09-02-2026, 10:34 - Wörter:
Er hatte sich unzählige Male vorgestellt, wie es sein würde, Sanna wiederzusehen - tot oder lebendig. Er hatte gewusst, dass er sich womöglich auf das Schlimmste einstellen musste, hatte diesen Gedanken zugelassen, ihn immer wieder durchlebt, um nicht unvorbereitet zu sein. Trotzdem war all diese innere Vorbereitung im entscheidenden Moment wertlos. Es gelang ihm nicht, ihre Anwesenheit so klar zu erfassen, so wirklich bei sich ankommen zu lassen, wie er es sich wünschte. Er hatte sie vermisst, weit mehr, als ihm guttat. Diese Sehnsucht war ein stiller, beharrlicher Schmerz, den er sich selbst nicht erklären konnte. Schließlich teilten sie damals nur wenige, flüchtige Stunden miteinander und doch waren diese Stunden von einer solchen Intensität geprägt, dass sie sich unauslöschlich in ihn einbrannten. Der Gedanke, Sanna zu verlieren, war für ihn unerträglich gewesen, dennoch war genau das geschehen.
Es hatte etwas mit ihm gemacht. Etwas verändert, etwas in ihm aufgebrochen, das er bislang nicht gekannt hatte. Zum ersten Mal in seinem Leben wusste Veith nicht weiter. Bislang gab es für jedes Problem eine Lösung, für jede Situation einen klaren, logischen Weg nach vorn. Er war rational veranlagt, kontrolliert, beherrscht gewesen, doch all das griff nun nicht mehr. Seine gewohnte Ordnung versagte und zurück blieb ein Gefühl, dem er keinen Namen geben konnte.
Erst als sie weitersprach, wurde ihm bewusst, wie sehr er ihre Stimme vermisste. Ihr Klang traf ihn unerwartet und riss etwas in ihm auf, das er während ihrer Abwesenheit sorgfältig verdrängt hielt. Für einen kurzen Moment kam er sich vor wie ein liebestrunkener Idiot, der nichts Besseres mit sich anzufangen wusste, als über seine eigenen Gefühle nachzugrübeln. Dieser Gedanke missfiel ihm. So wollte er nicht sein. Sein Vater war ein Krieger gewesen, ebenso dessen Vater vor ihm. Krieger galten nicht als liebeshungrige Narren, nicht als Männer, die sich von Regungen leiten ließen, auch wenn sein Vater seine Mutter einst aus Zuneigung heiratete. Veith selbst dachte bis zu dem Augenblick, in dem Sanna in sein Leben getreten war, kaum je ernsthaft über so etwas nach. „Du musst mich dafür nicht entschädigen“, erwiderte er schließlich und machte eine wegwerfende Geste, als wollte er das Thema von sich schieben. Er suchte sie nicht in der Erwartung einer Belohnung. Die Stunden und Tage, in denen er ihre Spur verfolgt hatte, verloren in dem Moment jede Bedeutung, da sie nun leibhaftig vor ihm stand - aus Fleisch und Blut, unbestreitbar wirklich.
„Und ich an dich“, waren seine Worte, als sie ihm gestand, an ihn gedacht zu haben. Es wirkte beinahe unwirklich, ihr nun inmitten der Zeltstadt gegenüberzustehen - Sanna, für die er mehr empfand als für jede andere Frau zuvor. Seine knappe Erwiderung blieb weit hinter dem zurück, was in ihm vorging, doch in diesem Moment waren es die einzigen Worte, zu denen er fähig war. Seine Verschlossenheit, seine zurückhaltende Art erschwerten es ihm, sich der Jägerin gegenüber zu öffnen. Als sie ohne ein Wort des Abschieds verschwand, empfand er nicht nur Sorge, sondern auch eine leise Kränkung. Nicht, weil sie fortging, sondern weil sie ihm nicht genug vertraut hatte, um sich ihm anzuvertrauen. Dennoch überwog kein Zorn. Stattdessen breitete sich Erleichterung in ihm aus, die Gewissheit, dass sie am Leben war, dass es ihr gutging.
Er schwieg für einen langen Augenblick, als Sanna ihm schließlich die Identität von Valdas Vater offenbarte. Ihre Worte lagen zwischen ihnen wie etwas Schweres. Sein Atem stockte kaum merklich und sein Blick verharrte einen Herzschlag zu lang an ihrem Gesicht. Hatte er diese Wahrheit womöglich bereits geahnt? Insgeheim war ihm bewusst gewesen, dass die Jägerin ein größeres Geheimnis mit sich trug, schon allein deshalb, weil laut Sanna die Erkenntnis über Valdas Vater auf dem Fest ihre überstürzte Abreise notwendig gemacht hatte. Doch die Gewissheit verlieh allem ein anderes Gewicht. Dass ausgerechnet einer seiner engsten Freunde der Vater des Kindes war und mehr noch, dass dieser Freund der Kronprinz war, machte die Lage ungleich komplizierter. „Ich verstehe“, sagte er schließlich leise. Es war keine bloße Beschwichtigung, sondern ein bewusst gewähltes Wort, fest genug, um das Aufbäumen in ihm niederzuhalten. Leif war nicht nur sein Freund, sondern der Kronprinz, gebunden an Pflichten, die keinen Raum für Fehler ließen. Dazwischen standen Sanna und ihre Tochter. Veith schluckte, ein kaum wahrnehmbares Anspannen seines Kiefers verriet, wie viel Selbstbeherrschung ihn diese Ruhe kostete. Was immer an Kränkung in ihm aufstieg, drängte er zurück, dorthin, wo es ihn jetzt nicht lähmen durfte. Sein Blick senkte sich auf ihren. „Wo ist Valda?“ Das Mädchen durfte nicht unbeaufsichtigt bleiben. Sie war kostbarer, als es irgendjemand hier ahnte, nicht nur für Sanna, sondern für Norsteading selbst.
