ein spöttisches Lächeln auf seinen Gesichtszügen ab. „Lass uns nach Spuren suchen. Wenn wir Glück haben, erlegen wir das Schwein noch vor Einbruch der Dunkelheit und falls nicht...“, er zuckte mit den Schultern. „...dann wird es wenigsten ein Tag gewesen sein, an dem keiner etwas von uns wollte. Das allein ist Grund genug, hier draußen zu sein.“
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#5
Erik schnaubte gespielt beleidigt und ließ sich entspannt in den alten, abgegriffenen Sattel zurücksinken. "Das kannst du dir ruhig weiter einreden, Veith. Aber ich weiß, wie es wirklich um deine Gefühle steht", sagte der Norrholm mit einer Selbstsicherheit, die im Winterland vermutlich als eigene Form der Unverschämtheit galt. Ein breites Grinsen spielte um seine Lippen – spöttisch, aber voller Wärme.

"Da hast du Recht. Ich finde schon einen Grund, ein Fest auszurichten – und sei es nur, um den Erfinder des Mets zu ehren", erwiderte Erik mit einem schelmischen Grinsen und klopfte seinem alten Wallach freundlich den Hals. Tatsächlich brauchte Erik nicht viel Überlegung, um eine Feier ins Leben zu rufen – sehr zum Leidwesen seines Vaters. Oder, wenn man ehrlich war, seiner ganzen Familie. Aber gut – für irgendetwas musste er schließlich bekannt sein, wenn schon nicht, wie Leif gern sagte, für seine Verschwiegenheit. Doch bevor Erik sich allzu sehr über die Sticheleien seines Kronprinzen ärgern konnte, lenkte Veith ihn bereits wieder ab.
Der Krieg war ein Thema, dessen Ausgang der Norrholm weder voraussehen konnte, noch wollte er sich der Versuchung hingeben, zu große Hoffnungen zu hegen. Sie hatten Augusto zweifellos erzürnt – und auch wenn die Winterländer als harte Krieger galten und der letzte Sieg noch in ihren Knochen nachhallte, blieb in Erik, dem künftigen Fürsten von Wolfsmark, eine leise, nagende Stimme des Zweifels zurück.
Etwas, das ihm früher nicht zu Gesicht gestanden hätte. Doch seit er eine Frau hatte – und diese dazu noch sein Kind unter dem Herzen trug – begann sich die Welt zu verschieben. Wo er einst mit Inbrunst der nächsten Schlacht entgegengefiebert hatte, wuchs nun der Wunsch, sich auf der Wolfsburg zu verkriechen. Fernab vom Geschehen, fernab der Verantwortung. Leif sollte diesen Weg ohne ihn gehen. Doch natürlich würde er sich dieser Pflicht nicht entziehen.
"Ich denke, wir täten gut daran, Castandor nicht zu unterschätzen", sagte Erik schließlich, seine Stimme ruhiger, fast nachdenklich. Dabei verzog er leicht das Gesicht. "Leif wäre ein Narr, wenn er es täte", fügte er hinzu und zuckte mit den Schultern, als wolle er die Schwere der Worte von sich abstreifen.

