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Where we left ourselfs
25.11.1016 - 21:55
Zwischen den Städten

Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#4
Der Wind hatte gedreht. Ein feiner Luftzug strich über die Zeltplanen, brachte den dumpfen Geruch von altem Rauch und feuchtem Gras mit sich. Veith spürte, wie sich seine Finger langsam vom Griff des Schwertes lösten. Es war kein bewusster Entschluss, eher ein Nachgeben, als hätte sein Körper begriffen, dass keine Gefahr mehr lauerte. Sanna stand so nah, dass er die feinen Schatten unter ihren Augen erkennen konnte und doch brachte er zunächst keinen Ton heraus. Er sah sie an, ohne sich zu rühren. Die Schatten der Nacht glitten über ihr Gesicht, formten wechselnde Konturen auf Wangen, Stirn, Lippen. Veiths Blick blieb daran haften wie an einer Wunde, die man nicht berühren wollte, weil man wusste, dass sie noch brennt. Es war ein Anblick, den er nicht mehr erwartet hatte. Etwas in seiner Brust reagierte. Ein Ziehen, dumpf und weit, als hätte ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen, ohne dass sein Körper fiel. Statt Erleichterung fühlte er erst Leere. Als hätte die Angst, die sich über Wochen in ihm eingenistet hatte, zu viel Platz eingenommen und jetzt wusste er nicht, wohin mit sich. Er hatte geglaubt, Sanna sei tot. Nicht, weil es Beweise gab. Sondern weil das Schweigen zu lange währte, weil jeder weitere Tag ohne Nachricht sich wie Erde auf einem Grab anfühlte und weil er sich selbst nicht eingestehen wollte, dass er sie vermisste.

Die Vorstellung, sie wiederzusehen, hatte ihn nie losgelassen. Aber jetzt, da sie tatsächlich vor ihm stand, war es, als würde alles, was er sich zurechtgelegt hatte, all die Wut, der Trotz, das verzweifelte Festhalten an Gleichgültigkeit, mit einem Mal bedeutungslos. „Du bist also nicht tot“, sagte er schließlich. Es war das Einzige, was seine Lippen in diesem Moment zuließen. Nur diese eine, einfache Feststellung, rau und tief, als koste sie ihn mehr Kraft, als er bereit war zu zeigen. Er wich ihrem Blick nicht aus. Tat er nie. Aber da war etwas in seinen Augen, das aufglomm, ein leiser Riss in der Rüstung, den kaum jemand zu deuten wusste. Trauer, die sich in Erleichterung verwandelte, ohne je ganz zu vergehen und darunter etwas, das er weder benennen noch zeigen wollte. „Wir haben nach dir gesucht“, fügte er hinzu, leise. „Helvi hat sich gefragt, ob du noch lebst. Ich bin bis zur Nebelmark geritten. Zwei Tage ohne Rast. Habe jeden gefragt, der sprechen konnte.“ Eine kurze Pause kehrte ein. Als er weiterredete, blieb sein Tonfall gleich, aber die Worte schnitten wie kalte Klingen. „War eine dumme Idee.“ Ein Windstoß zerrte an seinem Umhang, riss kurz an den Schnüren am Kragen. Etwas in ihm war noch immer erstarrt. Nicht vor Wut oder Schock, sondern vor dem, was es bedeutete, dass sie jetzt hier vor ihm stand.

Dann begann Sanna zu erzählen. Vom Eisfeuerfest, von Valda und ihrem Vater, von jenem Moment, in dem alles aus dem Ruder lief und während ihre Stimme leise durch die Nacht glitt, wurde Veith mit einem Mal bewusst, wie wenig er eigentlich über sie wusste. Er kannte ihren Gang, den trockenen Humor, ihre Standhaftigkeit, wenn andere längst wankten. Aber wer sie wirklich war, was sie in sich trug, was sie verdrängte, was sie verlor, davon hatte er kaum mehr als Fragmente. Trotzdem stand sie ihm näher als viele, die ihr halbes Leben mit ihm verbracht hatten. Das war das Absurde daran. Nur eines war sicher: Sanna war nicht nur die Freundin seiner Schwester. Er empfand viel mehr für sie und er fühlte sich von ihr angezogen, wie die Motte vom Licht.

Sanna schwieg schließlich. Ihre Worte hatten sich erschöpft, wie Wasser, das nach einem langen Lauf versickerte und es entstand eine jener Pausen, die nicht unangenehm waren, aber auch nicht leicht. Veith stand da, die Hände reglos. Etwas in ihm wollte sich rühren, aber er tat es nicht. Er rang nicht mit Worten, sondern mit ihrer Nähe. „Ich bin froh, dass du da bist“, sagte er schließlich, als würde dieser eine Satz genügen müssen, um all das zu tragen, was er nicht aussprechen konnte. Denn mehr konnte er im Moment nicht sagen, nicht ohne sich zu verraten. Er widerstand dem Drang, sie einfach in die Arme zu ziehen. Widerstand dem Bedürfnis, ihre Stimme noch einmal zu hören, ganz nah, an seiner Schulter. Stattdessen zwang er sich zur Ruhe, wie man ein unruhiges Pferd am Zügel hält. Er wusste nicht, wie sie zueinander standen. Nicht nach all der Zeit und sicherlich nicht nach dem, was unausgesprochen zwischen ihnen lag und vielleicht immer dort bleiben würde. Doch als er ihre Worte über Valdas Vater erneut in Gedanken durchging, verspürte er einen leichten Stich in der Brust. Er wusste nicht, warum es ihn störte. Nur dass es das tat. „Soll ich dich zu Valdas Vater führen?“ fragte er schließlich. Seine Stimme blieb ruhig, beinahe neutral. Doch sie trug eine Schwere, die vorher nicht da gewesen war.
sig-veith2
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Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 04-11-2025, 17:30
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 18-11-2025, 22:59
RE: Where we left ourselfs - von Veith Alvarsson - 11-01-2026, 11:36
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 12-01-2026, 17:40
RE: Where we left ourselfs - von Sanna Lorenson - 10-02-2026, 00:04

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