Es hatte etwas mit ihm gemacht. Etwas verändert, etwas in ihm aufgebrochen, das er bislang nicht gekannt hatte. Zum ersten Mal in seinem Leben wusste Veith nicht weiter. Bislang gab es für jedes Problem eine Lösung, für jede Situation einen klaren, logischen Weg nach vorn. Er war rational veranlagt, kontrolliert, beherrscht gewesen, doch all das griff nun nicht mehr. Seine gewohnte Ordnung versagte und zurück blieb ein Gefühl, dem er keinen Namen geben konnte.
Erst als sie weitersprach, wurde ihm bewusst, wie sehr er ihre Stimme vermisste. Ihr Klang traf ihn unerwartet und riss etwas in ihm auf, das er während ihrer Abwesenheit sorgfältig verdrängt hielt. Für einen kurzen Moment kam er sich vor wie ein liebestrunkener Idiot, der nichts Besseres mit sich anzufangen wusste, als über seine eigenen Gefühle nachzugrübeln. Dieser Gedanke missfiel ihm. So wollte er nicht sein. Sein Vater war ein Krieger gewesen, ebenso dessen Vater vor ihm. Krieger galten nicht als liebeshungrige Narren, nicht als Männer, die sich von Regungen leiten ließen, auch wenn sein Vater seine Mutter einst aus Zuneigung heiratete. Veith selbst dachte bis zu dem Augenblick, in dem Sanna in sein Leben getreten war, kaum je ernsthaft über so etwas nach. „Du musst mich dafür nicht entschädigen“, erwiderte er schließlich und machte eine wegwerfende Geste, als wollte er das Thema von sich schieben. Er suchte sie nicht in der Erwartung einer Belohnung. Die Stunden und Tage, in denen er ihre Spur verfolgt hatte, verloren in dem Moment jede Bedeutung, da sie nun leibhaftig vor ihm stand - aus Fleisch und Blut, unbestreitbar wirklich.
„Und ich an dich“, waren seine Worte, als sie ihm gestand, an ihn gedacht zu haben. Es wirkte beinahe unwirklich, ihr nun inmitten der Zeltstadt gegenüberzustehen - Sanna, für die er mehr empfand als für jede andere Frau zuvor. Seine knappe Erwiderung blieb weit hinter dem zurück, was in ihm vorging, doch in diesem Moment waren es die einzigen Worte, zu denen er fähig war. Seine Verschlossenheit, seine zurückhaltende Art erschwerten es ihm, sich der Jägerin gegenüber zu öffnen. Als sie ohne ein Wort des Abschieds verschwand, empfand er nicht nur Sorge, sondern auch eine leise Kränkung. Nicht, weil sie fortging, sondern weil sie ihm nicht genug vertraut hatte, um sich ihm anzuvertrauen. Dennoch überwog kein Zorn. Stattdessen breitete sich Erleichterung in ihm aus, die Gewissheit, dass sie am Leben war, dass es ihr gutging.
Er schwieg für einen langen Augenblick, als Sanna ihm schließlich die Identität von Valdas Vater offenbarte. Ihre Worte lagen zwischen ihnen wie etwas Schweres. Sein Atem stockte kaum merklich und sein Blick verharrte einen Herzschlag zu lang an ihrem Gesicht. Hatte er diese Wahrheit womöglich bereits geahnt? Insgeheim war ihm bewusst gewesen, dass die Jägerin ein größeres Geheimnis mit sich trug, schon allein deshalb, weil laut Sanna die Erkenntnis über Valdas Vater auf dem Fest ihre überstürzte Abreise notwendig gemacht hatte. Doch die Gewissheit verlieh allem ein anderes Gewicht. Dass ausgerechnet einer seiner engsten Freunde der Vater des Kindes war und mehr noch, dass dieser Freund der Kronprinz war, machte die Lage ungleich komplizierter. „Ich verstehe“, sagte er schließlich leise. Es war keine bloße Beschwichtigung, sondern ein bewusst gewähltes Wort, fest genug, um das Aufbäumen in ihm niederzuhalten. Leif war nicht nur sein Freund, sondern der Kronprinz, gebunden an Pflichten, die keinen Raum für Fehler ließen. Dazwischen standen Sanna und ihre Tochter. Veith schluckte, ein kaum wahrnehmbares Anspannen seines Kiefers verriet, wie viel Selbstbeherrschung ihn diese Ruhe kostete. Was immer an Kränkung in ihm aufstieg, drängte er zurück, dorthin, wo es ihn jetzt nicht lähmen durfte. Sein Blick senkte sich auf ihren. „Wo ist Valda?“ Das Mädchen durfte nicht unbeaufsichtigt bleiben. Sie war kostbarer, als es irgendjemand hier ahnte, nicht nur für Sanna, sondern für Norsteading selbst.