Nickend trieb Erik den alten Wallach an, der sich mit gemächlichen Schritten in Bewegung setzte. Seite an Seite stapfte er neben Veiths Hengst durch den Schnee, das leise Knirschen unter den Hufen ihr einziger Begleiter.
Ob Veith ahnte, wie sehr er dem Norrholm aus der Seele sprach? Vermutlich nicht. Für die meisten war Erik der leichtsinnige Trunkenbold, der sich kaum Gedanken um die Welt oder Verantwortung machte. Und zu einem gewissen Teil hatten sie damit wohl recht.
Doch gleichzeitig zerrten zu viele Menschen an ihm – Erwartungen, Pflichten, Sorgen. All das riss an der Fassade aus dümmlicher Wagehalsigkeit, die er sich so sorgfältig errichtet hatte. Und langsam begann sie zu bröckeln. "Das ist der einzige Grund, warum ich so oft wie möglich hier draußen bin", gestand der Blonde mit einem schiefen Grinsen, das seine Lippen zierte, jedoch nicht ganz das Blau seiner Augen erreichte – Augen, die heute wie ferne Gewitterwolken wirkten. "Wie geht es deiner Familie?" Erik warf die Frage scheinbar beiläufig in den Raum, doch sein Blick verriet, dass ihn die Antwort durchaus interessierte. Er wusste um den Hof, wusste, dass Veiths Vater nicht mehr ganz bei Kräften war – aber er hatte nie wirklich tiefer nachgefragt.
Einen Moment lang musterte er den Älteren aus dem Augenwinkel, ehe sein Blick wieder nach vorn glitt, nach Spuren suchend.
[Bild: Erik_Signatur_01.png]
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Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#6
„Dann wärst du wohl der Erste, der das behauptet“, entgegnete Veith mit jener unbewegten Miene, die ihn seit jeher begleitete, einem Gesicht, das oft weder Freude noch Zorn offen zeigte und das man in Wintergard längst mit Zurückhaltung und kühler Vernunft verband. Während andere in Norsteading rasch mit lautem Wort und schnellen Fäusten reagierten, galt Veith als einer, der meist zuerst nachdachte. Selbst in ihrem kleinen Freundeskreis, bestehend aus Leif, Erik, Halger, Kjell und ihm, war er der Stillste. Der Beobachter am Rand des Feuers, der selten lachte und noch seltener sprach, es sei denn, seine Worte waren notwendig. Manch einer hielt ihn für langweilig, weil er sich selten dem hingab, was andere begeisterte: Bier, Weib und rauschende Gelage. Der Prinz von Wolfsmark war dagegen laut, schlagfertig und oft derb in seinem Humor, doch dabei nie ohne Charme. Seine Worte trafen schneller als ein Pfeil im Flug, und meist ebenso zielsicher. Veith hätte sich selbst belogen, wollte er behaupten, dass ihm Eriks Art missfiel. Im Gegenteil, es war etwas an jener ungestümen Lebensfreude, die ihm selbst fehlte.

„War das nicht der Anlass für dein vorletztes Gelage?“ fragte Veith trocken nach, ohne den Blick vom Weg vor ihnen zu wenden. Sein Hengst schnaubte leise, als wolle er seinem Reiter bedeuten, dass es an der Zeit sei, weiterzuziehen. Mit einer ruhigen Handbewegung und einem kurzen Klopfen auf den muskulösen Hals des dunkelgrauen Tiers brachte Veith ihn zum Schweigen. „Wobei der eigentliche Grund für die meisten Gäste ohnehin kaum von Bedeutung war“, fügte er mit jenem kühlen Unterton hinzu, der oft zwischen Spott und Gleichgültigkeit schwebte. Erik kannte ihn jedoch gut genug, um zu wissen, dass in Veiths Worten kein Urteil lag.
Auf Eriks Einschätzung zum bevorstehenden Krieg schwieg Veith zunächst nur, während er seinen Blick über das verschneite Land streifen ließ. „Du hast recht, Leif ist kein Narr“, sagte der Silberhaarige schließlich, seine Stimme ruhig und etwas nachdenklich. „Aber Sturheit hat schon vielen Männern zuvor den Kopf gekostet. Lass uns hoffen, dass ihm das nicht entgangen ist.“ Leif war klug, vorausschauend und ehrgeizig, alles Eigenschaften, wie sie einem fähigen Kommandanten gebührten. Veith konnte nur hoffen, dass eben jene Entschlossenheit, die er so sehr an ihrem Prinzen schätzte, ihm in den kommenden Wochen nicht zum Verhängnis würde.

Für einen Moment herrschte Stille, nur das Knirschen der Hufe und das leise, beständige Atmen ihrer Pferde erfüllte die Luft. Erst als das Gespräch auf die geplante Jagdtrophäe kam und darauf, dass Erik es tatsächlich auf ein Wildschwein abgesehen hatte, richtete Veith kurz den Blick zu seinem Freund. Er hatte mit nichts anderem gerechnet und, so sehr er es sich selbst auch selten eingestand, freute er sich auf das gemeinsame Unterfangen. Er ließ ein trockenes Schnauben hören, als Erik ihn nach seiner Familie fragte. „Nun, mein Vater spricht inzwischen öfter mit den Geistern seiner Jugend als mit uns. Den Rest der Zeit verbringe ich in einem Haus mit drei erwachsenen Frauen, die alle fest entschlossen sind, mir das Leben schwer zu machen.“ Er zog die Brauen leicht hoch, sah dabei aber wieder nach vorne. „Ich bin also heilfroh, wenn ich die Gelegenheit habe, mit dir und meinem störrischen Pferd durch den Schnee zu stapfen, anstatt mir daheim anhören zu müssen, ob das Dach neu gedeckt gehört, die Frau vom Nachbarn nicht schon wieder mit fremden Männern tratscht oder ob es nicht endlich an der Zeit wäre, mir ein Eheweib zu nehmen.“ Einen Moment schwieg er, dann fügte er jedoch besser gelaunt hinzu: „Aber sie sind wohlauf und das ist, was zählt.“
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#7
Erik grinste schief bei Veiths Bemerkung und zuckte betont lässig mit den Schultern. "Tja, das liegt wohl an unserem besonderen Band, Veith. Ich bin vermutlich der Einzige, der das mit gutem Gewissen behaupten darf." Er tippte sich mit zwei Fingern auf die Brust – dorthin, wo sein Herz schlug – und legte dabei einen dramatischen Tonfall an den Tag, der so übertrieben war, dass man ihm fast eine Bühne hätte bauen müssen. "Hier drin wohnen große Gefühle. Und ein bisschen Arroganz. Aber vor allem Gefühle.", für einen Augenblick hielt er die Fassade, ehe er erheitert auflachte.

