10-02-2026, 00:04 - Wörter:
Obwohl er kaum etwas sagte, fühlte sich plötzlich alles, was sie ausmachte, zerbrechlich an. Seine Stille war kein leeres Schweigen; sie war gefüllt, dicht, und sie legte etwas frei, das Sanna lange nicht hatte sehen wollen. Sie erkannte sich selbst kaum wieder. Diese Unsicherheit war neu — nicht, weil sie nichts fühlte, sondern weil sie zu viel fühlte. Weil sie verstand, dass da etwas war. Etwas Unausgesprochenes, das zwischen ihnen stand und gerade deshalb so schmerzte.
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, um dieses Eis zu brechen, und vielleicht war es genau das, was sie lähmte: dass jedes Wort es entweder zerstören oder sichtbar machen würde. Und beides fürchtete sie. Warum es überhaupt da war, wusste sie nicht. Zwischen ihnen hatte es nichts gegeben, das Zukunft versprach — und doch war da dieses leise Wissen, dass Gefühle keine Versprechen brauchten, um weh zu tun.
Als er sagte, dass sie ihn nicht entschädigen müsse, und die Worte mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat, zuckte ein schiefer Zug um ihre Lippen. Für einen flüchtigen Moment dachte sie an den Augenblick zurück, in dem sie ihm das grobe Leder in Helvis Hinterhof überreicht hatte — ein Geschenk und zugleich ein Gefallen, den sie nie wirklich einzulösen gedacht hatte.
Mit dieser Erinnerung im Kopf nickte sie nur und beließ es dabei. Sie wollte keine unnötige Spannung in dieses Gespräch tragen. Diskutieren war mit Veith ohnehin zwecklos — zumindest fühlte sie sich in diesem Moment nicht stark genug dafür.
Sanna spürte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte, als Veith ihr gestand, dass auch er an sie gedacht hatte. Dieses verräterische Herz, das dem silbernen Wolf längst einen Platz eingeräumt hatte — nicht nur für einen Moment, sondern zum Verweilen. Und das, obwohl sie wusste, dass er vielleicht nicht bleiben würde. Nicht nur, weil Welten zwischen ihnen lagen, sondern weil sie nicht sicher war, ob das Wissen um den Vater ihrer Tochter nicht all das, was sich leise zwischen ihnen gebildet hatte, im Keim ersticken würde.
Am liebsten hätte sie noch etwas gesagt, doch ihre Zunge versagte den Dienst. Für einen Moment blieb ihr nichts anderes, als die Hand tastend nach ihm auszustrecken und sie für wenige Herzschläge an seinem Arm liegen zu lassen, ehe sie wieder sanft abglitt. Dies war nicht der Moment, um all diese Dinge zu klären — auch wenn alles in Sanna danach verlangte. Und vielleicht dachte Veith genauso. Vielleicht würde es dafür auch nie den passenden Moment geben.
Sie bemerkte, dass der Name etwas in Veith bewegte. Natürlich würde er den Kronprinzen von Norsteading kennen — den jungen Wolf, der gerade dabei war, das Land seiner angeheirateten Familie zurückzuerobern. Den Kronprinzen, dem Veith Loyalität schuldete, ebenso wie dessen Familie. Sanna war nicht dumm. Sie wusste genau, dass sie ihn damit in eine ungünstige Lage brachte. Valda würde der Familie des Kronprinzen ein Dorn im Auge sein. Ein Bastard war nicht einfach ein Ausrutscher; er galt als Fehler, der korrigiert werden musste — und nicht durch Legitimation.
Die junge Jägerin spürte seinen Blick wie ein schweres, unsichtbares Gewicht auf ihrer Haut. Sie blieb auf den zehenspitzen stehen, die Füße kaum belastet, und wusste nicht, wonach sie suchte — oder ob sie es überhaupt finden wollte. Sein Blick war ruhig, beinahe harmlos, und doch zog etwas darin ihre Brust enger, ließ ihr Herz stolpern.
Ihre Hand auf seiner Brust drückte unwillkürlich fester, tastete, wollte spüren, was diese Worte in ihm auslösten. Jede kleine Anspannung, die sie fühlte, ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie konnte sehen, wie sich sein Kiefer verhärtete, spürte die Spannung zwischen ihnen wie ein gespanntes Seil — zerbrechlich, aber gleichzeitig so stark, dass ein falscher Atemzug alles hätte zerreißen können. Und während ihre Finger auf seiner Brust lagen, pochte ihr Herz gegen jede Vorsicht in ihr. Sie wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war oder ein schlechtes — und gerade in dieser Ungewissheit brannte die Nähe zwischen ihnen wie eine stille, schmerzhafte Verheißung: kostbar, verletzlich, und unendlich unwiderstehlich zugleich.
Sanna ließ sich wieder auf ihre Füße sinken, ihre Hand glitt von ihm ab, und sie drehte den Blick zur kleinen Zeltstadt zu ihrer Rechten.
Neben dem dringenden Bedürfnis, Leif wirklich aufzusuchen, war er auch eine willkommene Ausrede, sich noch ein wenig Zeit zu verschaffen — auch wenn sie noch nicht wusste, was ihr diese Zeit bringen würde. Eine Lösung? Eine Erkenntnis? Oder nur das endlose Ziehen dieses Augenblicks, das sie noch immer nicht losließ.
