18-11-2025, 22:59 - Wörter:
Er fuhr herum, und Sanna erstarrte. Ihre braunen Augen hafteten an ihm, als wolle sie begreifen, was in ihm vorging. Doch Veiths schlechteste – und zugleich auf seltsame Weise beste – Eigenschaft war, dass man seine Gedanken kaum erahnen konnte. Sie tappte im Dunkeln, sah in dieses ausdruckslose Gesicht, in dem man vielleicht im ersten Moment so etwas wie Überraschung hätte vermuten können. Sie wusste weder, wie gleichgültig ihm ihr Auftreten war, noch ob es überhaupt irgendetwas in ihm auslöste.
Alles, was sie wusste, war, was sein Anblick mit ihr machte. Ein feines Ziehen fuhr ihr durch die Brust, ein Gefühl, das an Sehnsucht erinnerte und das sie sich doch nicht eingestehen wollte. Sie hatte nie jemanden gebraucht außer sich selbst. Alles hatte sie stets allein getragen, ohne sich auf warme Worte oder tröstende Berührungen zu stützen – obwohl sie wusste, dass es Menschen gab, denen sie etwas bedeutete. Helvi. Eydis. Und ja, auch ihrer Mutter, deren hartnäckiges Urteil in Bezug auf Valda noch immer über ihr schwebte, ohne jedoch die Liebe zu mindern, die Martha für ihre Tochter empfand. Und zuletzt glaubte sie sogar, dass sie Leif etwas bedeutete – so wie er ihr. Auch wenn ihre Beziehung kompliziert war und kein Versprechen für die Zukunft in sich trug.
Doch Veith hatte etwas in ihr berührt. Jenen Teil, den sie jahrelang verborgen hatte, wie eine Wölfin ihren Welpen: den verletzlichen Kern, der sich einfach in jemanden fallen lassen wollte, der nicht immer stark sein musste. Und ein Teil von Sanna verurteilte sich insgeheim dafür. Dafür, dass sie es zugelassen hatte.
Jetzt stand sie hier und hatte das Gefühl, dass es genau diese Reise gewesen war, die sie und Veith in zwei verschiedene Welten geschleudert hatte. Sie erinnerte sich an den Abend ihrer Abreise, an den Überfall, an den Moment, in dem Eneas und Tyra sie gerettet hatten – und auch an das unausgesprochene Was wäre gewesen, wenn… wenn die beiden nicht aufgetaucht wären.
Sanna schluckte schwer. Ihre Hand fuhr in einer unsicheren Geste durch ihr Haar, und sie strich sich eine lose Strähne hinter das Ohr, als könne sie damit einen Moment Zeit gewinnen. Seine Frage war einfach, und doch lag sie wie ein Gewicht zwischen ihnen, verdichtete die Luft, bis ihre Gedanken zu kreisen begannen.
Sie war wegen Leif hier – weil sie wollte, dass er Valda noch einmal sah, bevor er in den Krieg zog. Doch insgeheim war sie auch wegen Veith hier. Sie hatte ihn sehen wollen, auch wenn in ihrem Herzen eine seltsame Angst vor genau dieser Begegnung lauerte.
Sanna löste den Blick und sah sich kurz um. Sie waren allein, und doch fühlte es sich falsch an, die Stimme zu heben, um dieses Gespräch fortzuführen. Also überwand sie sich und trat auf ihn zu, überbrückte die letzten Meter mit wenigen Schritten, bis sie wieder vor ihm stand.
Ihr Blick wanderte zu ihm hinauf, und die Anspannung in ihren Schultern schmolz unter dem warmen Bernstein seiner Augen dahin. Als hätte ihr Körper nur auf seine Gegenwart gewartet, um endlich wieder atmen zu können.
Sanna überlegte einen Augenblick, wo sie ansetzen sollte, und ließ den Blick kurz auf seine Brust sinken, als könne sie dort einen Anfangsfaden finden. „Beim Eisfeuerfest hat man Valda erkannt. Deshalb musste ich das Winterland verlassen.“ Ihre Stimme war leise, so leise, dass sie selbst einen Moment lang glaubte, ihre Worte ergäben keinen Sinn. „Beziehungsweise …“ Sie korrigierte sich, die Augenbrauen zusammengezogen, als müsse sie den Gedanken erst festhalten, damit er nicht entglitt. „Sie hat ihren Vater erkannt und wollte zu ihm rennen. Und das blieb nicht unbemerkt.“ Wieder verstummte sie für einen Moment. Die Situation war unglücklich gewesen — und vor allem … unnötig. Es war ihre eigene Schuld, dass sie hier gelandet war; sie hätte dieses Fest einfach meiden können. Valdas Vater war zwischen Sanna und Helvi nie ein Thema gewesen. Veiths Schwester hatte früh bemerkt, dass die Blondine nicht darüber sprechen wollte.
„Als ich hörte, dass ihr hier lagert, wollte ich…“ Ihre Stimme war ruhig aber fester als zuvor, und sie hob den Blick wieder zu Veith. „… sehen, ob er unter euch ist. Falls er Valda vor dem Krieg noch einmal sehen möchte.“ Sanna strich sich mit der Hand über den anderen Arm, als müsste sie sich selbst beruhigen. „Und ich wollte sehen, ob du auch hier bist…“ gestand sie schließlich und hob erneut den Blick.