Veiths unterkühlte Art stand in direktem Kontrast zu Eriks Wärme. Und doch wusste Erik, wie er den Älteren zu nehmen hatte – vielleicht lag genau darin die Magie: dass sie sich ergänzten, statt sich ständig zu missverstehen. Eriks Energie hätte leicht abstoßend wirken können – zu laut, zu direkt. Aber Veith begegnete seinen Ausbrüchen mit einer geschmeidigen Gelassenheit. Wie ein großer Bruder, den der zukünftige Fürst von Wolfsmark nie gehabt hatte.
"Im Grunde kann man dem Erschaffer des Mets gar nicht oft genug ein Fest widmen", scherzte der Norrholm mit einem breiten Grinsen. Auch wenn das Gespräch auf Leif fiel, ließ Erik sich die Laune nicht verderben. Leif war nicht nur sein Waffenbruder – er war auch sein zukünftiger König. Und ganz gleich, was zwischen ihnen stand: Erik war ihm und dem Winterland loyal gegenüber. Ohne Wenn und Aber.

"Oder, dass seine Berater überhaupt zu ihm durchdringen, wenn er glaubt, vorpreschen zu müssen", entgegnete Veith trocken. Denn bei allem Trotz, bei allem Stolz und der Überzeugung, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, blieben sie eines: unerfahren im Krieg. Es hatte nie wirklich Krieg gegeben. Keine Belagerung, keine Frontlinie, kein monatelanges Sterben auf blutgetränktem Boden. Ihre Vergangenheit – ob die Reise in die Einöde oder all die kleineren "Schlachten", die sie geschlagen hatten (hauptsächlich an irgendwelchen Fessern) – bot keine Vorbereitung auf das, was kommen konnte. Niemand wusste, was ein Krieg verändern würde. Wen er verändern würde. Welche Ordnung danach herrschte. Sicher, man hätte Geschichten darüber finden können. In alten Chroniken, vergilbten Büchern. Doch Erik hatte sich noch nie für alte Geschichten interessiert. "Machst du dir Sorgen?"

Dass ihm seine Schwestern das Leben schwer machten, konnte sich Erik nur zu gut vorstellen. "Ich erinnere mich noch sehr bildlich an eine Ohrfeige von Thyra, weil ich voll wie eine Natter durch euren Zaun gestürzt bin." Er schnaubte amüsiert. "Meine Wange brennt heute noch, wenn Thyra mir begegnet." Sein Blick wanderte zu Veith, das Grinsen blieb. Damals war er ein paar Jahre jünger gewesen – und nach der Schelle hatte er sich gedacht, dass er diese Frau wohl heiraten müsse. Irgendwie hatte ihn ihre ehrliche Abneigung angemacht. Aber wie man wohl sah, hat es nie sein sollen.
"Also wie kannst du dich denn nicht dafür interessieren, dass die Frau vom Nachbarn mit fremden Kerlen shakert?" Erik tat völlig verständnislos, als wäre das die bedeutendste aller Nachrichten – obwohl er Veiths Kummer durchaus verstand. Zum Glück war Reinka kein Tratschweib. Aber wenn sie es wäre, würde Erik – folgsam, wie er nun mal war – auch das über sich ergehen lassen. Mit einem schiefen Grinsen schüttelte er den Kopf, klopfte Veith dann aber mitfühlend auf die Schulter. Ein stummes: Ich versteh dich. Auch wenn ich's anders verpacke.