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, um dieses Eis zu brechen, und vielleicht war es genau das, was sie lähmte: dass jedes Wort es entweder zerstören oder sichtbar machen würde. Und beides fürchtete sie. Warum es überhaupt da war, wusste sie nicht. Zwischen ihnen hatte es nichts gegeben, das Zukunft versprach — und doch war da dieses leise Wissen, dass Gefühle keine Versprechen brauchten, um weh zu tun.
Als er sagte, dass sie ihn nicht entschädigen müsse, und die Worte mit einer wegwerfenden Handbewegung abtat, zuckte ein schiefer Zug um ihre Lippen. Für einen flüchtigen Moment dachte sie an den Augenblick zurück, in dem sie ihm das grobe Leder in Helvis Hinterhof überreicht hatte — ein Geschenk und zugleich ein Gefallen, den sie nie wirklich einzulösen gedacht hatte.
Mit dieser Erinnerung im Kopf nickte sie nur und beließ es dabei. Sie wollte keine unnötige Spannung in dieses Gespräch tragen. Diskutieren war mit Veith ohnehin zwecklos — zumindest fühlte sie sich in diesem Moment nicht stark genug dafür.
Sanna spürte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte, als Veith ihr gestand, dass auch er an sie gedacht hatte. Dieses verräterische Herz, das dem silbernen Wolf längst einen Platz eingeräumt hatte — nicht nur für einen Moment, sondern zum Verweilen. Und das, obwohl sie wusste, dass er vielleicht nicht bleiben würde. Nicht nur, weil Welten zwischen ihnen lagen, sondern weil sie nicht sicher war, ob das Wissen um den Vater ihrer Tochter nicht all das, was sich leise zwischen ihnen gebildet hatte, im Keim ersticken würde.
Am liebsten hätte sie noch etwas gesagt, doch ihre Zunge versagte den Dienst. Für einen Moment blieb ihr nichts anderes, als die Hand tastend nach ihm auszustrecken und sie für wenige Herzschläge an seinem Arm liegen zu lassen, ehe sie wieder sanft abglitt. Dies war nicht der Moment, um all diese Dinge zu klären — auch wenn alles in Sanna danach verlangte. Und vielleicht dachte Veith genauso. Vielleicht würde es dafür auch nie den passenden Moment geben.
Sie bemerkte, dass der Name etwas in Veith bewegte. Natürlich würde er den Kronprinzen von Norsteading kennen — den jungen Wolf, der gerade dabei war, das Land seiner angeheirateten Familie zurückzuerobern. Den Kronprinzen, dem Veith Loyalität schuldete, ebenso wie dessen Familie. Sanna war nicht dumm. Sie wusste genau, dass sie ihn damit in eine ungünstige Lage brachte. Valda würde der Familie des Kronprinzen ein Dorn im Auge sein. Ein Bastard war nicht einfach ein Ausrutscher; er galt als Fehler, der korrigiert werden musste — und nicht durch Legitimation.
Die junge Jägerin spürte seinen Blick wie ein schweres, unsichtbares Gewicht auf ihrer Haut. Sie blieb auf den zehenspitzen stehen, die Füße kaum belastet, und wusste nicht, wonach sie suchte — oder ob sie es überhaupt finden wollte. Sein Blick war ruhig, beinahe harmlos, und doch zog etwas darin ihre Brust enger, ließ ihr Herz stolpern.
Ihre Hand auf seiner Brust drückte unwillkürlich fester, tastete, wollte spüren, was diese Worte in ihm auslösten. Jede kleine Anspannung, die sie fühlte, ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie konnte sehen, wie sich sein Kiefer verhärtete, spürte die Spannung zwischen ihnen wie ein gespanntes Seil — zerbrechlich, aber gleichzeitig so stark, dass ein falscher Atemzug alles hätte zerreißen können. Und während ihre Finger auf seiner Brust lagen, pochte ihr Herz gegen jede Vorsicht in ihr. Sie wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war oder ein schlechtes — und gerade in dieser Ungewissheit brannte die Nähe zwischen ihnen wie eine stille, schmerzhafte Verheißung: kostbar, verletzlich, und unendlich unwiderstehlich zugleich.
„Sie ist bei einer Freundin“
, sagte Sanna ruhig, als Veith nach dem Verbleib ihrer Tochter fragte. „Diejenige, die uns schon aus Wintergard herausgebracht hat.“
Es war ein glücklicher Zufall, dass jene Freundin wieder aufgetaucht war, und beide Frauen hatten erleichtert aufeinander reagiert, als sie sich in die Arme schließen konnten. Sanna ließ sich wieder auf ihre Füße sinken, ihre Hand glitt von ihm ab, und sie drehte den Blick zur kleinen Zeltstadt zu ihrer Rechten.
„Wir sollten Leif finden…“
sagte sie schließlich und trat einen Schritt von Veith zurück, auch wenn es sich anfühlte, als würde es sie augenblicklich wieder in seine Nähe ziehen. Kaum merklich holte sie tiefer Luft und schob die Sehnsucht beiseite, die sich in dem dunklen Braun ihrer Augen widerspiegelte. Drei Schritte ging sie, ehe sie erneut anhielt und zu Veith sah.Neben dem dringenden Bedürfnis, Leif wirklich aufzusuchen, war er auch eine willkommene Ausrede, sich noch ein wenig Zeit zu verschaffen — auch wenn sie noch nicht wusste, was ihr diese Zeit bringen würde. Eine Lösung? Eine Erkenntnis? Oder nur das endlose Ziehen dieses Augenblicks, das sie noch immer nicht losließ.
![[Bild: Sanna_Signatur_03.png]](https://into-oblivion.de/grafiken/RPG/facingthestorm/Sanna_Signatur_03.png)