Ein seltsames Gefühl der Leere breitete sich in ihr aus, als sie in Veiths Gesicht sah — als hätte jemand ihr etwas genommen: Zeit, ein Gefühl, etwas, das nie wirklich ihr gehört hatte… und das sie sich doch so sehr gewünscht hatte.
Alles, was sie wusste, war, was sein Anblick mit ihr machte. Ein feines Ziehen fuhr ihr durch die Brust, ein Gefühl, das an Sehnsucht erinnerte und das sie sich doch nicht eingestehen wollte. Sie hatte nie jemanden gebraucht außer sich selbst. Alles hatte sie stets allein getragen, ohne sich auf warme Worte oder tröstende Berührungen zu stützen – obwohl sie wusste, dass es Menschen gab, denen sie etwas bedeutete. Helvi. Eydis. Und ja, auch ihrer Mutter, deren hartnäckiges Urteil in Bezug auf Valda noch immer über ihr schwebte, ohne jedoch die Liebe zu mindern, die Martha für ihre Tochter empfand. Und zuletzt glaubte sie sogar, dass sie Leif etwas bedeutete – so wie er ihr. Auch wenn ihre Beziehung kompliziert war und kein Versprechen für die Zukunft in sich trug.
Doch Veith hatte etwas in ihr berührt. Jenen Teil, den sie jahrelang verborgen hatte, wie eine Wölfin ihren Welpen: den verletzlichen Kern, der sich einfach in jemanden fallen lassen wollte, der nicht immer stark sein musste. Und ein Teil von Sanna verurteilte sich insgeheim dafür. Dafür, dass sie es zugelassen hatte.
Jetzt stand sie hier und hatte das Gefühl, dass es genau diese Reise gewesen war, die sie und Veith in zwei verschiedene Welten geschleudert hatte. Sie erinnerte sich an den Abend ihrer Abreise, an den Überfall, an den Moment, in dem Eneas und Tyra sie gerettet hatten – und auch an das unausgesprochene Was wäre gewesen, wenn… wenn die beiden nicht aufgetaucht wären.
Sanna schluckte schwer. Ihre Hand fuhr in einer unsicheren Geste durch ihr Haar, und sie strich sich eine lose Strähne hinter das Ohr, als könne sie damit einen Moment Zeit gewinnen. Seine Frage war einfach, und doch lag sie wie ein Gewicht zwischen ihnen, verdichtete die Luft, bis ihre Gedanken zu kreisen begannen.
Sie war wegen Leif hier – weil sie wollte, dass er Valda noch einmal sah, bevor er in den Krieg zog. Doch insgeheim war sie auch wegen Veith hier. Sie hatte ihn sehen wollen, auch wenn in ihrem Herzen eine seltsame Angst vor genau dieser Begegnung lauerte.
Sanna löste den Blick und sah sich kurz um. Sie waren allein, und doch fühlte es sich falsch an, die Stimme zu heben, um dieses Gespräch fortzuführen. Also überwand sie sich und trat auf ihn zu, überbrückte die letzten Meter mit wenigen Schritten, bis sie wieder vor ihm stand.
Ihr Blick wanderte zu ihm hinauf, und die Anspannung in ihren Schultern schmolz unter dem warmen Bernstein seiner Augen dahin. Als hätte ihr Körper nur auf seine Gegenwart gewartet, um endlich wieder atmen zu können.
Sanna überlegte einen Augenblick, wo sie ansetzen sollte, und ließ den Blick kurz auf seine Brust sinken, als könne sie dort einen Anfangsfaden finden. „Beim Eisfeuerfest hat man Valda erkannt. Deshalb musste ich das Winterland verlassen.“ Ihre Stimme war leise, so leise, dass sie selbst einen Moment lang glaubte, ihre Worte ergäben keinen Sinn. „Beziehungsweise …“ Sie korrigierte sich, die Augenbrauen zusammengezogen, als müsse sie den Gedanken erst festhalten, damit er nicht entglitt. „Sie hat ihren Vater erkannt und wollte zu ihm rennen. Und das blieb nicht unbemerkt.“ Wieder verstummte sie für einen Moment. Die Situation war unglücklich gewesen — und vor allem … unnötig. Es war ihre eigene Schuld, dass sie hier gelandet war; sie hätte dieses Fest einfach meiden können. Valdas Vater war zwischen Sanna und Helvi nie ein Thema gewesen. Veiths Schwester hatte früh bemerkt, dass die Blondine nicht darüber sprechen wollte.
„Als ich hörte, dass ihr hier lagert, wollte ich…“ Ihre Stimme war ruhig aber fester als zuvor, und sie hob den Blick wieder zu Veith. „… sehen, ob er unter euch ist. Falls er Valda vor dem Krieg noch einmal sehen möchte.“ Sanna strich sich mit der Hand über den anderen Arm, als müsste sie sich selbst beruhigen. „Und ich wollte sehen, ob du auch hier bist…“ gestand sie schließlich und hob erneut den Blick.
Ein seltsames Gefühl der Leere breitete sich in ihr aus, als sie in Veiths Gesicht sah — als hätte jemand ihr etwas genommen: Zeit, ein Gefühl, etwas, das nie wirklich ihr gehört hatte… und das sie sich doch so sehr gewünscht hatte.
![[Bild: Sanna_Signatur_03.png]](https://into-oblivion.de/grafiken/RPG/facingthestorm/Sanna_Signatur_03.png)