"Ohne in die gleiche Kerbe wie deine Schwestern schlagen zu wollen – ich war selbst kein großer Freund der Heirat", begann Erik und wandte den Blick ab, während seine Augen den Waldboden absuchten. "Aber wenn es die richtige Frau ist, wird alles ein bisschen leichter. Egal, was kommt." Er machte eine kurze Pause. "Reinka ist meine beste Freundin. Es gibt niemanden, dem ich mehr vertraue." Natürlich stritten sie sich. Natürlich gab es Reibereien – wie in jeder Ehe. Aber Erik glaubte nicht daran, dass sie je an einen Punkt kämen, an dem sie sich nichts mehr verzeihen könnten. Wenn es brannte, dann würden sie es gemeinsam löschen. Er konnte mit Reinka alles schaffen. Und er würde es auch. "Es geht um mehr als nur den Fortbestand eines Namens. Oder all das Gerede über freien Sex, Hilfe im Haushalt, was die Leute ständig von sich geben." Erik schnaubte leise. "Da ist ein Mensch, der deine Sorgen mit dir trägt. Deine Verantwortung. Und du seine.", Erik hielt einen Moment inne, dann schlug er Veith gegen die Schulter, der Ernst verflog aus seinem Gesicht. "Also das Konzept ist nicht schlecht, aber wie gesagt, nur mit der Richtigen. Vermutlich würdest du sie daran erkennen, dass sie sich von deinem schlechtgelaunten Gesicht nicht übermäßig beeindrucken lässt."
[Bild: Erik_Signatur_01.png]
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Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
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#8
Veith widerstand dem Drang, die Augen gen Himmel zu verdrehen. Er mochte Erik. Sehr sogar. Die Dynamik zwischen ihnen war eine besondere, nicht aus jahrelanger Freundschaft erwachsen wie bei Leif und Erik, sondern entstanden aus dem reizvollen Gegensatz ihrer Persönlichkeiten. Sie waren grundverschieden und funktionierten gerade deshalb so gut zusammen. Wo Erik stets ein wenig zu laut, zu impulsiv und zu ungestüm war, zeigte sich Veith als das Gegenstück: zurückhaltend, überlegt und nicht selten mit einem Anflug von grimmigem Ernst in seinen Worten. Trotzdem verstanden sie sich. Erik kam erstaunlich gut mit Veiths knappen Kommentaren und seiner trockenen Art zurecht, besonders, wenn es darum ging, sich gegenseitig auf die Schippe zu nehmen. Beide Männer wussten um die stille Achtung, die sie füreinander empfanden und genau das machte ihre Freundschaft tragfähig. „Wenn du deine Gefühle einen Moment für dich behalten würdest, könnten wir vielleicht endlich mit der Jagd beginnen“, entgegnete Veith trocken auf Eriks Anflug von gespielter Sentimentalität und wandte den Blick bereits suchend dem Boden zu, auf der Suche nach einer Fährte.

Feiern, das konnte der Nordländer an seiner Seite. Der Silberhaarige war bereits auf einigen seiner Feste gewesen, und eines musste man Erik lassen, er verstand es, ausgiebig und mit Hingabe die Feierlichkeiten zu begehen. Dabei scheute er sich nicht, selbst den fadenscheinigsten Anlass zum Fest zu erklären, wenn es gerade passte. Im Grunde wusste wohl jeder in Wolfsmark, dass ihr Prinz keine große Rechtfertigung brauchte, er liebte das gesellige Miteinander und es war ihm herzlich gleich, ob er mit einem Bauern anstieß oder mit einem Adligen aus gutem Hause, Hauptsache, die Krüge waren voll und das Lachen laut. Veith selbst war kein Mann großer Reden oder wilder Gelage. Wenn er mittrank, dann meist mit Maß. Die ausgelassene Stimmung war ihm oft zu laut, zu raumgreifend und dennoch war es schwer, sich der Lebensfreude Eriks ganz zu entziehen. Manchmal, nur manchmal, ließ selbst er sich mitziehen, zumindest für einen Abend.

