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Where we left ourselfs
25.11.1016 - 21:55
Zwischen den Städten

Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#2
Die Nächte im Frühlingsland hatten eine eigene Art von Stille, die nur schwer zu greifen war. Zwischen den Zelten der Winterländer summte das Leben nur leise: vereinzelte waren Stimmen zu hören oder das Knacken eines Feuers. Der Duft von Gras und feuchter Erde hing schwer in der Luft, durchsetzt von dem herben Aroma zerdrückter Blätter und dem fernen Hauch von Rauch. Veith stand etwas abseits, auf einem leichten Hügelrücken, wo das Licht der Feuer nur noch wie matter Goldstaub zwischen die Schatten der Zelte fiel. Der Blick glitt über das Tal, das sich in der Dunkelheit verlor und von Nebelschleiern durchzogen war, die sich lautlos über die Hänge legten. Hier war alles anders als zu Hause. Kein knirschender Frost unter den Stiefeln. Kein harter, beißender Wind, der selbst durch Leder und Pelz schnitt. Stattdessen trug der Wind hier das Rascheln von Blättern, das Wispern des fernen Wassers, den Puls von Leben. Obwohl er es kannte, dieses Land, hatte es ihn nie willkommen geheißen. Vielleicht, weil er zu viel Winter in sich trug. Vielleicht, weil es ihn an Dinge erinnerte, die längst vergangen waren. Seine Mutter war in Walleydor geboren, nicht weit von hier und er erinnerte sich an ihre Geschichten über blühende Obstbäume, über warme Böden und weiche Stimmen, über Lieder, die man am Abend sang, wenn kein Krieg die Gespräche überlagerte. Doch diese Erinnerungen waren nicht seine, sondern nur die Überreste fremder Worte.

Jetzt war das Frühlingsland ein Vorhof des Krieges. Veith atmete durch und wandte sich von der Anhöhe ab. Seine Schritte führten ihn den schmalen Hang hinab, wo die trockenen Halme unter den Stiefeln knisterten. Zwischen den Zelten war es wärmer, das Licht dichter, der Rauch der Feuer zog in langen Schlieren durch die Luft. Stimmen und Lachen wurden lauter und Veith realisierte, dass es der letzte Hauch von Normalität war, bevor die Welt sich veränderte. Ein paar der Männer saßen im Kreis um ein niedriges Feuer, die Schatten ihrer Gesichter zuckten im flackernden Licht. Einer von ihnen, Torik, hob kurz die Hand. „Veith. Noch bei der Aussicht sentimental geworden?“ Sein Tonfall trug den spöttischen Unterton von jemanden, der es mittlerweile gewohnt war, die Aussicht auf den bevorstehenden Krieg durch Humor zu ertragen, denn die Männer wussten, dass ihnen vielleicht nur noch wenige Nächte blieben.

Veith umrundete ein Zelt, dann ein weiteres, vorbei an einem dösenden Pferd, das leicht mit dem Ohr zuckte, als er vorbeiging. Schließlich blieb er vor seinem eigenen Zelt stehen. Er ging nicht hinein. Stattdessen blieb er davor stehen, hob den Blick wieder zum Himmel, wo die Sterne klar über dem Land standen. Es war ein stiller Moment, seltsam unberührt von dem, was bevorstand und Veith ertappte sich nicht zum ersten Mal in den letzten Tagen dabei, wie er seine Gedanken zu seiner Familie wandern ließ. Er dachte an seine Mutter, eine Frau, deren Liebe still, aber unerschütterlich war, wie die Wurzeln alter Bäume tief im gefrorenen Boden. An seinen Vater, geistig längst verloschen und doch einst ein angesehener Krieger, dessen Name in besseren Tagen mit Respekt ausgesprochen wurde. An seine Schwestern, wild wie junge Wölfinnen, jede mit eigenem Biss, die eine noch widerspenstiger als die andere. Sie alle trugen denselben stillen Trotz in sich, diesen harten, unbeugsamen Kern, den nur jene in sich tragen, die im Winterland geboren wurden oder sehr lange dort lebten.

Dann vernahm er ein Rascheln hinter sich. Ein kaum hörbares Geräusch, kaum mehr als ein Hauch und doch seltsam vertraut. Er fuhr herum. Für einen Moment glaubte er, einer ihrer Feinde habe sich unbemerkt dem Lager genähert. Seine Finger legten sich instinktiv um den Griff seines Schwerts, doch dann zögerte er. Er hörte ihre Stimme, leise und kaum mehr als ein Hauch in der Dunkelheit, aber unverkennbar und etwas in ihm spannte sich an, während der Rest bereits wusste, was der Verstand noch nicht glauben wollte. Als sie aus dem Schatten der Bäume trat, erkannte er Sanna sofort, noch bevor das Licht ihr Gesicht streifte. Und Veith?
Er stand einfach nur da und sah sie an, als hätte die Welt aufgehört, sich zu drehen.
Der Krieger war erleichtert, sie wohlbehalten wiederzusehen, und dankbar, dass ihr offenbar nichts geschehen war. Doch die Überraschung darüber, dass sie ausgerechnet hier und jetzt, an diesem verlassensten aller Orte vor ihm stand, brachte ihn dazu, sich nicht einen Deut von der Stelle zu rühren. Er brachte keinen Schritt hervor, keinen Laut, keinen einzigen Impuls, der das hätte fassen können, was gerade in ihm tobte.

Sie glaubte tatsächlich, dass nur Helvi sich Sorgen um sie gemacht hatte. Dabei war er es gewesen, der nächtelang wach gelegen und tagelang ihre Spur gesucht hatte.
Er hatte weite Strecken hinter sich gelassen, in der Hoffnung, irgendwo ein Zeichen, eine flüchtige Nachricht, ein Gerücht über ihren Verbleib zu finden. Dabei war ihm sein Tun oft genug selbst wie ein kindischer Eigensinn erschienen, denn er hätte nicht einmal sagen können, was genau sie eigentlich füreinander waren. Trotzdem wusste er, dass die Gefühle, die zwischen ihnen aufflammten – und die ihn auch jetzt, da er sie wiedersah, fast überwältigten – alles andere als belanglos waren. Er wollte sie so vieles fragen, wollte wissen, wo sie gewesen war, was sie gesehen hatte. Er wollte sie in die Arme schließen, nur um zu spüren, dass sie wirklich da war, unversehrt, greifbar. Doch als er den Mund öffnete, entglitt ihm all das, was er eigentlich sagen wollte. Stattdessen hörte er sich nur fragen: „Was tust du hier?“
sig-veith2
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Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 04-11-2025, 17:30
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 15-11-2025, 11:39
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 18-11-2025, 22:59
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 12-01-2026, 17:40
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 10-02-2026, 00:04

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