Als das Gespräch auf den nahenden Krieg kam, veränderte sich die Atmosphäre spürbar. Für einen Moment wich die Leichtigkeit einem stillen Ernst, der sich zwischen die Worte legte. Auch das war eine Seite von Erik, die Veith besonders schätzte. Wo eben noch ein Lächeln lag, war nun Wachsamkeit, Verantwortungsbewusstsein. Kein gespielter Wechsel, kein Zögern, sondern echtes Gespür für den Moment. „Ich mache mir durchaus Sorgen“, gestand Veith schließlich offen - etwas, das für einen Nordländer eher untypisch war. Viele Männer hier sprachen vom Krieg, als sei der Sieg bereits beschlossene Sache und eines musste man den Bewohnern von Norsteading lassen, sie waren zäh, mutig und kampferprobt. Doch all das änderte nichts an der Tatsache, dass sie noch nie einen echten Krieg erlebt hatten, zumindest nicht in dieser Größenordnung, nicht mit einem Gegner, der strategisch vorging und auf mehr setzte als bloße Stärke. Es fehlte an Erfahrung, an Taktik, an der ruhigen Einschätzung eines Gefechts. Mit bloßem Mut und lautem Kampfgeschrei war hier nichts zu gewinnen. „Es wird nicht reichen, einfach nur mit erhobenem Schwert loszustürmen“, fügte er hinzu, der Blick ruhig, aber fest nach vorn gerichtet. „Wir haben noch nie einen echten Krieg geführt. Wir kennen keine Taktiken, keine Strategien, kein koordiniertes Vorgehen. Wenn wir den Gegner unterschätzen, weil wir glauben, unser Mut allein sei genug, dann werden wir teuer dafür bezahlen.“

Zum Glück wechselte das Thema bald, und die Heiterkeit kehrte zurück in ihr Gespräch, als Erik von seiner Begegnung mit Thyra berichtete. Die älteste Schwester der Familie Alvarsson konnte mitunter recht herrisch wirken. Sie ließ sich nichts gefallen, verteidigte unbeirrt ihre Überzeugungen und wusste genau, wie sie für sich selbst einstehen musste. Dazu war sie von beeindruckender Schönheit. Doch ihre störrische Art und ihr bissiger Ton hatten so manche Aussicht auf eine Heirat stets zunichtegemacht.
Nun fristete sie ihr Dasein als „alte Jungfer“ unter dem Dach ihrer Eltern, ganz abhängig davon, dass Veith sie später nicht vor die Tür setzte. Das war leider das Risiko unverheirateter Frauen - auf die Unterstützung und Fürsorge ihrer Familie angewiesen zu sein, ohne selbst die Zügel in der Hand zu haben. Gerade deshalb wollte Veith Ylva so bald wie möglich verheiratet wissen, um ihr dieses Schicksal zu ersparen.

Als das Thema Heirat jedoch auf ihn gelenkt wurde, verdunkelte sich Veiths Miene. Für einen kurzen Moment kehrten die Bilder seiner letzten Begegnung mit Sanna in seinen Gedanken zurück, jene unausgesprochene Leidenschaft, die zwischen ihnen stand und ihr plötzliches Verschwinden, das eine schmerzliche Leere in seinem Herzen hinterlassen hatte, die er sich nur ungern eingestand. Er sorgte sich um sie, hatte Tage und Wochen danach vergeblich versucht, mehr über ihr Verschwinden zu erfahren. Auch Helvi machte sich Sorgen, doch er mied es, mit ihr darüber zu sprechen. Das hätte ihr gezeigt, wie sehr Sanna ihn tatsächlich aus der Fassung gebracht hatte, nämlich mehr, als ihm lieb war. Diese Verletzlichkeit wollte er sich selbst nicht eingestehen und doch machte ihn der Gedanke traurig.
Ein trockenes, fast unwilliges Schnauben entwich seiner Kehle, als Erik seine Lobpreisung des Ehestands beendet hatte. Veith hatte nie ernsthaft geplant zu heiraten. Einmal hatte er kurz damit geliebäugelt, nur um schnell enttäuscht zu werden, weshalb er solche Gedanken inzwischen für sich begraben hatte. „Meine Sorgen teile ich mit meinen Pferden. Deine Frau hat mir erst vor kurzem ein außergewöhnlich edles und feuriges Exemplar verkauft“, begann Veith und versuchte, die trüben Gedanken an Sanna damit zu verdrängen. „Und was den Sex betrifft, so gibt es in den Tavernen genug Ablenkungen, um den Kopf freizubekommen, das Leben hält da mehr als genug bereit, wenn man nur hinsieht.“ Veith senkte den Blick und ließ ihn über den Boden schweifen. Nach einem Moment blieb er stehen, seine Stirn legte sich in Falten und er deutete auf eine kaum sichtbare Spur im Erdreich. „Das könnte unsere Fährte sein.“
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Winterland
Erik Norrholm
Winterland
Alter 24
Beruf Prinz von Wolfsmark
Wohnort Wolfsmark
Stand Verheiratet
User Natsch
#9
Erik schnalzte beinahe missbilligend mit der Zunge, legte den Kopf schief und sah Veith an, als hätte dieser ihn gerade gebeten, eine Woche lang zu schweigen – oder schlimmer noch: sich zu benehmen. "Wie kannst du so etwas überhaupt von mir verlangen?", fragte er, halb gespielt empört, halb belustigt. Er war kein Mann, der seine Gefühle hinter sieben Riegel sperrte. Nie gewesen. Wenn Erik lachte, dann laut. Wenn er wütend war, dann wie ein Sturm. Und wenn er liebte – dann bedingungslos und mit jedem Teil seines Herzens. Seine Frau wusste das, seine Freunde sowieso. Und Veith? Der erst recht. Erik liebte die ruppige Art des Älteren, diesen trockenen, fast zynischen Humor, an dem man sich herrlich reiben konnte. Es war ein ständiges Kräftemessen in Worten und Gesten, nie wirklich feindlich, aber stets herausfordernd – wie zwei Wildtiere, die sich aneinander wärmten, während sie knurrten. "Ohne dich wäre mein Leben nur halb so unterhaltsam", murmelte Erik schließlich, die Stimme ein wenig ruhiger. Dann schob er Veith mit dem Ellenbogen leicht gegen die Seite. "Also tu nicht so, als würdest du mich nicht genauso brauchen." Ein Schmunzeln zuckte über seine Lippen – schief, spitzbübisch, ehrlich. Dann setzte sich der alte Thorin in Bewegung.

Dass Veith sich ebenfalls Sorgen um den Krieg machte, ließ Erik einen Moment innehalten. Es war keine banale Feststellung, kein beiläufiger Kommentar – es war ein seltenes Eingeständnis von einem Mann, der sonst alles in sich hineinfraß. Und es bedeutete etwas. Erik wusste, dass Veith keine Frau und keine Kinder hatte. Aber seine Eltern und seine Schwestern - für die er nach dem Wegfall des Vaters, verantwortlich war. Seine Worte hallten nach. Nicht dramatisch, aber klar. Und er hatte recht. Nordsteading war nicht bereit. Nicht für das, was auf sie zukommen konnte.
Was immer sie waren – Krieger, Söldner, Jäger, Bauern – sie waren es nicht gewohnt, Seite an Seite unter einem Banner zu marschieren. Ihre Stärke lag im Einzelnen, in wilden Angriffen, nicht im taktischen Geschick oder disziplinierten Formationen. Die umliegenden Königreiche nannten sie Barbaren – und Erik musste sich eingestehen, dass da ein Körnchen Wahrheit drin lag. Sie kämpften mit Wut. Mit Leidenschaft. Aber nicht mit Struktur. Nicht mit Strategie. Und in einem Krieg reichte das nicht. Leidenschaft ließ einen das erste Gefecht überleben – aber nicht den Winter danach. "Castandor hat da einen klaren Vorteil.", auch wenn es lange keinen Krieg mehr gab - Castandor war kampferprobt, die Geschichte zeigte das.

Und damit glitten sie – zum Glück – zurück zu einem entspannteren Thema. Erik spürte förmlich, wie die Schwere der Gedanken sich ein Stück weit von seinen Schultern hob. Der Krieg würde noch früh genug jeden Tisch, jedes Lagerfeuer, jedes Gespräch vergiften. Wochen, vielleicht Monate, in denen es kaum ein anderes Thema mehr geben würde. Aber nicht heute. Nicht hier, mitten im Wald, wo der Duft von Laub und Erde schwer in der Luft hing, wo das Knacken von Ästen unter den Hufen ein uraltes Lied sang. Hier war noch Platz für andere Gedanken. Für die Jagd. Für leise Späße und alte Geschichten, für das rhythmische Atmen zweier Männer, die Schulter an Schulter durch das Dickicht ritten.

Doch die Ehe schien ein ebenso bedrückendes Thema zu sein wie der Krieg. Erik ließ den Blick nicht von Veith weichen, musterte dessen verdunkelte Miene mit einer hochgezogenen Augenbraue – eine Mischung aus stiller Verwunderung und der typischen Skepsis, die er sich für solche Gespräche aufhob. Erik grinste schief und schüttelte den Kopf, während er einen vom Schnee tief hängenden Zweig aus dem Weg räumte. "Also die Pferde meiner Frau in Ehren...", wiederholte er mit einem Hauch von Amüsement in der Stimme, "aber die besitzen doch etwas weniger Humor als manch ein Weib." Sein theatralisches Seufzen hallte leise im verschneiten Wald wider. "Und sie warten auch nicht in den Fellen auf dich um dich einmal in den Arm zu nehmen, wenn der Tag beschissen war.", fuhr er fort und tätschelte den Hals des Wallachs. "Du würdest das natürlich tun, wenn du könntest...", frotzelte er in Thorins Richtung, in dem Wissen, dass das Pferd ihn wohl für einen Bund Möhren verkaufen würde. "Und auch wenn’s nicht nur um das eine geht..." – er spielte mit einer Übertreibung, als würde er einem Jungfernchen pikante Geheimnisse anvertrauen – "nicht, dass die Linie der Alvarssons noch mit dir endet. Das wäre eine Schande. Unser letzter miesepetriger Silberwolf." Er blickte Veith schelmisch an, doch in seinen Augen lag auch ein Funken Wärme, der tiefere Sorgen zu verbergen suchte.

Erik zügelte sein Pferd und fixierte die Fährte, die Veith entdeckt hatte. "Hmhm...", murmelte er, während seine blauen Augen der Spur bis zum nächsten Dickicht folgten. "Gut abgelenkt..." Er zwinkerte dem Älteren zu, ehe er sein Pferd wieder antrieb, um der Fährte zu folgen.
Als sie das Dickicht umrundeten, wurden die Spuren deutlicher, tiefer eingegraben im weichen Boden. "Nicht mehr weit", meinte Erik mit ruhiger Stimme. "Vielleicht sollten wir zu Fuß weiter..." Er stieg vom Pferd, ließ die Zügel locker in der Hand baumeln und blickte zu Veith hinüber, bereit für den nächsten Schritt.
[Bild: Erik_Signatur_01.png]
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Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#10
Der Schnee knirschte unter den Hufen ihrer Pferde, während ein eisiger Wind ihnen über das offene Moor hinweg entgegenschlug. Der Atem der Tiere dampfte in weißen Wölkchen in die klare Winterluft und die Männer ritten nebeneinander durch die weite, verschneite Landschaft, die unter dem bleichen Himmel beinahe unwirklich wirkte. Ihre Wortwechsel erinnerten Veith zunehmend an das ewige Hin und Her eines verheirateten Paares – dieser Eindruck kam ihm nicht zum ersten Mal. Wenn er je eine Ehefrau gehabt hätte, stellte er sich vor, würde ein Gespräch mit ihr wohl ähnlich verlaufen, zumindest wenn sie ebenso widersprüchlich gestrickt wäre wie Erik und er. Zwei Dickköpfe, die nicht voneinander lassen konnten. Der Weißhaarige schnaubte hörbar, als Erik, mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen, meinte, Veiths Leben wäre ohne ihn nur halb so spannend verlaufen.
„Ehrlich gesagt hätte ich die Fährte ohne dich längst aufgenommen“, knurrte Veith, während er seinen Umhang enger um sich schlang. „Aber stattdessen reiten wir hier seit einer halben Ewigkeit herum und schwafeln wie zwei alte Waschweiber.“ Was er nicht sagte, was er niemals zugeben würde, war, dass er dieses verbale Geplänkel nicht missen wollte. Es war mehr als bloßes Gezänk. Es war der eigentümliche Zement, der diese ungleiche Freundschaft zusammenhielt.

Als das Gespräch auf den drohenden Krieg kam, verdunkelte sich Veiths Miene noch weiter – kaum vorstellbar, dass sein Gesicht überhaupt noch mehr Ernst tragen konnte. Er sagte zunächst nichts, sondern ließ den Blick in die Ferne gleiten, dorthin, wo die weiße Weite sich mit dem Himmel vermischte. Die Stille, die sich zwischen ihnen ausbreitete, war schwerer als der Schnee, der nun in feinen Kristallen vom Himmel rieselte. Erst nach einer langen, wortlosen Minute antwortete Veith schließlich, die Stimme ruhig, doch seltsam fern: „Leif weiß das und ich bin überzeugt, dass er handeln wird.“ Mehr gab es für ihn in diesem Moment nicht zu sagen. Nicht, weil er es nicht wollte, sondern weil es nichts mehr zu sagen gab.
Doch in seinem Innersten rumorte es. Castandor. Der Name allein schmeckte nach Asche in seinem Mund. Zu lange schon gärte der Konflikt im Verborgenen, wie ein faulender Zahn, den keiner ziehen wollte und nun, da das Unvermeidliche näher rückte, fragte er sich, wie viel von dem, was sie glaubten zu schützen, am Ende übrig bleiben würde.

Zwar glitt das Gespräch in leichtere Gefilde ab, doch für Veith bedeutete das keine Erleichterung. Das neue Thema lag ihm noch schwerer im Magen als das vorherige. Kaum war das Wort Nachkommen gefallen, verfinsterte sich sein Blick auf eine Art, die selbst Erik nicht entgehen konnte. Es war nicht so, dass er das Thema nicht kannte. Zuhause wurde es ihm regelmäßig, mit sanftem Nachdruck oder unverhohlener Dringlichkeit, ins Gedächtnis gerufen. Mal zwischen Tür und Angel, mal in Form von gezielten Seitenhieben am Esstisch. Als wäre es seine verdammte Pflicht, einen Erben zu zeugen, nur damit irgendein Name weiterlebte. Doch Veith hatte für diese Art von Erbe nie viel übrig gehabt. Er war nicht blind für die Erwartungen, aber er hielt sie für leer, wie ein altes Familienwappen, das an der Wand hängt, dessen Bedeutung aber längst erloschen ist. Er vertraute darauf, dass Helvi schon dafür sorgen würde, dass ihre Linie nicht so schnell versiegte. Dass ihr Nachname ein anderer war, störte ihn kaum dabei. Namen waren Schall und Rauch. Was zählte, war, was blieb, wenn man selbst nicht mehr unter den Lebenden weilte und deshalb, so glaubte er, lag seine Aufgabe woanders. Er war nie dafür gemacht gewesen, Wurzeln zu schlagen. Seine Pflicht lag auf dem Rücken seines Pferdes, im frostigen Atem der Jagd, im Stahl seiner Klinge.

Und dann war da noch Sanna. Ihr Verschwinden hatte in ihm eine Leere hinterlassen, die er sich kaum eingestehen wollte. Nicht, dass er sich je ernsthafte Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft mit ihr gemacht hätte – das wäre naiv gewesen. Sanna war wie der Wind in den Bäumen: frei, unstet, nie wirklich zu greifen. Sie kümmerte sich mit aufopferungsloser Hingabe um ihre kleine Tochter und war zugleich eine furchtlose Jägerin, die im Alleingang durch die härtesten Reviere streifte, als wären sie nur ein weiteres Stück Heimat. Die Nähe, die sich zwischen ihr und Veith entfaltet hatte, war still gewesen, zufällig, wie das Flackern des Feuers, das kurz aufflammte, bevor es verging. Trotzdem hatte dieses Flackern gereicht, um in ihm etwas zu entfachen, das er längst tot geglaubt hatte. Ein kurzer Riss im Panzer aus Pflichten, Sorgen und Schweigen. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er sich nicht nur gebraucht, sondern auch lebendig gefühlt. Aber Sanna war verschwunden, so plötzlich, wie sie in sein Leben getreten war. Lautlos, ohne Abschied, wie eine Schneeflocke, die auf der Hand zergeht, bevor man ihre Form erkennen konnte. Veith war nicht der Mann, der sich in romantischen Vorstellungen verlor. Doch manchmal, wenn die Nächte besonders still waren, ertappte er sich bei dem Gedanken, wie es gewesen wäre, sie noch ein wenig besser kennenzulernen. Nicht als flüchtige Erscheinung am Tisch seiner Schwester, sondern als Mensch. Ein paar Worte mehr. Ein gemeinsamer Morgen. Vielleicht ein zweiter Blick, der bleibt.

„Ich sehe es doch jedes Mal, wenn Eina bei Helvi auftaucht. Von offenen Armen kann da keine Rede sein“, erwiderte Veith mit einem leisen Auflachen, das mehr nach Trotz als nach echter Heiterkeit klang. Es war der Versuch, das Thema von sich wegzuschieben, als ließe es sich mit einem lockeren Spruch entschärfen. „Da bleib ich lieber ledig und schlafe nach dem Tavernenbesuch im Stall. Wenigstens meckert da niemand, wenn ich schnarche.“
Veith blieb noch einen Moment im Sattel sitzen, die Augen schmal, den Blick auf die tiefer werdenden Abdrücke gerichtet. Der Wind trug den harzigen Geruch von Tannen heran, vermischt mit etwas, das nicht recht hierhergehörte – Eisen, vielleicht. Oder Blut. „Ich halte mich lieber an das, was uns eigentlich hierhergeführt hat“, murmelte Veith rau, während er aus dem Sattel glitt und die Zügel mit einer knappen Bewegung um einen tiefhängenden Ast schlang. „Aber du hast recht, die Pferde sind zu laut und zu auffällig.“ Er richtete sich auf und schulterte seine Waffe, ohne den Blick von der Spur zu nehmen. Dann trat er an Eriks Seite, seine Stimme leiser: „Los jetzt. Bevor der Schnee uns die Spur nimmt.“
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